Großes Wissen preisgegeben

Neonazi-Zeuge enthüllt Innenleben des NSU

München - Ein früherer Weggefährte des NSU-Trios hat im Münchner NSU-Prozess nach Ansicht von Prozessbeobachtern das letzte Rätsel um die „Ceska“-Mordwaffe gelöst.

Im Münchner NSU-Prozess hat ein früheres Mitglied der „Kameradschaft Jena“ am Mittwoch nach Ansicht von Prozessbeteiligten den letzten fehlenden Beweis für die Beschaffungskette der „Ceska“-Mordwaffe geliefert. Mit dieser Pistole sollen die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun ihrer zehn Mordopfer erschossen haben.

Der Zeuge bestätigte, dass die von der Bundesanwaltschaft verdächtigten Männer, die die Waffe über mehrere Stationen von der Schweiz nach Jena gebracht haben sollen, sich persönlich kennen. „Alle Fäden“ seien in einem Szeneladen in Jena „zusammengelaufen“. Nach Überzeugung der Anklage soll der wegen Beihilfe zum Mord mitangeklagte Ralf Wohlleben die Bestellung der Waffe in diesem Geschäft veranlasst haben. Beate Zschäpe war 1998 mit Mundlos und Böhnhardt abgetaucht. Sie ist als mutmaßliche Mittäterin angeklagt.

Detailliert schilderte der Zeuge außerdem die Vorgeschichte des NSU und die Rollen seiner mutmaßlichen Mitglieder und Unterstützer. Mundlos und Böhnhardt seien nach seinen Worten „völlig unterschiedlich“ gewesen. Er habe sich gefragt, wie sie so lange miteinander leben konnten. Mundlos beschrieb er als „intelligent und zynisch“. Die Morde hätte er ihm nicht zugetraut. Böhnhardt dagegen wäre nach seiner Einschätzung auch „Linksterrorist“ geworden, wenn seine Clique zufällig links gewesen wäre.

Gewundert habe er sich auch darüber, dass Zschäpe gemeinsam mit den beiden Männern in den Untergrund gegangen sei. Sie habe in der Gruppe selten etwas gesagt und keine „Parolen geschrien“. Er habe sie 1992 als Freundin von Mundlos kennengelernt.

Das Gericht unterbrach die Vernehmung des Zeugen, der auch Sänger der Rechtsrock-Band „Vergeltung“ war, am Mittwochnachmittag. Sie soll am 7. Oktober fortgesetzt werden.

dpa

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