„Hart aber fair“

Ukraine-Eklat nach „Vergewaltiger“-Aussage von Ex-General in ARD: Linken-Politikerin platzt der Kragen

„Hart aber fair“ vom 13.02.2023
+
„Hart aber fair“ vom 13. Februar 2023.

Bei „Hart aber fair“ besteht Linken-Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali auf einer diplomatischen Lösung für die Ukraine und erntet schweren Widerspruch.

Berlin – Waffen oder Diplomatie in der Ukraine? Sieben Köpfe bemühen sich bei „Hart aber fair“ unter der Moderation von Louis Klamroth um eine Antwort. Vassili Golod, ARD-Reporter und Autor einer Reportage, die der Sendung vorausging, ist selbst halb russischer Abstimmung. „Ich habe die Ukraine noch nie so geeint erlebt wie jetzt“, sagt er. Alle dort wollten weiterkämpfen, ohne Ausnahme. Deshalb sei die Lieferung weiterer Waffen zwingend.

Auch der ehemalige Bundeswehrgeneral Hans-Lothar Domröse ist dieser Ansicht. Man werde eine „furchtbare, blutige Frühjahrsoffensive“ sehen. Deshalb sei es jetzt wichtig, nachzuliefern: „Kampfjets braucht die Ukraine, und zwar schnell.“

„Hart aber fair“: Diese Gäste diskutierten mit Louis Klamroth

  • Katarina Barley (Vizepräsidentin des EU-Parlaments, SPD)
  • Hans-Lothar Domröse (Ex-Bundeswehrgeneral)
  • Gesine Dornblüth (Journalistin)
  • Vassili Golod (ARD-Korrespondent, Kiew)
  • Amira Mohamed Ali (Fraktionsvorsitzende, Die Linke)
  • Andrij Melnyk (Vize-Außenminister der Ukraine)
  • Ina Ruck (ARD-Korrespondentin, Moskau)

Amira Mohamed Ali, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, mahnt hingegen zur Besonnenheit. Man müsse alles unterlassen, was zu einer weiteren Eskalation führe, denn „wir sehen von Deutschland keine überzeugende diplomatische Offensive“. Sie erinnert an die Wahlversprechen der Grünen. Sie hätten damit geworben, keine Waffen in Krisen- und Kriegsgebiete liefern zu wollen. Der Wähler sei getäuscht worden.

Ihre SPD-Kollegin Katarina Barley wirft ein, dass „hinter den Kulissen Gespräche geführt“ würden. „Wer spricht denn da mit wem?“, will Moderator Louis Klamroth wissen, doch Barley mauert: „Das wird jetzt nicht hier auf dem Jahrmarkt ausgetragen.“ Und die Journalistin Gesine Dornblüth erinnert an vergebliche Friedensgespräche. Bereits im Frühjahr 2022, kurz nach dem Einmarsch, hätten sich Russland und die Ukraine einigen wollen. Damals intervenierte der britische Premier Boris Johnson in Kiew und die Initiative fand ein Ende. Waffenlieferungen und Diplomatie müssten sich ergänzen, sagt Dornblüth.

Mohamed Ali will Verhandlungen im Ukraine-Krieg – Ex-General Domröse zeigt kein Verständnis

Korrespondent Golod macht die Ziele des russischen Präsidenten deutlich. Putin sage, er wolle in der Ukraine Nazi-Elemente wie das Asow-Bataillon bekämpfen und jene Gebiete im Donbass befreien, in denen seit 2014 gekämpft wird. Es gehe, so Golod, um eine „Denazifizierung der Ukraine – ich verstehe nicht, was er damit meint.“

Mit ihrem Wunsch nach einer diplomatischen Lösung steht Mohamed Ali allein. Sobald sie spricht, wird es laut in der Runde. Vor allem der Ex-General Domröse hat keinerlei Verständnis. Er wirft Mohamed Ali vor, sie wolle den „Vergewaltiger einfach weitermachen“ lassen. Da platzt der Linken-Politikerin der Kragen: „Ich weiß nicht, was so eine Rhetorik hier soll.“ Für sie ist klar: „Russland wird sich nicht abschrecken lassen, wenn die Ukraine weiter aufmilitarisiert wird.“ Weitere Waffenlieferungen würden lediglich dazu führen, „dass noch mehr Menschen sterben“.

Solche Mahnungen seien „zwar ehrenwert, aber völlig falsch“, sagt Golod. Auch die Friedens-Petition der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und der Feministin Alice Schwarzer lehnt er ab. „Die Menschen reagieren mit Fassungslosigkeit darauf“, so Golod. Barley ruft in die Runde: „Die Ukrainer wollen es nicht, die wollen kämpfen!“ Klamroth will einen Einspieler starten, doch Barley und Mohamed Ali verhaken sich ineinander und sind nicht mehr zu stoppen. Der Moderator gibt schließlich auf: „Die beiden reden weiter, wir gucken uns den Film an.“

Deutsche Kampfjets für die Ukraine: Ex-Botschafter Melnyk voller Hoffnung

Warum die Ukraine immer mehr Waffen fordert, will Klamroth vom ehemaligen Botschafter Andrij Melnyk wissen, der per Video zugeschaltet ist. Warum forderte Melnyk nur wenige Stunden nach der deutschen Zusage von Leopard-Panzern bereits Kampfjets? Doch für den jetzigen Vize-Außenminister der Ukraine ist sein Handeln weder überzogen, noch gefährlich. „Diese Forderung war nicht neu“, sagt er.

„Viele Deutsche denken, es ist nie genug. Können Sie das nachvollziehen?“, fragt Klamroth. „Wir fordern keine Bodentruppen“, antwortet Melnyk. „Es geht ja nur um Waffenlieferungen.“ Er will noch weitaus mehr, auch Jets, Kampfschiffe und U-Boote seien nötig. Ein atomarer Erstschlag des Westens, wie ihn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gefordert hat, steht für Melnyk allerdings nicht zur Debatte: „Es ist klar, dass wir keine Atombomben fordern werden.“

Für Journalistin Dornblüth sind weitere Waffenlieferungen aus rechtlicher Sicht unbedenklich: Die Ukraine habe russische Gebiete nie „mit westlichen Waffen“ angegriffen. Das Land nutze dafür ausschließlich „modifizierte ukrainische Drohnen“, wie sie auch für Kampfgaseinsätze genutzt werden. „Warum das Ja zu Kampfpanzern, aber das Nein zu Kampfjets?“, will Klamroth von Barley wissen. Für sie ist die Reaktion des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz nicht so eindeutig: „Ob das ein Nein ist oder nicht, stelle ich jetzt mal in den Raum.“

Domröse verteidigt ukrainischen Wunsch nach Kampfjets: Doch „politische Strategie“ fehlt

Waffenexperte Domröse erklärt, dass ein Flugzeug sehr viel schneller als ein Panzer sei. Bei der 1500 Kilometer langen Frontlinie könne ein Jet sehr viel mehr Gelände abdecken. Was Domröse allerdings vermisst, ist „eine politische Strategie“. „Wird aus dem Nein dann irgendwann ein Ja?“, fragt Klamroth.

„Ich halte es für völlig verfehlt, in so einer Art und Weise über solche Fragen zu spekulieren“, antwortet Barley. „Das ist kein Spiel. Die Art und Weise, wie die Bundesregierung diese Fragen angeht, hat sich rückblickend immer als richtig erwiesen.“ Melnyk ist sich trotzdem sicher: „Deutschland wird Kampfjets liefern. Das ist nur eine Frage der Zeit.“

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben. Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. © Aleksander V. Chernykh/Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste aus, die schließlich in der „Orangen Revolution“ mündeten. Diese erreichte vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Mladen Antonov/afp
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus. In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte er vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. © Mladen Antonov/afp
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus. Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sergey Dolzhenko/dpa
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat, um dort die russischstämmige Bevölkerung ebenso wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab. Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Genya Savilov/afp
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. © Alexander Ryumin/Imago
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Putin ein „Schulhofschläger“? Linken-Fraktionsvorsitzende macht auf Status als Atommacht aufmerksam

Westliche Militärexperten wie die der US-Denkfabrik RAND Corporation würden warnen, dass dieser Krieg nur eskalieren kann, aber die Ukraine niemals gewinnen könne, sagt Mohamed Ali. Domröse sieht hingegen keine Gefahr: „Putin hat über 20 Mal mit der Atomwaffe gedroht“, sagt er. „Ich kann nichts ausschließen, aber ich halte es für ziemlich unrealistisch.“

Klamroth vergleicht Putin mit einem „Schulhofschläger, der mit Prügel droht“. Dürfe man da einknicken? Mohamed versucht, das Bild geradezurücken: „Der Schulhofschläger ist leider der Anführer der größten Atommacht der Welt. Ich halte Putin für einen irrationalen Menschen, bei dem man nicht voraussagen kann, was er tut und was er nicht tut.“

Fazit des „Hart aber fair“-Talks

Sobald das Wort Diplomatie fällt, halten sechs von sieben Gästen sofort dagegen. Die Feldherrn-Dialektik und Selbstgewissheit wirkt bisweilen befremdlich. Mohamed Ali schlägt sich tapfer, auch als alle eine Front gegen sie bilden. Klamroth wirkt überfordert. Vielleicht wird er seine Runden künftig etwas ausgewogener zusammenstellen. (Michael Görmann)

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Lage in Belgorod spitzt sich zu: Ukraine soll „Invasion“ gestartet haben
Lage in Belgorod spitzt sich zu: Ukraine soll „Invasion“ gestartet haben
Lage in Belgorod spitzt sich zu: Ukraine soll „Invasion“ gestartet haben
„Prigoschin flieht“: Offenbar Chaos bei Wagner-Rückzug aus Bachmut – Ukraine meldet hohe russische Verluste
„Prigoschin flieht“: Offenbar Chaos bei Wagner-Rückzug aus Bachmut – Ukraine meldet hohe russische Verluste
„Prigoschin flieht“: Offenbar Chaos bei Wagner-Rückzug aus Bachmut – Ukraine meldet hohe russische Verluste
Moskau: Westen zieht Moldau in den Ukraine-Krieg hinein
Moskau: Westen zieht Moldau in den Ukraine-Krieg hinein
Moskau: Westen zieht Moldau in den Ukraine-Krieg hinein
„Drohen mit Horrorszenarien“: Baerbock warnt Putin vor nuklearer Einschüchterung - und hebt Chinas Rolle hervor
„Drohen mit Horrorszenarien“: Baerbock warnt Putin vor nuklearer Einschüchterung - und hebt Chinas Rolle hervor
„Drohen mit Horrorszenarien“: Baerbock warnt Putin vor nuklearer Einschüchterung - und hebt Chinas Rolle hervor

Kommentare