„Zwölf Raketen in 55 Sekunden“

Im Video: Waffen-Wende! Aus Beständen der Bundeswehr - Deutschland liefert Ukraine schweres Artilleriesystem

Schweres Artillerie-Waffensystem der Bundeswehr: der MARS-II-Raketenwerfer.
+
Schweres Artillerie-Waffensystem der Bundeswehr: der MARS-II-Raketenwerfer.

Plötzliche Waffen-Wende in Berlin: Nach der Panzerhaubitze2000 plant Deutschland die Lieferung mehrerer schwerer Raketenwerfer an die Ukraine.

München/Berlin/Kiew - Wochenlang hat die Ukraine im Krieg mit Russland eindringlich darum gebeten, jetzt liefert der Westen sie also doch: schwere Waffen. Nachdem die USA die Entsendung modernen Mehrfachraketenwerfer angekündigt hatten, wird nun auch Deutschland Kiew Raketenwerfer liefern. Das berichten am Mittwochabend (1. Juni) das „heute journal“ des ZDF und die Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf Regierungskreise übereinstimmend.

Schwere Waffen für die Ukraine: Deutschland liefert vier MARS-II-Raketenwerfer

Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte im Deutschen Bundestag zunächst die Lieferung des modernen Luftverteidigungssystems Iris-T-SLM sowie eines Ortungsradars angekündigt. Doch damit nicht genug: Den Berichten zufolge will Deutschland jetzt auch vier mobile Raketenwerfer Typ MARS II bereitstellen - und zwar aus Beständen der deutschen Bundeswehr. Neben sieben Panzerhaubitzen2000 wird der Ukraine damit das nächste Artilleriesystem zur Verfügung gestellt, das auch im Heer der Bundeswehr zum Einsatz kommt.

MARS steht für „Mittleres Artillerieraketensystem“. Ein mobiles MARS II, das eigenständig auf Ketten gefahren wird, verschießt nach Angaben der Bundeswehr „Raketen und Panzerabwehrminen im indirekten Feuer“. Demnach beträgt die Kampf-Entfernung bis zu 84 Kilometer. Ein MARS II trägt als Bewaffnung maximal zwölf Raketen, die innerhalb von 55 Sekunden verschossen werden können. Die Hochpräzisionsmunition ist GPS-gelenkt, weswegen die Raketen laut Bundeswehr ihr Ziel punktgenau treffen.

Im Video: Das ist der Raketenwerfer MARS-II der Bundeswehr

Quelle: YouTube/Bundeswehr, Stand 01. Juni 2022

Drei Soldaten fahren und bedienen den MARS II. Das Militärfahrzeug auf Kettenfahrgestell kann bis zu 50 Stundenkilometer schnell fahren und eine Reichweite von 400 Kilometer zurücklegen. Markant: Laut einem Präsentationsvideo der Bundeswehr (siehe oben) hatten die deutschen Streitkräfte Stand Frühjahr 2019 selbst nur 22 Raketenwerfer MARS II auf ihren Truppenübungsplätzen stehen. Die Waffensysteme sind seither unter anderem ins Artilleriebataillon 295 (ArtBtl 295) eingebettet, stationiert in der Alb-Kaserne auf der Schwäbischen Alb im Süden von Baden-Württemberg.

Schwere Waffen für die Ukraine: Ampel-Kanzler Olaf Scholz unter Druck geraten

660 Kilometer weiter nordöstlich war Kanzler Scholz im Parlament heftig in die Kritik geraten, weil die „Ampel“ beim Thema schwere Waffen lange zögerte. Sowohl der Koalitionspartner FDP als auch die oppositionelle Union aus CDU und CSU machten Druck. Jetzt kam es in Berlin zur Waffen-Wende. Bereits seit Mitte Mai werden ukrainische Soldaten an der Artillerieschule der Bundeswehr in Idar-Oberstein an der Panzerhaubitze2000 ausgebildet. Wann die Waffensysteme an die Ukraine letztlich geliefert werden sollen, ist laut ZDF indes unklar. (pm)

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Russlands Begründung für gefallene Soldaten: „Eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht“
Russlands Begründung für gefallene Soldaten: „Eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht“
Russlands Begründung für gefallene Soldaten: „Eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht“
Ukraine-Krieg: US-Diplomatin sieht Grund für Putins Taktikänderung
Ukraine-Krieg: US-Diplomatin sieht Grund für Putins Taktikänderung
Ukraine-Krieg: US-Diplomatin sieht Grund für Putins Taktikänderung
Was kommt nach der Kohle? Zukunft liegt im Wasserstoff, glaubt NRW-Ministerin Mona Neubaur
Was kommt nach der Kohle? Zukunft liegt im Wasserstoff, glaubt NRW-Ministerin Mona Neubaur
Was kommt nach der Kohle? Zukunft liegt im Wasserstoff, glaubt NRW-Ministerin Mona Neubaur
„Unerklärter Krieg gegen uns“: Putins Minister Schoigu besucht Belarus und sieht „feindlichen“ US-Kurs
„Unerklärter Krieg gegen uns“: Putins Minister Schoigu besucht Belarus und sieht „feindlichen“ US-Kurs
„Unerklärter Krieg gegen uns“: Putins Minister Schoigu besucht Belarus und sieht „feindlichen“ US-Kurs

Kommentare