Ticker zur militärischen Lage

„Heute zum Mittagessen“: Putins „Bluthund“ sagt Einnahme Mariupols voraus – Neuer Massengrabfund bei Kiew

Der Ukraine-Krieg ist in eine neue Phase getreten. In einem Vorort von Kiew wurden Massengräber gefunden. Vier Busse mit Zivilisten haben Mariupol verlassen. Der Militär-Ticker.

Update vom 21. April, 10.30 Uhr: Im Kiewer Vorort Borodjanka sind nach ukrainischen Angaben zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Überdies ist nach ukrainischen Angaben nun der Großteil der Region Luhansk unter russischer Kontrolle. Die Evakuierung von Zivilisten aus der hart umkämpften Stadt Mariupol am Asowschen Meer ist am Mittwoch erneut gescheitert. Verbliebene ukrainische Kämpfer hätten am Morgen noch die Möglichkeit sich zu ergeben, so der Anführer der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, in der Nacht zum Donnerstag. Aktuelle News zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg finden Sie in unserem News-Ticker.

Update vom 21. April, 8.43 Uhr: Inmitten heftiger Kämpfe: Vier Busse mit Zivilisten haben an diesem Donnerstagmorgen Mariupol verlassen können. Das teilte die ukrainische Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk laut AFP mit. Die strategisch wichtige Hafenstadt steht kurz davor, endgültig unter russische Kontrolle zu fallen (siehe vorheriges Update).

Ukraine-Krieg: Putin-Truppen wollen Stahlwerk Asowstal in Mariupol einnehmen

Update vom 21. April, 6.33 Uhr: Noch am Donnerstag wird das Stahlwerk Asowstal in der schwer umkämpften Stadt Mariupol an russische Einheiten fallen - das sagte zumindest der Anführer der russischen Teilrepublik Tschetschenien. „Heute vor oder nach dem Mittagessen wird Asowstal vollständig unter Kontrolle der russischen Streitkräfte sein“, erklärte Ramsan Kadyrow, dessen Einheiten in der Ukraine kämpfen, in der Nacht zum Donnerstag auf Telegram.

Verbliebene ukrainische Kämpfer hätten am Morgen noch die Möglichkeit sich zu ergeben, so Kadyrow weiter. Täten sie dies, sei er sicher, dass die russische Führung „die richtige Entscheidung“ treffen werde.

Russischen Angaben zufolge befinden sich noch rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner in dem Stahlwerk. Ukrainischen Mitteilungen zufolge sollen dort auch rund 1000 Zivilisten Schutz gesucht haben.

Ukraine-Krieg: Charkiw und Cherson laut Ukraine unter Beschuss

In der Nacht zum Donnerstag ist aus der Ukraine indes erneut Beschuss gemeldet worden. In der Großstadt Charkiw in der Ostukraine hätten nach Explosionen mindestens zwei Hochhäuser im nordöstlichen Bezirk Saltivka und mehrere geparkte Autos Feuer gefangen. Das berichtete die ukrainische Zeitung Ukrajinska Prawda.

In der Region Dnipropetrowsk seien die Nachbarorte Selenodolsk und Welyka Kostromka unter heftigen Beschuss geraten, teilte der Chef der lokalen Militärverwaltung, Olexander Wilkul, am frühen Donnerstagmorgen auf Facebook mit. Angaben zu genauen Zielen oder Schäden machte Wilkul nicht. Laut Wilkul sind auch nunmehr wieder unter ukrainischer Kontrolle stehende Dörfer im Gebiet Cherson am späten Mittwochabend beschossen worden. Die Angaben konnten nicht unabhängig verifiziert werden.

Aufnahme vom 21. April: Soldaten der Miliz der „Volksrepublik“ Donezk in Mariupol

Kiew meldet neuen Fund von Massengräbern: Neun Leichen von Zivilisten in Vorort

Update vom 21. April, 5.29 Uhr: Im Kiewer Vorort Borodjanka sind nach ukrainischen Angaben zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Darin hätten sich insgesamt neun Leichen von Zivilisten, Männer wie Frauen, befunden, teilte Andrij Nebitow von der Polizei der Region Kiew in der Nacht zum Donnerstag auf Facebook mit. Einige von ihnen hätten Folterspuren aufgewiesen, hieß es weiter.

Borodjanka gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in der Hauptstadtregion. Aus der Stadt wurden Gräueltaten der mittlerweile abgezogenen russischen Einheiten gemeldet. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Überdies ist nach ukrainischen Angaben nun der Großteil der Region Luhansk unter russischer Kontrolle. Nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus der Kleinstadt Krimenna kontrollierten russische Einheiten nun 80 Prozent des Gebietes Luhansk, teilte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, am Mittwochabend auf Telegram mit.

Kiew meldet erneut Scheitern von Evakuierung in Mariupol im Ukraine-Krieg

Update vom 20. April, 21.25 Uhr: Die Evakuierung von Zivilisten aus der hart umkämpften Stadt Mariupol am Asowschen Meer ist am Mittwoch erneut gescheitert, wie die ukrainische Regierung am Mittwochabend mitteilte. „Leider hat der humanitäre Korridor aus Mariupol heute nicht wie geplant funktioniert“, teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk im Nachrichtenkanal Telegram mit. Eine für die Evakuierung benötigte Waffenruhe habe es demnach nicht gegeben. Die „unorganisierten Besatzer“ hätten es nicht geschafft, die Menschen rechtzeitig zu dem vereinbarten Punkt zu bringen, „wo unsere Busse und Krankenwagen warteten“, kritisierte Wereschtschuk weiter. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Einen neuen Versuch, die rund 1000 Zivilisten aus der Stadt zu evakuieren, soll es demnach am Donnerstag geben. Besonders gespannt ist die Lage weiter um das Stahlwerk Azovstal, in dem sich nach russischen Angaben rund 2500 ukrainische Kämpfer und ausländische Söldner verschanzt haben sollen, die die Verteidigung der Stadt noch nicht aufgegeben haben. Die russischen Kräfte haben die Soldaten dazu aufgefordert, ihre Waffen niederzulegen und sich in Kriegsgefangenschaft zu begeben.

Zivilisten gehen an einem Panzer vorbei, der bei schweren Kämpfen in einem von den von Russland unterstützten Separatisten kontrollierten Gebiet in Mariupol zerstört wurde.

Ukraine-Krieg-News: Bürgermeister ruft Einwohner nun zur Flucht aus Mariupol auf

Update vom 20. April, 15.15 Uhr: Der Bürgermeister der im Ukraine-Krieg umkämpften Hafenstadt Mariupol hat die Einwohnerinnen und Einwohner laut CNN zur Evakuierung aufgefordert. Zuvor wurde die Einrichtung eines humanitären Korridors bekannt gegeben. „Liebe Leute von Mariupol, während dieser langen und unglaublich schwierigen Tage haben Sie unter unmenschlichen Bedingungen überlebt“, zitiert der US-Sender Lokal-Politiker Vadym Boichenko. „Sie befanden sich in einem Informationsvakuum ohne Zugang zu Informationen. Vielleicht haben Sie verschiedene Dinge gehört. Aber ich möchte, dass Sie das Wichtigste wissen“, betonte er: Die Bürger würden in Saporischja erwartet. „Dort ist es sicher.“

Eine Anwohnerin geht mit Gepäck an einem beschädigten Wohnhaus vorbei. Die Hafenstadt Mariupol ist seit dem 1. März 2022 vollständig von russischen Truppen eingeschlossen und beinahe komplett erobert.

Update vom 20. April, 13.33 Uhr: Im Osten der Ukraine spitzt sich die Lage weiter zu. Serhiy Haidai, Regional-Gouverneur von Luhansk, meldete eine komplett zerstörte Infrastruktur in mehreren Städten und Dörfern der Region. Die Versorgung mit Elektrizität, Gas und Wasser könne nicht bis zu einem Kriegsende wiederhergestellt werden. Das berichtet das Portal Kyiv Independent.

Ukraine-Krieg-News: Moskau setzt Luftangriffe fort

Update vom 20. April, 10.40: Die russischen Luftstreitkräfte haben nach eigenen Angaben in der Nacht 73 militärische Ziele in der Ukraine bombardiert. „Durch den Einschlag hochpräziser Raketen im Gebiet Nowoworonzowka und Kiseliwka wurden bis zu 40 Soldaten der ukrainischen Truppen sowie sieben gepanzerte Fahrzeuge vernichtet“, erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwoch. Von unabhängiger Seite konnten diese Angaben nicht bestätigt werden.

Seinen Angaben nach richteten sich die Angriffe vor allem gegen taktische Ziele. Neben den Angriffen der Luftstreitkräfte hätten die russischen Raketenstreitkräfte und Artillerie auch 1053 Militärobjekte beschossen, teilte er in seinem täglichen Morgenbriefing mit.

Ukraine-Krieg: Kiew nennt gigantische Zahl an Verschleppten nach Russland

Update vom 20. April, 9.30 Uhr: Nach Angaben der Ukraine sind bislang 500.000 Menschen aus dem Land nach Russland deportiert werden. Laut Serhij Kyslyzja, dem Ständigen Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen, sei mehr als eine halbe Million Menschen nach Russland „zwangsüberstellt“ worden, berichtet Kyiv Independent. Darunter hätten sich auch 121.000 Kinder befunden. Diese Darstellung lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Kyslyzja erklärte dem Bericht zufolge weiter, ukrainische Staatsbürger würden vor allem in ökonomisch abgehängte Regionen Russlands gebracht, etwa in den Norden des Landes oder auf die Insel Sachalin vor der russischen Ostküste. Eine Wiederausreise sei ihnen für zwei Jahre verwehrt.

Ukraine-Krieg-News: Hoffnung für Mariupol? Offenbar Zivilisten-Fluchtkorridore geplant

Update vom 20. April, 9.08 Uhr: Hoffnung für die Einwohner Mariupols (siehe heutiges Update von 6.10 Uhr)? Kiew hat sich nach eigenen Angaben mit Putins Truppen auf einen Zivilisten-Fluchtkorridor aus der umkämpften Hafenstadt geeinigt. Das teilte die stellvertretende Regierungschefin Iryna Wereschtschuk laut dpa auf Telegram mit.

Die Zivilisten sollen demnach in die Stadt Saporischschja gebracht werden. „Angesichts der katastrophalen Lage in Mariupol konzentrieren wir unsere Bemühungen heute in dieser Richtung“, so Wereschtschuk. Es handelt sich um den ersten Fluchtkorridor aus Mariupol seit Samstag.

Ukraine-Krieg: Wohl bis zu 20.000 Söldner für Moskau im Einsatz

Update vom 20. April, 7.37 Uhr: Russland setzt im Ukraine-Krieg nach westlichen Schätzungen zwischen 10.000 und 20.000 Söldner ein. Bei den Söldnern handele es sich um Mitglieder der berüchtigten russischen Wagner-Gruppe sowie um Kämpfer aus Syrien und Libyen, sagte ein europäischer Regierungsbeamter am Dienstag vor Journalisten in Washington.

Die Söldner verfügten nicht über schwere Fahrzeuge oder Waffen, vielmehr würden sie in erster Linie als „Masse gegen den Widerstand der Ukrainer“ eingesetzt. Beobachtet worden seien vor allem „Verlegungen“ dieser Kämpfer in die ostukrainische Region Donbass.

Ukraine-Krieg-News: Lage in Mariupol laut Selenskyj äußerst ernst

Update vom 20. April, 6.39 Uhr: Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist höchst besorgt um Mariupol (siehe vorheriges Update). Die Lage dort sei weiter als „so schwierig wie nur möglich“. Das russische Militär blockiere alle Versuche, humanitäre Korridore zu organisieren und ukrainische Bürger zu retten, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft, die in der Nacht zu Mittwoch auf Telegram veröffentlicht wurde.

Bewohner der Stadt, die sich in den Händen russischer Einheiten befänden, versuche man zu „deportieren“ oder in die russischen Truppen zu mobilisieren. Leider, sagte Selenskyj weiter, bekomme man keine Antworten auf den Vorschlag eines Austauschs, der es erlauben würde, Zivilisten und Verteidiger aus der Stadt zu retten.

Ukraine-Krieg: Truppen in Mariupol bitten um Evakuierung in Drittstaat

Update vom 20. April, 6.19 Uhr: „Der Feind ist uns 10 zu 1 überlegen“: Dieser Hilferuf kam in der Nacht aus dem schwer umkämpften Mariupol. Serhij Wolyna, ukrainischer Kommandeur der verbliebenen Marineinfanteristen in der Hafenstadt, hat ihn ausgesprochen.

„Wir appellieren an alle führenden Politiker der Welt, uns zu helfen“, sagte er in einer an diesem Mittwochmorgen auf Facebook veröffentlichten einminütigen Videobotschaft. Das berichtet die dpa. Putins Truppen hätten Vorteile in der Luft, bei der Artillerie, den Bodentruppen, bei Ausrüstung und Panzern, sagt Wolyna weiter.

Die ukrainische Seite verteidige nur ein Objekt, das Stahlwerk Asowstal, wo sich außer Militärs noch Zivilisten befänden. Wolyna bittet, das „Verfahren der Extraktion“ anzuwenden und alle - das Militär der Mariupol-Garnison, mehr als 500 verwundete Kämpfer und Hunderte Zivilisten - auf dem Territorium eines Drittlandes in Sicherheit zu bringen: „Das könnte der letzte Appell unseres Lebens sein.“

Ukraine-Krieg: Moskau fordert ukrainische Streitkräfte zur Aufgabe auf

Zum US-TV-Sender CNN sagte Wolyna, eine Evakuierung könne etwa per Schiff oder per Helikopter erfolgen. Auch eine internationale humanitäre Mission sei eine Möglichkeit. Zur Frage, wie viele ukrainische Militärs sich auf dem Gelände des Stahlwerks aufhielten, machte er keine Angaben.

Videoscreenshot der Stadt Mariupol vom 18. April: das dortige unter Beschuss stehende Stahlwerk der Azovstal-Gruppe

Ukraine-News - Russland meldet: 120 Zivilisten haben Mariupol-„Festung“ verlassen

Update vom 19. April, 21.17 Uhr: In Mariupol ist eine knapp zweistündige und einseitig von Russland verkündete Feuerpause wohl ergebnislos verstrichen. „Niemand hat den rund um Asovstal gebildeten neuen humanitären Korridor für Zivilisten genutzt. sagte Alexej Nikonorow, ein Sprecher der prorussischen Separatisten, der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Das russische Fernsehen hingegen berichtete, dass 120 Zivilisten das Stahlwerk verlassen hätten. Die ukrainischen Kämpfer hingegen sollen sich weiterhin in der Fabrik verschanzen.

„Wird vom Antlitz der Erde ausgelöscht“: Ukraine fängt wohl Russland-Funkspruch

Update vom 19. April, 19.18 Uhr: Russland plant wohl, die Stahlfabrik in Mariupol, in der sich die ukrainische Truppe sowie Zivilisten verschanzt haben, mittels Luftschlägen „dem Erdboden gleichzumachen“. Das geht aus einem vom ukrainischen SBU abgefangenen russischen Funkspruch hervor, über den CNN berichtet. Demnach berichtet in dem Funkspruch der Anführer eines russischen Zuges, der weniger Kilometer entfernt stationiert ist. Er spricht demnach vom Befehl, „alles dem Erdboden gleichzumachen“ und von „Überraschungen aus Russland“, die man erwarte. Auf Nachfrage präzisiert er demnach: „Drei Tonnen schwere (Überraschungen, Anmerkung der Redaktion), vom Himmel“.

In dem Werk von Asowstahl haben sich wohl die letzten verbliebenen ukrainischen Kämpfer in Mariupol verschanzt. Zudem sollen sich dort auch Zivilisten, die die russischen Angriffe fürchten, verstecken.

Auch darauf wird dem Bericht nach in dem Funkspruch eingegangen. „Alle sind gegangen - alle, die wollten.“ Zudem spricht der Russe dem Bericht nach auch über die ukrainische Stadt Lysychansk in Luhansk, die „vom Antlitz der Erde ausgelöscht wird. Den dritten Tag in Folge.“

Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenfoto zeigt einen Überblick über die Fabrik der «Azovstal Iron and Steel Works»

Ukraine-Krieg: USA sehen nur Beginn des Großangriffs und erwarten noch mehr russische Angriffe

Update vom 19. April, 19.04 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium sieht die jüngsten russischen Angriffe im Osten der Ukraine nur als Vorzeichen einer größeren Offensive Russlands. „Wir gehen davon aus, dass diese Angriffe das Vorspiel zu größeren Offensivaktionen sind, die die Russen planen“, sagte ein hochrangiger Beamter des Pentagons am Dienstag in Washington. Er betonte, man widerspreche damit nicht den Darstellungen, dass der erwartete Großangriff der russischen Truppen im Osten des Landes begonnen habe. Es gehe nur darum, zu unterstreichen, dass die aktuellen Angriffe erst der Auftakt seien.

Auch wenn es südwestlich von Donezk und südlich von Isjum bereits verstärkte Kämpfe am Boden gebe, sei Russland noch dabei, seine logistischen Kapazitäten auszubauen und auch Einheiten von außerhalb der Ukraine ins Land zu holen. In den vergangenen 24 Stunden habe Russland zwei weitere taktischen Bataillone in die Ukraine* gebracht - damit seien inzwischen 78 dieser Einheiten im Land. Er nannte keine genaue Zahl mit Blick auf die einzelnen Einheiten, aber solche Bataillone bestehen typischerweise aus etwa 600 bis 1000 Soldaten.

Nach ukrainischen Angaben läuft die zuvor erwartete Offensive der Russen seit Montag. Präsident Wolodymr Selenskyj* hatte am Montagabend in einer Videobotschaft gesagt: „Wir können jetzt feststellen, dass die russischen Truppen die Schlacht um den Donbass begonnen haben, auf die sie sich seit langem vorbereitet haben.“ Russland vermied den Begriff Offensive. Außenminister Sergej Lawrow bestätigte aber, dass die nächste Phase der „Spezial-Operation“ begonnen habe.

Ukraine-Krieg: Putins „Bluthund“ sagt Mariupol-Einnahme noch heute voraus

Erstmeldung vom 19. April: Kiew - Der Ukraine-Krieg* hat mit einem Großangriff der russischen Truppen im Osten des Landes nach rund acht Wochen eine neue Phase erreicht. „Ich bin sicher, das wird ein wichtiger Moment in dieser gesamten Spezialoperation“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow laut Tagesschau.de in einem Interview mit dem Fernsehsender India Today. Es gehe darum, die „vollständige Befreiung der Republiken Donezk und Luhansk*“ zu erreichen, so Lawrow mit Blick auf die Separatisten-Gebiete, die Moskau als unabhängige Staaten anerkannt hat.

Auch Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu* hat das militärische Ziel seines Landes bekräftigt, die Ostukraine „befreien“ zu wollen. „Wir setzen unseren Plan zur Befreiung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk schrittweise um“, sagte er am Dienstag. Er warf Washington und seinen Verbündeten vor, den Militäreinsatz durch ihre Waffenlieferungen an die Ukraine „in die Länge zu ziehen“.

Ukraine-Krieg: Russland verspricht Mariupol-Verteidigern wenig beneidenswertes Schicksal

„Wir ergreifen Maßnahmen, um das friedliche Leben wiederherzustellen“, sagte Schoigu in einer im Fernsehen übertragenen Sitzung mit russischen Militärkommandeuren. „Die Vereinigten Staaten und die von ihnen kontrollierten westlichen Staaten tun alles, um die Militäroperation so lange wie möglich hinauszuzögern.“ Die zunehmenden Waffenlieferungen aus dem Ausland zeigten „deutlich die Absicht, das Kiewer Regime anzustacheln, damit es bis zum letzten Ukrainer kämpft“.

Vor allem in der schwer zerstörten Hafenstadt Mariupol spitzt sich die Lage dramatisch zu. Russland forderte Hunderte Kämpfer, die dort in einem Stahlwerk eingeschlossen sind, noch einmal ultimativ zur Kapitulation auf. Alle Soldaten im Land wurden aufgefordert, „unverzüglich die Waffen niederzulegen“, wie es in einer Erklärung hieß. „Wir wenden uns an alle Angehörigen der ukrainischen Armee und an die ausländischen Söldner: Ihnen steht aufgrund des Zynismus der Kiewer Behörden ein wenig beneidenswertes Schicksal bevor.“

Ukraine-Krieg: Kadyrow kündigt baldige Eroberung des Stahlwerkes in Mariupol an

Den Verteidigern von Mariupol werde „das Überleben garantiert“, wenn sie ab Mittag ihre Waffen niederlegten. In einer Waffenpause zwischen 13 und 15 Uhr könnten dann „alle ukrainischen bewaffneten Einheiten und die ausländischen Söldner ohne Waffen und Munition herauskommen“. Dann werde ihr Leben gerettet, hieß es.

Zuvor hatten prorussische Separatisten mitgeteilt, dass die Erstürmung des Stahlwerks Asowstal in der Hafenstadt mit russischer Hilfe begonnen habe. Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow*, der oft als Putins „Bluthund“ bezeichnet wird, hat sogar eine Eroberung des umkämpften Stahlwerks noch für den Tagesverlauf angekündigt. Heute werde Asowstal vollständig eingenommen, sagt der Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin* laut dem Portal t-online in einer Audionachricht auf der Plattform Telegram. 

In dem Stahlwerk sollen sich nach russischen Angaben rund 2500 Kämpfer verschanzt haben, darunter auch 400 ausländische Söldner. Ukrainischen Medien zufolge sollen in dem Werk auch noch etwa 1000 Zivilistinnen und Zivilisten ausharren. Die Ukraine* hatte zuvor kritisiert, dass Russland Bitten ausgeschlagen habe, in Mariupol Fluchtkorridore einzurichten, damit sich Einwohnerinnen und Einwohner, die in dem Stahlwerk Zuflucht gesucht hatten, in Sicherheit bringen können.

Ukraine-Krieg: Russische Armee greift an mehreren Punkten gleichzeitig an

Der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch sagte, Ziel des russischen Vorstoßes im Luhansker Gebiet sei es, die ukrainischen Truppen in den Städten Rubischne, Lyssytschansk und Sjewjerodonezk zu isolieren. Im Gebiet um Charkiw würden 25.000 Soldaten der russischen Armee von Isjum aus in Richtung Slowjansk und Kramatorsk im um Gebiet um Donezk angreifen. Auch bei Awdijiwka nahe Donezk werde eine Offensive versucht.

Zugleich sei er sich sicher, dass Russland mit seiner Offensive im Donbass* scheitern werde. Diese laufe nur „sehr vorsichtig“ an und russischen Streitkräften fehle aber die Stärke, um die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen. „Ihre Offensive wird scheitern, da gebe ich Ihnen eine 99-prozentige Garantie“, sagte Arestowytsch.

Der Gouverneur des ostukrainischen Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, sprach von einer schwierigen Situation. „Unsere Verteidiger halten die Verteidigungslinie“, sagt Hajdaj im ukrainischen Fernsehen. Angriffe bei Rubischne und Popasna seien zurückgeschlagen worden. Gleichzeitig rief er die verbliebenen Einwohner auf, sich in Sicherheit zu bringen. Die Behörden versuchten, Busse zu organisieren, die Menschen zu bereitgestellten Zügen bringen. Es sollen noch 70.000 Menschen in dem Gebiet ausharren. (dpa/afp/fmü) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Alexei Alexandrov/dpa

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