Ukraine-Krieg

Mariupol: Todesangst in den Bunkern unterhalb des Azovstal-Stahlwerks

Dieses Bild aus einem undatierten Video, das am Sonntag, dem 1. Mai 2022, von der Asowsche Sondereinheit der ukrainischen Nationalgarde zur Verfügung gestellt wurde, zeigt Menschen, die über die Trümmer des Stahlwerks Azovstal in Mariupol klettern.
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Dieses Bild aus einem undatierten Video, das am Sonntag, dem 1. Mai 2022, von der Asowsche Sondereinheit der ukrainischen Nationalgarde zur Verfügung gestellt wurde, zeigt Menschen, die über die Trümmer des Stahlwerks Azovstal in Mariupol klettern.

Russische Bomben und Menschen in Angst unter der Erde: Die Erlebnisse in den Bunkern unter dem Azovstal-Stahlwerk zeigen die Schrecken des Ukraine-Kriegs.

Mariupol – Natalia Usmanova kauerte im Labyrinth der Bunker aus der Sowjetzeit, tief unter den riesigen Azovstal-Stahlwerken. Sie hatte das Gefühl, ihr Herz würde stehen bleiben, als russische Bomben auf Mariupol niederregneten und sie mit Betonstaub benetzten, berichtet die britische Tageszeitung The Guardian.

Usmanova wurde am Sonntag (01. Mai) aus der Anlage evakuiert. Bei den Anlagen unter dem Asovstal-Stahlwerk handelt es sich um einen weitläufigen Komplex aus einem unterirdischen Netzwerk von Bunkern und Tunneln, entworfen unter Stalin, um Angriffen standzuhalten.

Bunker unter Mariupol: Sauerstoffmangel und Angst vor Bomben

„Ich hatte Angst, dass der Bunker dem nicht standhalten würde – ich hatte schreckliche Angst“, beschrieb Usmanova die Zeit, in der sie sich unter der Erde versteckte, berichtet der Guardian. „Als der Bunker anfing zu wackeln, war ich hysterisch, dafür kann mein Mann bürgen. Ich hatte solche Angst, dass der Bunker einstürzt.“

Rauch steigt vom Gelände des Azovstal-Stahlwerk in Mariupol auf.

Sie erinnerte sich an den Sauerstoffmangel in den Notunterkünften und die Angst, die das Leben der dort unten kauernden Menschen erfasst hatte. „Wir haben die Sonne so lange nicht gesehen“, sagte sie nach ihrer Evakuierung im Dorf Bezimenne in einem Gebiet von Donezk, das etwa 30 Kilometer östlich von Mariupol unter der Kontrolle der von Russland unterstützten Separatisten steht.

Bunker unter Mariupol: „Es war einfach schecklich“

Usmanova gehörte zu Dutzenden von Zivilistinnen und Zivilisten, die aus dem Werk in Mariupol evakuiert wurden. Die Hafenstadt, die wochenlang von russischen Streitkräften belagert wurde gleicht nun einem Ödland.

„Sie können sich einfach nicht vorstellen, was wir durchgemacht haben – den Terror“, sagte Usmanova. „Ich habe dort gelebt, mein ganzes Leben dort gearbeitet, aber was wir dort gesehen haben, war einfach schrecklich.“

Mariupol: Evakuierung wird fortgesetzt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dass am Montag (02. Mai) etwa 100 Zivilistinnen und Zivilisten, hauptsächlich Frauen und Kinder, aus dem Werk in der von der Ukraine kontrollierten Stadt Saporischschja erwartet würden. „Zum ersten Mal in all den Kriegstagen hat dieser dringend benötigte (humanitäre) Korridor seine Arbeit aufgenommen“, verkündete er in einer auf Telegram veröffentlichten Ansprache. Er hoffe, dass die Evakuierungen am Montag fortgesetzt würden.

Menschen, die in der Vergangenheit aus den von Russland besetzten Gebieten geflohen sind, haben bereits deutlich gemacht, dass auf ihre Fahrzeuge geschossen worden sei. Auch die ukrainische Führung hat die russischen Streitkräfte wiederholt beschuldigt, Evakuierungsrouten zu beschießen.

100.000 Menschen immer noch in Bunkern unter Stahlwerk in Mariupol

Bis zu 100.000 Menschen könnten sich immer noch im blockierten Mariupol aufhalten, darunter bis zu 1000 Zivilpersonen, die mit geschätzten 2000 ukrainischen Kämpferinnen und Kämpfern unter dem Stahlwerk aus der Sowjetzeit kauern – dem einzigen Teil der Stadt, der nicht von russischem Militär besetzt ist.

Mariupol war aufgrund seiner strategischen Lage in der Nähe der Halbinsel Krim, die Russland 2014 von der Ukraine eroberte, ein wichtiges Ziel für Wladimir Putin. (sot)

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