Diplomatie

Türkei buhlt um Einfluss in Afrika - und ist hoch willkommen

Erdogan in Afrika
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Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune (r.) und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, vor einer Ehrengarde des algerischen Militärs.

Die Türkei inszeniert sich in Afrika als „alternativer Partner“ zu den ehemaligen Kolonialmächten aus Europa. Viele Staatschefs begrüßen das „türkische Modell“.

Istanbul - In den Straßen von Lomé, der Hauptstadt des westafrikanischen Kleinstaats Togo, wehen immer noch türkische Flaggen.

Auf Plakaten sind die beiden Präsidenten Faure Gnassingbé und Recep Tayyip Erdogan im Schulterschluss zu sehen, darunter der Slogan: „Zusammen ist eine gerechtere Welt möglich.“ Die Flaggen und Plakate sind Überbleibsel von Erdogans jüngster Afrika-Reise im Oktober. Weitere Stationen waren Angola, das enorm reich an Rohstoffen ist, und Nigeria, mit mehr als 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichstes Land des Kontinents.

So umstritten der türkische Präsident in Europa ist: In Afrika hat Erdogan den Einfluss seines Landes in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. An diesem Wochenende nun findet in Istanbul ein großer „Partnerschaftsgipfel“ statt. Mit dem Angebot dürfte Erdogan offene Türen einrennen: Er wird in vielen afrikanischen Ländern mit offenen Armen empfangen und oft schamlos umworben. In Nigeria war nach seinem jüngsten Besuch gar von einer „Romanze“ die Rede.

Afrikas Staatschefs wissen: Die Türkei will sich als globale Führungsmacht positionieren - und hat ihnen daher viel zu bieten. Dazu gehören attraktive Abkommen in den Bereichen Entwicklungshilfe, Infrastruktur, Landwirtschaft, Gesundheit, Telekommunikation, Investitionen und Verteidigung. Ankara verkauft Waffen, gepanzerte Fahrzeuge und Drohnen, schult Streitkräfte, bietet Finanzkapital und Technologie.

In Somalia hat die Türkei seit 2017 eine Militärbasis mit 2000 Soldaten, wo Offiziere und Soldaten geschult werden. Mit der Erweiterung des Hafens in der Hauptstadt Mogadischu hat sie sich Zugang zu einem wichtigen Knotenpunkt zu Rotem Meer und Indischem Ozean verschafft. In der Sahelzone unterstützt sie mit massiven Finanzhilfen den Kampf gegen islamistische Terrorgruppen. Auch im Bürgerkrieg in Libyen wurde ihr militärisches Engagement deutlich.

Aber auch in zivilen Projekten ist die Türkei stark präsent, baut Schulen, Luxushotels sowie Wasserversorgung und Verkehrssysteme. In Somalia etwa werden nun Patienten in einem Recep-Tayyip-Erdogan-Krankenhaus behandelt. In Ländern mit großer muslimischer Bevölkerung wie dem Niger, Dschibuti oder Mali zieren zahlreiche von Ankara finanzierte Moscheen die Hauptstädte. Im Gegenzug erwartet die Türkei Aufträge für Bau-, Energie- und Bergbauunternehmen.

Die Absicht der Türkei, sich mehr Einfluss zu verschaffen, geht auf. Gab es 2002 auf dem afrikanischen Kontinent nur 12 türkische Botschaften, sind es nun 43. Mit vielen Staaten gibt es Abkommen über Visaerleichterungen. Etwa im selben Zeitraum hat sich das Handelsvolumen fast verfünffacht - von 4,6 Milliarden Euro 2003 auf mehr als 25 Milliarden 2020. Auch wenn die EU wichtigster Handelspartner für Afrika bleibt: Ein Zeichen setzt dies schon.

Auf ein türkisch-afrikanisches Wirtschaftsforum in Istanbul im Oktober folgt in der Millionenmetropole am Bosporus nun bis Samstag der „Partnerschaftsgiipfel“. Es ist der dritte dieser Art. Erdogan - nun der Gastgeber - erwartet dazu Vertreter der Afrikanischen Union, viele Minister und verschiedene Staatsoberhäupter. Die Infraktur für ein gutes Gedeihen gibt es teilweise schon: Häufigere Flugverbindungen sollen den Handel ankurbeln - für den Import afrikanischer Bodenschätze sowie den Export türkischer Konsumgüter.

„Der türkische Fußabdruck in Afrika ist in kürzester Zeit größer geworden als der Fußabdruck der meisten europäischen Länder“, schrieb unlängst der Chef der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA), Carlos Lopes. Erdogan betont immer wieder, dass es um eine Partnerschaft auf Augenhöhe und zum gegenseitigen Vorteil gehe. Zugleich teilt er aber auch gegen den Westen aus. „Als Türkei lehnen wir die westlich zentrierten orientalistischen Annäherungen gegenüber dem afrikanischen Kontinent ab“, so der Präsident.

Die Türkei wetteifert in Afrika nicht nur mit ehemaligen europäischen Kolonialmächten, sondern auch mit China, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Indien. Die türkische Afrika-Politik habe zwei Ziele, sagt Nebahat Yasar, eine Expertin für die Auswärtigen Beziehungen. Die Türkei wolle ihre Wirtschaftskontakte vielfältiger gestalten und zum „Global Player“ werden. „Afrika nimmt da einen wichtigen Platz ein“, sagt Yasar. Die Türkei habe bereits geopolitische Vorteile. „Dennoch ist sie weit davon entfernt, wettbewerbsfähig zu sein, wenn wir uns die Beziehungen zwischen der Türkei und Europa in Afrika ansehen.“ dpa

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