Spekulationen nach Kauder-Desaster

Räumt Angela Merkel noch dieses Jahr die CDU-Spitze? Magazin nennt drei konkrete Nachfolge-Kandidaten

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Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel

Angela Merkel hat am Dienstag ein echtes Waterloo erlebt. Nun wird teils offen über ihren Abgang von der CDU-Spitze spekuliert - und über mögliche Nachfolger.

Berlin - Der Schreck war groß am Dienstagabend: Auf Kontinuität hatte Kanzlerin Angela Merkel gesetzt - und einmal mehr ihren Vertrauten Volker Kauder als Kandidaten ins Rennen um den Unions-Fraktionsvorsitz geschickt. „Sie alle tragen mich“, soll Merkel den Abgeordneten vor der geheimen Abstimmung noch salbungsvoll mit auf den Weg gegeben haben.

Das Ergebnis ist bekannt. Die Abgeordneten von CDU und CSU ließen Kauder durchfallen und machten den Nobody Ralph Brinkhaus zu seinem Nachfolger. Sie trugen Merkel eben nicht. Und was in anderen Fällen schon mal als kleines Kräftemessen zwischen Parteispitze und Fraktion durchgehen könnte, sorgte in diesem Fall für Aufsehen quer durch die Republik. Wenn man eine so große Fallhöhe hat, wie die noch vor kurzem konkurrenzlos scheinende Kanzlerin, dann schmerzt es besonders, nicht getragen zu werden.

In den Medien und anderen Parteien war die Rede vom „Ende einer Ära“. Ein solches war zwar schon häufiger vorhergesagt worden. Zuletzt als Horst Seehofer und die CSU im Streit um eine kleine Zahl Zurückweisungen an der bayerisch-österreichischen Grenze den Aufstand probten. Diesmal scheint die Lage aber zumindest ein wenig ernster. Und glaubt man einem Bericht des Spiegel, dann ist tatsächlich noch nicht ausgemacht, ob Merkel über das Jahr 2018 hinaus CDU-Chefin bleibt.

Tritt Merkel nochmal als CDU-Chefin an? „Ich bin mir sicher, dass sie das gut abwägt“

Merkel will das zwar, wie sie zuletzt in der Augsburger Allgemeinen betonte. Allerdings wird nun in der CDU vereinzelt bereits eine „Erneuerung“ der Parteispitze gefordert. "Die Abwahl Kauders war ein wichtiges Ventil für die Fraktion, an der Basis brodelt es wegen der ständigen Störfeuer aus Berlin“, lässt sich der Europa-Abgeordnete Sven Schulze von dem Nachrichtenmagazin zitieren. 

"Der nächste Schritt ist der Bundesparteitag in Hamburg. Ich bin mir sicher, dass Frau Merkel gut abwägt, ob sie noch mal antritt“, erklärte Schulze weiter - wenngleich er betonte, er wolle keine Personaldebatten anzetteln. Eine kleine Meuterei scheint in der CDU nach den Eindrücken von Dienstag immer möglich.

Auch interessant: CDU-Abgeordnete klatschen nach Kauder-Sturz ab- jetzt äußern sie sich zu den „Tagesschau“-Bildern

Nach Informationen des Spiegel werden in der Parteispitze zwei Optionen diskutiert. Entweder trete Merkel im Dezember noch einmal zur Wahl als Parteichefin an und mache das Votum zur „Vertrauensfrage“. Oder aber sie ziehe sich zurück und versuche zugleich einen Nachfolger ihrer Wahl zu installieren. Eine große Rolle für die Zukunft der Kanzlerin in der CDU könnten natürlich die Landtagswahlen in Bayern und Hessen spielen.

Mehrere Nachfolge-Kandidaten im Gespräch - ist Laschet der lachende Dritte?

An Spekulationen über mögliche Kandidaten hat sich das Magazin ebenfalls bereits gewagt. Naheliegend scheine Merkels Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch Jens Spahn käme dem Bericht zufolge als Vertreter des konservativen CDU-Flügels in Betracht.

Sowohl Kramp-Karrenbauer als auch Spahn könnten allerdings womöglich noch nicht so weit sein, die Partei hinter sich zu vereinen, heißt es. Was wiederum einen anderen Anwärter auf den Plan rufen könnte: Armin Laschet. Der NRW-Ministerpräsident könnte seinen parteiinternen Rang als wichtigster CDU-Ministerpräsident mit einem schwachen Wahlergebnis der CDU in Hessen festigen und ausbauen. „Laschet hat ein scharfes Auge für die Schwächen seiner Gegner, er sieht nicht ohne Freude, wie schwer es Kramp-Karrenbauer und Spahn fällt, die nötige Gravitas aufzubauen“, schreibt der Spiegel.

Womöglich richtete sich die Revolte nicht nur gegen Merkel: Bemerkenswerte Anekdote über Kauder

All das ist freilich eindeutig Kaffeesatzleserei. Im Konrad-Adenauer-Haus rechne man damit, dass Merkel erst kurz vor dem Parteitag über ihre Zukunft entscheiden werde, heißt es. Bis dahin bleibt viel Zeit für Konsolidierung oder auch für das Schmieden neuer Bündnisse. Und für Interpretationen kleiner Details.

So wird auch gegen den unterlegenen Volker Kauder aus den Reihen der CDU nachgetreten. Zu lesen ist im Spiegel, man erzähle sich über Kauder die Geschichte, er habe selbst dann auf den Fluren Abgeordnete mit einem „Was soll das?“ angeblafft, wenn sie nur freundlich grüßten. Eine eindrucksvolle Anekdote. Zu der passt, dass Brinkhaus mit der Forderung nach einem „neuen Stil“ die Kampfabstimmung gewann. 

Zugleich lässt das Geschichtchen aber auch eine Frage offen: War der Aufstand womöglich doch gar nicht so sehr gegen Angela Merkel gerichtet? Vielleicht hätte es den ganzen Affront gegen Merkel gar nicht gegeben, wenn die Fraktion nicht vor allem ihres Vorsitzenden Kauder überdrüssig gewesen wäre? Manchmal entscheidet sich politisches Ringen auf sehr banalen Ebenen. 

Und so bleibt offen, ob Angela Merkel nicht allen Unkenrufen zum Trotz bis 2021 Kanzlerin und weiter CDU-Vorsitzende bleibt. Allerdings, so viel scheint sicher, sollte sie zu diesem Zweck künftig besser die Stimmung der Unions-Abgeordneten im Blick haben.

Lesen Sie auch: Merkels Unterstützer und Gegner - von diesen Politikern hängt ihre Zukunft ab

fn

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