Leichtathletik

Die Wege am Wupperhof als Ausweichbahn

SLC-Spitzenläufer Maximilian Kremser ist wie so viele aus seinem Alltag gerissen – und trainiert alternativ.

Von Daniel Bernards

Kurz vor Ostern wäre Leichtathlet Maximilian Kremser wie schon so häufig mit seinem Stammverein ins Trainingslager nach Westerstede in Norddeutschland gefahren. Kurze Zeit später hätte für den 19-jährigen nationalen Spitzenläufer über die 400-Meter-Strecke die heiße Saisonphase mit den ersten wichtigen Wettkämpfen begonnen. Wäre, hätte – der junge Sportler des Solinger Leichtathletik-Clubs spricht wie so viele andere Menschen derzeit viel im Konjunktiv von Möglichkeiten, die aufgrund der Corona-Krise dieses Jahr in geplanter Weise nicht mehr durchführbar erscheinen.

Auch Maximilian Kremser stellt sich gerade auf den Krisenmodus um – und hat, was sein sportliches Pensum angeht, noch Glück, wie er dem Tageblatt am Telefon erzählt. „Ich bin halt Läufer, und das ist in diesen Tagen tatsächlich ein Vorteil.“ Anders als Mannschaftssportler, die aufeinander angewiesen seien, könne er vieles „alleine“ durchziehen und dabei auf „alternative Trainingsorte“ ausweichen. Und so macht der Student der Kölner Sporthochschule das, was viele andere Hobbysportler aktuell ebenfalls oft und gerne machen, etwa um der häuslichen Langeweile zu entkommen, zumal es alleine weiter erlaubt bleibt und aus gesundheitlicher Sicht empfohlen wird: „Ich gehe viel zum Laufen und Trainieren in den Wald und in die Natur.“ Dort suche er besonders flache und etwas längere Strecken – halt einigermaßen geeignete Wege für einen ambitionierten 400-Meter-Läufer, der im vergangenen Jahr noch eine Silbermedaille bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften U20 gewinnen konnte.

An einem Solinger Lieblingsplatz scheint das besonders möglich zu sein: „Auf Wegen in der Nähe des Wupperhofs kann ich sogar mit Spikes laufen.“ Man müsse nur auf die anderen dort befindlichen Personen aufpassen – auch ein in der Fachsprache Langsprinter genannter Athlet sollte schon den gebotenen Mindestabstand einhalten und zudem den Spaziergänger nicht zu sehr erschrecken.

Hoffnung auf wichtige Titelkämpfe im Sommer

Trainingspläne bekommt Kremser von Trainer Detlef Steigerwald per Telefon und WhatsApp. Doch gerade der persönliche Kontakt zum Trainer und zur bewährten SLC-Gemeinschaft fehle ihm: „Es ist was Anderes, ob du drei bis vier Mal mit deiner Truppe auf dem Schaberg trainierst oder ob du alleine in den Wald gehst und zu Hause Übungen machst.“ Immerhin könne er die Motivation einigermaßen hoch halten.

Training an der Wupper – die Antwort auf Corona. 

Über allem schwebt das Momentum der aktuellen Zeit, die Unsicherheit, die sich bei Maximilian Kremser zum Glück hauptsächlich auf das Sportliche reduziert: „Die ersten Wettkämpfe im Mai sind schon abgesagt. Noch unklar erscheint, was aus den großen Meisterschaften im Sommer wird.“ Die „großen“ Meisterschaften – damit gemeint sind die Deutschen Junioren-Meisterschaften U23 und die nationalen Titelkämpfe der Erwachsenen, für die sich der SLC-Läufer in seiner ersten Saison in der Männerklasse wohl sicher qualifizieren würde.

Als Student der Kölner Sporthochschule ist Kremser ebenfalls betroffen. Die erstmalige Verschiebung des Semesterbeginns nimmt er jedoch studentisch gelassen hin: „Jetzt in den Semesterferien fiel nur eine Klausur aus. Und auf die konnte ich auch gut verzichten.“

Bei Kremsers Verein, dem SLC, ist der Trainings- und Kursbetrieb seit dem 16. März ausgesetzt.

Kein Vereinsleben am Schaberg

Der Club reagierte, wie andere Solinger Vereine in ähnlicher Weise, auf diese Art schon vor dem beschlossenen Versammlungsverbot unter anderem auf die Schließung von Trainingsstätten wie der Herbert-Schade-Sportanlage und den Sporthallen. Zudem gab der Verein bekannt, auch die geplante Mitgliederversammlung auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

VERANSTALTUNGEN

DROHENDE ABSAGEN Die Durchführung von zwei eigenen Leichtathletik-Sportfestes und des Klingenlaufs erscheint derzeit unwahrscheinlich. Allerdings sind diese noch nicht offiziell abgesagt. Bei den beiden Veranstaltungen, die für den 16. Mai und den 7. Juni geplant sind, soll die Situation nach dem 19. April abgewartet werden. Die Klingenlauf-Organisatoren – die 32. Auflage ist für den 11. Juni angesetzt – prüfen derzeit die Konsequenzen einer Absage und die Möglichkeit einer Verschiebung.