Militärbündnis

Erdogans kalkulierte „Macho-Politik“: Schweden und Finnland verhandeln mit Türkei über Nato-Beitritte

Erdogan verlangt von Schweden und Finnland Zugeständnisse, wenn diese Länder in die Nato beitreten sollen. Experten sehen darin eine „Macho-Politik“.

Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält weiterhin an seinem Veto für den Beitritt von Schweden und Finnland in die Nato fest. In der vergangenen Woche gab es dazu Telefonkonferenzen zwischen Erdogan und seinen schwedischen sowie finnländischen Amtskollegen.

Erdogan warf beiden Staaten vor, Terrororganisationen zu unterstützen. Erdogan nannte die Beitrittskandidaten „Brutstätten für Terroristen“. In einer Mitteilung auf Twitter erklärte der finnische Präsident Sauli Niinistö daraufhin, dass sein Land Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen verurteile.

Nato-Beitritt von Schweden und Finnland: Verhandlungen in der Türkei

Die schwedische Premierministerin Magdalena Anderson zeigte sich ebenfalls diplomatisch: Sie schätze die Stärkung der bilateralen Beziehungen, auch in den Bereichen Terrorismusbekämpfung. Das teilte Anderson nach dem Telefongespräch mit. Im Laufe des Montags (23. Mai) werden nun schwedische und finnische Delegierte im türkischen Außenministerium erwartet, um weiter über einen Nato-Beitritt zu sprechen.

Flaggen der Nato, Türkei, von Schweden und Finnland

In den Forderungen Erdogans sieht der Türkeiexperte Ihsan Yilmaz von der Deakin Universität in Australien den Versuch einer „Gewinnmaximierung“. Der türkische Präsident „versucht sich in der Türkei und islamischen Welt als starken Mann zu zeigen,“ sagte Yilmaz unserer Redaktion. Erdogan verstoße mit seiner „Macho-Politik“ auch gegen den Geist der Nato, so der Experte. „Schweden und Finnland sind beides Länder, die eine russische Invasion fürchten und deswegen Schutz wollen“, betonte Yilmaz. „Das was Erdogan macht, passt nicht zum Geist der Nato.“

Prof. Dr. Ihsan Yilmaz, Türkeiexperte von der Deakin University in Australien

Erdogans Taktiererei ist kalkuliert: Er hat beispielsweise Forderungen an die USA: Das Land ist aus dem Programm für das Tarnkappenkampfflugzeug „F-35“ ausgeschlossen worden, nachdem das Nato-Mitglied mit dem Kauf des „S-400“-Raketenabwehrsystems aus Russland für Verärgerung in dem Bündnis gesorgt hatte. Die Türkei wollten ursprünglich 100 der modernen „F-35“ kaufen. Erdogan will weiterhin diese Jets haben.

Auch ist das Land wirtschaftlich isoliert. Wegen der Wirtschaftskrise hat das Land von Ratingagenturen schlechte Bewertungen erhalten. Kredite bekommt die Türkei im Ausland nur noch zu sehr hohen Zinsen. Im nächsten Jahr stehen zudem Wahlen an. Erdogan könnte durch seine Politik in den Umfragen zulegen. Bei einer Wahlschlappe droht Erdogan ein Anklage wegen Korruption und Kriegsverbrechen im Syrien-Krieg. (Erkan Pehlivan)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sascha Steinach

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