Die Popfigur im Rebellenlager

Bei den Verhandlungen auf Kuba, die Kolumbien endlich den lang ersehnten Frieden bringen sollen, tritt auch eine der umstrittensten Figuren Kolumbiens auf: eine Holländerin, die seit zehn Jahren mit Waffen gegen die Regierung kämpft. Und Kolumbiens fragwürdigste Heldin wird langsam auch in Europa zum Star.

Seit Tanja Nijmeijer sich im Jahre 2000 der FARC, den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens, anschloss, geht die Zahl der Berichterstattungen über sie in die Höhe. Sollte Nijmeijer bei den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den Rebellen dabei sein, wird sie endgültig Berühmtheit erlangen.

Nijmeijer erlangte in Kolumbien schnell einen enormen Bekanntheitsgrad, weil sie eine der wenigen Europäerinnen bei den kolumbianischen Rebellen ist. Viele FARC-Mitglieder kämpfen wegen einer Mischung aus finanziellen und ethischen Motiven, bei Nijmeijer fallen die finanziellen Motive weg. So war die junge und kluge Ausländerin lange Zeit Aushängeschild der Rebellenpartei und stand für die überzeugenden Ziele der FARC: Gleichheit und den Kampf gegen die oligarchische Herrschaft und Armut in Kolumbien.

Als sich 2007 das Tagebuch Tanja Nijmeijers fand, gab dies der Regierung die Gelegenheit, die Holländerin ihrerseits als Aushängeschild zu missbrauchen. Denn das Tagebuch erhielt zahlreiche Beschwerden über das Rebellenleben in holländischer Sprache, welche die kolumbianische Regierung im Kampf um die Sympathie der Bevölkerung medienwirksam ausschlachtete. So kam eine zensierte Version von Nijmeijers Tagebuch auf den Markt und schilderte das Rebellen-Leben als hart und die FARC als ungerechten und streng hierarchisch organisierten Verein.

Nijmeijer reagierte mit Verteidigungen ihrer „Familie“: In mehreren Interviews betonte sie ihre Verwachsenheit mit der FARC, zeigt sich zufrieden und überzeugt. Durch die Medienpräsenz wurde auch Europa auf die Holländerin aufmerksam, die aus emotionalen Motiven in einen brutalen Krieg verstrickt ist, der nicht der ihre ist. Mittlerweile ist ein Film über sie gedreht worden, und die kolumbianischen Bücher über sie werden in mehrere Sprachen übersetzt. Sollte die Rebellin bei den Friedensgesprächen auf Kuba, die nun stattfinden, teilnehmen, wird sie als eine der wenigen Frauen und einzige Ausländerin wohl endgültig zu einer Medienfigur werden und weiterhin die <a href="http://www.sueddeutsche.de/"><b>Nachrichten</b></a> aus Kolumbien beherrschen.

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