Hollande warnt vor weiteren Anschlägen

Thalys-Angreifer schaute vor der Tat Dschihadisten-Video

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Der verdächtige Marokkaner.

Paris - Nach dem Angriff auf einen Thalys-Schnellzug verdichten sich die Hinweise darauf, dass der festgenommene Marokkaner ein islamistisches Motiv hatte.

Ayoub El Khazzani habe sich vor dem Angriff ein Video mit dschihadistischen Gesängen auf seinem Handy angeschaut, verlautete am Dienstag aus Ermittlerkreisen in Paris. Das ergab sich bei der Auswertung des Handys des 25-Jährigen. "Er hat das Video zwischen dem Kauf seines Zugtickets und dem Besteigen des Zuges angeschaut."

Die Ermittler waren sehr schnell von einem islamistischen Anschlagsversuch ausgegangen. Der Marokkaner war in Spanien, wo er zwischen 2007 und 2014 lebte, als radikaler Islamist eingestuft worden und deswegen auch auf einer französischen Geheimdienst-Liste potenzieller Gefährder gelandet. Der Marokkaner stritt in Verhören jedes terroristische Motiv ab. Er sprach von einem versuchten Überfall mit einer zuvor gefundenen Kalaschnikow, was die Ermittler aber nicht glauben.

El Khazzani hatte am Freitag im Thalys auf dem Weg von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet. Zwei US-Soldaten und weitere Passagiere überwältigten den Mann und verhinderten damit vermutlich ein Blutbad.

Hausdurchsuchungen nach Thalys-Angriff in Brüssel

Nach dem Angriff in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg nach Paris hat es in Brüssel zwei Razzien gegeben. Die Durchsuchungen fanden am Montagabend im Stadtteil Molenbeek-Saint-Jean statt, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag in Brüssel mitteilte. Niemand sei festgenommen worden, nur einige Gegenstände wurden von den Ermittlern zur Untersuchung mitgenommen, erklärte die Behörde.

Der Internetausgabe der belgischen Zeitung "La Dernière Heure" zufolge fanden die Razzien bei der Schwester des Verdächtigen, des Marokkaners Ayoub El Khazzani, und einem Freund statt. Bei ihm soll der 25-Jährige demnach mehrere Tage gewohnt haben.

Rückkehr über Deutschland?

Der Marokkaner, der zuletzt in Belgien lebte, soll in der Vergangenheit nach Syrien gereist sein, er bestreitet dies aber. Dokumentiert ist ein Flug von Berlin aus in die Türkei am 10. Mai dieses Jahres. Die Türkei hat eine durchlässige Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien, das in Teilen von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert wird.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, El Khazzani sei Ende Mai möglicherweise aus der Türkei über Deutschland nach Belgien zurückgekehrt. Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts (BKA) habe er Rückflugtickets für einen Lufthansa-Flug von Istanbul nach Frankfurt am Main und für einen Anschlussflug nach Brüssel gekauft. Unklar sei aber, ob der Marokkaner die Flüge angetreten habe.

Thalys-Angreifer soll Untersuchungsrichtern vorgeführt werden

Den Stand der Ermittlungen in Frankreich wollte am Dienstagnachmittag der Pariser Staatsanwalt François Molins bekanntgeben, der für Terrorismus-Ermittlungen zuständig ist: Er kündigte für 17.00 Uhr eine Pressekonferenz an. Am Abend sollte El Khazzani zunächst Untersuchungsrichtern vorgeführt werden, dann dürfte er formell beschuldigt werden. Die Staatsanwaltschaft dürfte auch Untersuchungshaft für den Marokkaner beantragen, der sich seit Freitagabend in Polizeigewahrsam befindet.

Hollande mahnt zu Achtsamkeit

Frankreichs Präsident Hollande mahnte am Dienstag weitere Achtsamkeit an. Der Vorfall im Thalys sei "ein neuer Beweis, dass wir uns auf weitere Angriffe vorbereiten und uns deswegen schützen müssen", sagte Hollande bei der jährlichen französischen Botschafterkonferenz.

Der im Thalys verletzte US-Soldat Spencer Stone, der den Angreifer als erster niedergerungen hatte, soll derweil in Deutschland weiterbehandelt werden, nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums im US-Militärkrankenhaus im rheinland-pfälzischen Landstuhl. Er soll zudem die höchste Auszeichnung der US-Luftwaffe erhalten. Stone, seine beiden US-Freunde und ein Brite waren wegen ihres mutigen Einsatzes bereits am Montag von Hollande zu Rittern der französischen Ehrenlegion ernannt worden.

Nach Attentat im Thalys-Zug: Polizeischutz fährt mit - Bilder

afp

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