Heftiger Ukraine-Talk

Professor schockiert bei Maischberger mit abfälliger Aussage: Ukraine ist „sowieso verloren!“

Prof. Dr. Johannes Varwick und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu Gast bei Sandra Maischberger.
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Prof. Dr. Johannes Varwick und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu Gast bei Sandra Maischberger.

Bundeskanzler Olaf Scholz besucht als EU-Mann Kiew und kommt nicht allein. Sandra Maischberger lotet mit Gästen mögliche Strategien aus. Es wird ruppig.

Berlin – Die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält es kaum noch auf dem Sitz. Bei „Maischberger“ debattiert sie mit Johannes Varwick, Professor für Internationale Beziehungen, vor den Fernsehkameras über eine deutsche Haltung im Ukraine-Krieg.

„Maischberger“ (ARD): Professor schockiert mit abfälliger Aussage: Ukraine ist „sowieso verloren!“

Unterschiedlicher könnten die Positionen nicht sein. „Wenn man jetzt zu einem eingefrorenen Konflikt auf dem jetzigen Status“ mit Russland komme, hält die FDP-Politikerin dem Professor entgegen, der das zuvor gefordert hatte, dann wäre die „Ukraine verloren!“ Varwick reagiert trotzig mit einem harten Kommentar: „Die ist sowieso verloren!“, postuliert er.

Jetzt ist es Maischberger, die den Politologen deutlich ermahnt: „Bei allem Respekt, Herr Professor, es hören uns auch Ukrainer und Ukrainerinnen zu! Das ist ein bisschen schwierig gerade …“ Doch Varwick setzt noch einen drauf: „Das ist nicht schwierig – das ist die bittere Wahrheit!“ Leutheusser-Schnarrenberger kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

„Maischberger“ – diese Gäste diskutierten mit:

  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) – Ex-Bundesjustizministerin
  • Johannes Varwick – Professor für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • Wolfgang Grupp – Trigema-Chef

Als Experten: 

  • Oliver Kalkofe – TV-Comedian, Synchronsprecher
  • Elisabeth Niejahr – Publizistin, Mitglied der Geschäftsführung der Hertie-Stiftung
  • Hajo Schumacher – Kolumnist der „Berliner Morgenpost“

Anlässlich des für den Donnerstag anberaumten Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in Kiew gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi kehrt Sandra Maischberger zum Thema Ukraine zurück. Bevor die Zweier-Debatte über die Zielrichtung der deutschen Ost-Außenpolitik aus dem Ruder zu laufen droht, geht es in der Sendung heiter her.

Komiker Oliver Kalkofe reißt einen Kalauer nach dem anderen anlässlich des Scholz-Besuchs: Es sei „erfreulich“, dass der Kanzler nach anfänglicher „Bockigkeit“ nun doch „eine Reisegruppe gefunden“ habe. Kalkofe spricht in Anspielung auf die US-amerikanische 1980er-Jahre-Serie vom „Trio mit drei Fäusten“. Doch ohne Plan solle Scholz nicht kommen, rät der Komiker und wählt erneut einen Vergleich, diesmal aus der Rock-/Pop-Ecke: „Wenn sich Mick Jagger, Paul McCartney und Bruce Springsteen vor die Leute stellen, können sie ja auch nicht sagen: ‚Wir singen nicht, wir wollten nur sagen: Wir sind immer für euch da!‘“

„Maischberger“ (ARD): Leutheusser-Schnarrenberger gerät mit Politologen über Ukraine in den Streit

In der kontroversen Debatten-Runde spricht sich Prof. Varwick für eine selbstzentrierte Außenpolitik Deutschlands aus: Das „erste Ziel“ müsse sein, „dass wir nicht in einen Krieg mit Russland geraten, der am Ende auch atomar eskalieren könnte“, so der Professor. Leicht panikschürend spricht er von einem „Ritt auf der Rasierklinge“, wenn durch Waffenlieferungen des Westens die „Eskalationsspirale“ in Gang gesetzt werde. Um das zu verhindern, so der Professor lapidar, sei „jeder Preis“ gerechtfertigt.

Auch diese Aussage ruft Leutheusser-Schnarrenberger, die während der Sendung auch körperlich immer weiter von ihrem Sitznachbarn abrückt, sofort auf den Plan: „Das heißt, um den Preis der Ukraine!“, übersetzt sie ins Fakten-Deutsch. Der Professor gibt dem recht und befindet: „Das ist bitter für die Ukraine“, pocht aber weiter auf die deutsche Interessenspolitik, die Varwick „Verantwortungspolitik“ nennt.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gespräch mit Sandra Maischberger.

Die FDP-Politikerin hält Putins Atomkriegs-Drohungen dagegen für einen Bluff und die Angst davor für falsch. Sie verweist auf den Umstand, dass Putin trotz der Waffenlieferungen des Westens jetzt „nicht mehr so sehr“ mit atomaren Schlägen drohe wie zu Beginn des Krieges. Die FDP-Frau sieht in der Drohung eine reine Taktik Putins, um den Westen abzuschrecken. Von Verhandlungen mit Putin zum jetzigen Zeitpunkt hält sie nichts: „Wenn man jetzt mit dem Angebot kommt, du behältst den Osten der Ukraine“, sei das nicht nur der Ukraine verräterisch gegenüber, es sei auch im Hinblick auf Putin sinnlos: „Das will er doch gar nicht, er will doch viel mehr!“

„Maischberger“ (ARD): In der Ukraine wird nicht „die Freiheit Europas verteidigt“

Varwick moniert: „Die moralische Aussage, dass in der Ukraine jetzt die Freiheit Europas verteidigt wird“, sei falsch. Stattdessen sei die Ukraine ein „geopolitisch komplexer Raum“ und eine „sich überlappende Einflusszone zwischen dem Westen und Russland“. Er befindet – leicht arrogant: „Das haben wir nicht verstanden!“ Eine Steilvorlage, die sich Leutheusser-Schnarrenberger nicht entgehen lässt: „Da vergessen wir leider 45 Millionen Ukrainer!“, setzt sie energisch entgegen und spricht sich dagegen aus, die Ukraine zu einer „Pufferzone“ zu machen und die Aufgabe das Landes „in Kauf zu nehmen“.

Maischberger fühlt dem Professor, der mit einem Stipendium der FDP-nahen Friedrich-Neumann-Stiftung promovierte, auf den Zahn: „Sie würden also die Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen?“, will sie wissen. Doch Varwick antwortet an der Frage vorbei: „Die Alternative ist, eine Situation herbeizuführen, mit diplomatischer Energie, mit ökonomischem Druck und am Ende vielleicht auch mit Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit der Ukraine.“ Also doch nicht verloren? Maischberger lässt den Politologen mit diesem Widerspruch stehen und wechselt zum nächsten Gast, Wolfgang Grupp – ein deutscher Unternehmer alter Schule. Der 80-jährige Trigema-Chef von der Schwäbischen Alb sitzt gut gebräunt und wie aus dem Ei gepellt in Maischbergers Studio und wirkt fit wie ein Turnschuh.

Grupp stellt dar, wie sehr der Anstieg von Energiepreisen seine Textilproduktion mit 1.200 Mitarbeitern trifft. Er zahle bereits „fünf Millionen Euro mehr im Jahr für Gas“ als noch vor zwei Jahren. „Auf die Dauer“ sei das „nicht durchhaltbar“. Die Energie-Umstellung sei zeitaufwendig, so Grupp. Eine neue Gasturbine, die zu 30 Prozent auch mit Wasserstoff betrieben werden könne, sei auf dem Weg – doch der Wasserstoff, so der Unternehmer, sei erst in drei, vier Jahren vorrätig. Auch Solarenergie sei keine wirkliche Alternative. Selbst wenn er alle noch möglichen Flächen nutzen würde, könnte sie nur einen einstelligen Prozentbereich seiner Produktionskosten decken.

Fazit des „Maischberger. Die Woche“-Talks

Die Diskussion über die Ukraine ist weiterhin wichtig, doch es verwundert zu Teilen, wie wenig empathisch von einigen Talkshow-Gästen gegenüber den Menschen in Not gesprochen wird. Bei Maischberger war dies auch der Fall – die Moderatorin hätte hier mehr nachhaken müssen. Auf Twitter überschlugen sich dafür die kritischen Kommentare. Vielleicht wäre die Diskussion in genau dieser Richtung auch eine neue: Wieviel Solidarität können oder auch müssten Länder in Bezug auf die Ukraine leisten? Darum ging es zuletzt bei „Hart aber fair“. Doch wirklich lehrreich war die Talkrunde nicht. (Verena Schulemann)

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