Ukraine-Krieg

Russland setzt wohl Phosphorbomben ein – Soldaten-Telefonat abgehört

Die Ukraine meldet einen neuen russischen Angriff auf das Asow-Stahlwerk in Mariupol. Diesmal setzt die Armee offenbar verbotene Waffen ein.

+++ 15.45 Uhr: Der ukrainische Geheimdienst hat Auszüge eines abgehörten Telefonats unter russischen Soldaten veröffentlicht. Wie das Nachrichtenportal Kyiv Independent berichtet, sprechen die Streitkräfte darin vom Phosphorbombeneinsatz in der Hafenstadt Mariupol: „Phosphorbomben, Streumunition – sie haben uns erlaubt, alles zu verwenden, was verboten ist“, sagt ein Soldat laut Bericht im Telefonat. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Allerdings hatte der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko am Sonntagmorgen auf Telegram vom Einsatz der Phosphorbomben berichtet (s. Erstmeldung).

Ein russischer Soldat im zerstörten Theater von Mariupol. (Archivfoto)

Erstmeldung vom Sonntag, 15. Mai, 10.30 Uhr: Mariupol – Das Asow-Stahlwerk in Mariupol ist seit Wochen schwer umkämpft. Nun eskaliert offenbar die Lage. Nach ukrainischen Angaben hat Russland die Fabrik in der Hafenstadt mit Phosphorbomben beschossen. „Die Hölle ist auf die Erde gekommen. Zu Azovstal“, schrieb der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko im Nachrichtenkanal Telegram.

Solche Brandbomben entzünden sich durch Kontakt mit Sauerstoff und richten verheerende Schäden an. Ihr Einsatz ist verboten. Andrjuschtschenko veröffentlichte dazu ein Video mit Luftaufnahmen, auf denen ein Feuerregen zu sehen ist, der auf das Stahlwerk niedergeht. Auf den zunächst nicht überprüfbaren Aufnahmen unklarer Herkunft war zudem Artilleriebeschuss der Industriezone zu sehen.

Mariupol: Phosphorbomben Reaktion auf ESC-Sieg der Ukraine?

Andrjuschtschenko veröffentlichte darüber hinaus auch Bilder, die Aufschriften auf den Bomben zeigen. Demnach soll das russische Militär mit dem Angriff auf den Sieg der Ukraine beim Eurovision Song Contest (ESC) reagiert haben. Es war zunächst nicht klar, woher diese Fotos stammten.

Russische Truppen sollen das Stahlwerk Azovstal - hier während russischem Beschuss am 7. Mai - in Mariupol mit Phosphorbomben angegriffen haben.

Auf den mutmaßlichen Bomben war demnach auf Russisch zu lesen: „Kalusha, wie gewünscht! Auf Azovstal“ und auf Englisch „Help Mariupol - Help Azovstal right now“ (auf Deutsch: Helft Mariupol - Helft Azovstal sofort) mit dem Datum 14. Mai. Der Sänger der beim ESC siegreichen Band Kalusha Orchestra hatte auf der Bühne in Turin diese Worte in einem Appell gesagt.

In Hasskommentaren war zu lesen, die Phosphorbomben seien der russische Gruß zum ESC-Sieg. Russische Medien berichteten zwar vom ESC und dem Sieg der Ukraine, anders als in den Vorjahren durfte das Staatsfernsehen die Show aber nicht zeigen. Russland durfte wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine nicht am ESC teilnehmen.

Mariupol: Rund 1000 Kämpfer halten Stellung im Asow-Stahlwerk

In dem Stahlwerk halten sich nach ukrainischen Angaben noch rund 1000 Verteidiger verschanzt. Aufforderungen, sich zu ergeben, lehnen sie kategorisch ab. In den russischen Hasskommentaren war mit Blick auf den Beschuss des Stahlwerks auch zu lesen, die Kämpfer hätten nun genug Zeit gehabt, aus der Industriezone herauszukommen. Die ukrainische Regierung hatte erklärt, alles für die Rettung der Verteidiger von Mariupol zu tun. (cs/tu mit dpa)

Rubriklistenbild: © ALEXANDER NEMENOV

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