Pandemie

Spanien reagiert gelassen auf steigende Corona-Zahlen

Mallorca
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Touristen genießen die Sonne am Strand von Arenal.

Deutschland stuft Spanien als Risikogebiet ein. Grund sind die hohen Corona-Zahlen. Das liebste Urlaubsland der Deutschen reagiert ziemlich gelassen. Aber das könnte sich schnell ändern.

Berlin/Madrid - In Spanien hat die Entscheidung der Bundesregierung, das ganze Land ab Sonntag als Risikogebiet einzustufen, keine besonders hohen Wellen geschlagen.

Die Berichterstattung in den Medien hielt sich in Grenzen, die Regierung monierte die Fixierung auf die Höhe der Neuinfektionen und Vertreter der Tourismusbranche übten sich in Zweckoptimismus. In Barcelona fand sogar über drei Tage ein Musik-Festival mit bis zu 18.000 Zuschauern täglich statt. Mit Test- und Maskenpflicht, aber ohne Abstand.

Dabei kletterte die Anzahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zuletzt schon auf 199. Das ist etwa 35 Mal so hoch wie derzeit in Deutschland. Übersteigt diese Sieben-Tage-Inzidenz über einen längeren Zeitraum die Marke von 200, könnte Berlin das beliebteste Urlaubsland der Deutschen auch zum Hochinzidenzgebiet erklären. Dann droht vielen Rückkehrern Quarantäne - und der ohnehin gebeutelten spanischen Tourismusindustrie schwerer Schaden.

Noch aber mag sich das niemand vorstellen. Spaniens Tourismusministerin María Reyes Maroto warf zudem die Frage auf, ob die Orientierung an den Infektionszahlen überhaupt noch der richtige Weg sei. Die Inzidenz als Gradmesser für das Risiko verliere angesichts der hohen Impfrate und der niedrigen Anzahl Corona-Patienten in den Krankenhäusern an Bedeutung, erklärte die Ministerin. Spanien liege bei der Zahl der vollständig Geimpften vor Deutschland und die Todesrate sei niedriger.

Die hohen Infektionszahlen würden vor allem bei jungen Menschen registriert, die entweder gar keine oder nur milde Krankheitssymptome entwickelten. Die Behörden beobachteten die Lage genau. Urlaub in Spanien sei auf jeden Fall sicher.

Auch die Regionalregierungschefin der Balearen, Francina Armengol, verwies auf den guten Fortschritt der Impfkampagne. „Wir müssen lernen, mit der Krankheit zu leben. Es ist der Moment, an andere Dinge zu denken als nur an die Inzidenz“, betonte sie. Auch deutsche Urlauber auf Mallorca betonten, sie fühlten sich dort im Urlaub mindestens so sicher wie zuhause in Deutschland.

Der Deutsche Reiseverband (DRV), der die Reiseveranstalter vertritt, reagierte ebenfalls noch gelassen. „Für Flugreisende ändert sich mit der Einstufung von Spanien als einfaches Risikogebiet faktisch nichts. Reisende können ihren Urlaub wie geplant fortsetzen“, sagte die DRV-Sprecherin Kerstin Heinen der Deutschen Presse-Agentur. Sie appellierte an alle Reisenden, sich auch während ihres Urlaubs an Hygiene- und Abstandsregeln zu halten. „So ist verantwortungsvolle Mobilität auch in Zeiten von Corona möglich.“

Ähnlich äußerte sich auch die Präsidentin des Verbandes der Hoteldirektoren auf den Balearen (AEDH), Alicia Reina. Richtig schlimm wäre es aus ihrer Sicht aber, wenn Deutschland Spanien und die Balearen zum Hochinzidenzgebiet erklären würde. Wie schnell eine solche Hochstufung kommen kann, zeigt Zypern. Das Land war erst am vergangenen Sonntag zum Risikogebiet erklärt worden. Nur ein paar Tage später wurde es schon zu einem von vier Hochinzidenzgebieten in Europa neben Portugal, Großbritannien und Russland. dpa

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