Kim-Jong-Un-Festspiele

Nordkorea: Erster Parteitag seit 1980 steht bevor

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Kim Jong Un war beim bislang letzten Parteitag noch gar nicht auf der Welt.

Pjöngjang - Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang hat sich am Donnerstag auf den Beginn des ersten Kongresses der herrschenden Kommunistischen Partei seit fast vier Jahrzehnten vorbereitet.

Die regennassen Straßen der Stadt waren von Landesflaggen und Fahnen der Kommunistischen Partei gesäumt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Auf Bannern standen Parolen wie "Die großen Kameraden Kim Il Sung und Kim Jong Il werden immer bei uns sein". Bereits am Dienstag hatte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Bilder von der Ankunft hunderter Delegierter, darunter viele Militärvertreter, verbreitet.

Kim Il Sung hatte das kommunistische Nordkorea gegründet, nach seinem Tod 1994 wurde sein Sohn Kim Jong Il Machthaber des Landes. Dieser wurde nach seinem Tod wiederum von seinem Sohn Kim Jong Un beerbt, der zum Auftakt des Parteitags eine Rede halten soll. Beim bisher letzten Parteitag im Jahr 1980 war der 33-Jährige noch gar nicht auf der Welt gewesen.

Nach Einschätzung von südkoreanischen Regierungsvertretern wird der Parteitag vier Tage dauern. Die Delegierten sollen dabei ein neues Zentralkomitee wählen, das wiederum das Politbüro der Partei besetzt. Einige Experten rechnen mit bedeutenden personellen Veränderungen im Zuge eines Generationswechsels in der nordkoreanischen Führung.

Menschenrechtsorganisation übt massive Kritik

Kim Jong Uns Machtstellung dürfte durch den Parteitag zementiert und seine "Byungjin"-Politik offiziell bestätigt werden. Diese kombiniert das Streben nach weiteren Atomwaffen als wirksame Abschreckung mit Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung des international isolierten Landes.

Nordkorea hatte im Januar eine Atombombe zu Testzwecken gezündet, es war der vierte Atomwaffentest des kommunistischen Landes. Dem schlossen sich mehrere Raketentests an. Die Tests verstoßen gegen UN-Resolutionen. Der UN-Sicherheitsrat beschloss deshalb Anfang März mit Unterstützung Chinas und Russlands die bislang schärfsten Sanktionen gegen das isolierte Land.

Die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte, der Parteitag werde durch die Zwangsarbeit tausender Nordkoreaner ermöglicht. Die Bevölkerung, auch Kinder, seien aufgefordert worden, ihre Loyalität mit der kommunistischen Führung mit erhöhtem Arbeitseinsatz zur Abdeckung der Kosten des Parteitags zu beweisen, erklärte der HRW-Asien-Direktor Phil Robertson.

AFP

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