Kanzlerin erntet Kritik

Nach Merkels alarmierender Video-Botschaft platzt Kubicki der Kragen: „Verbreitet Angst und Schrecken“

Das Coronavirus schlägt in Deutschland um sich, neue Maßnahmen wurden bereits angeordnet. Jetzt spricht Kanzlerin Merkel und wird deutlich - erntet dafür aber auch Kritik.

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel meldet sich in der Coronavirus-Pandemie eindringlich zu Wort.
  • Sie fordert die Bürger dazu auf, zu Hause zu bleiben und Kontakte so weit als möglich zu beschränken (siehe Erstmeldung vom 17. Oktober).
  • Wolfgang Kubicki (FDP) attackiert Merkel nach dieser Videobotschaft scharf - und wird dafür selbst attackiert (siehe Update vom 19. Oktober, 9.39 Uhr).
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus*. Außerdem sehen Sie hier aktuelle Fallzahlen in Deutschland als Karte*. Das Wichtigste zum Thema gibt es auch auf unserer Facebook-Seite Corona News.

Update vom 19. Oktober, 9.39 Uhr: In einer Dreier-Talkrunde mit FDP-Vize Wolfgang Kubicki, CSU*-Verkehrsminister Andreas Scheuer und SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zur Corona-Krise sind die Fetzen geflogen. Kubicki warf Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU*) nicht nur vor, sich mit ihrer Videobotschaft (siehe Update vom 18. Oktober, 9.30 Uhr) zu einer „Verzweiflungstat“ habe hinreißen lassen, sondern die Dramatik der Lage zu übertreiben, denn von einer Überlastung des Gesundheitssystems sei Deutschland seiner Einschätzung nach „meilenweit entfernt“.

„Insofern sollten wir uns konzentrieren auf die Maßnahmen, die wirklich sinnvoll sind und nicht die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen“, wetterte Kubicki am Sonntagabend im Live-Video-Talk mit der Bild-Redaktion. Aussagen, die Scheuer dazu brachten, dem FDP-Politiker Verschwörungstheorien vorzuwerfen: „Ich weiß nicht, ob Herr Kubicki einen Alu-Helm aufhat.“ Lauterbach pflichtete ihm bei. Die Mahnung Merkels sei angesichts des bundesweiten hohen R-Werts* absolut angebracht gewesen.

Steht wegen ihres Corona-Video-Appells in der Kritik: Kanzlerin Angela Merkel

Update vom 18. Oktober, 19.20 Uhr: Mit einer dramatisch gehaltenen Videobotschaft wollte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Menschen in Deutschland am Wochenende auf einen verantwortungsvollen Kurs in der Corona-Krise einschwören. Doch es gibt Kritik am Vorgehen der Regierungschefin.

„Wenn die Bundeskanzlerin eine solche Dramatik sieht, muss sie umgehend eine Regierungserklärung abgeben“, bemängelte FDP-Chef Christian Lindner in der Bild am Sonntag. „Ein Podcast ersetzt nicht die Debatte im Bundestag, wenn es um Grundrechte geht.“ Überhaupt wird Kritik an der Arbeitsweise Merkels und der Ministerpräsidenten laut - selbst bei Union und SPD.

Merkel wendet sich mit dramatischer Video-Botschaft an Deutschland - Nun legt Söder nach

Update vom 18. Oktober 2020, 9.30 Uhr: Es war ein dramatischer Appell, den Angela Merkel am Samstag in einer Videobotschaft an das Volk gerichtet hatte. Nachdem die Corona-Zahlen in den vergangenen Tagen in Deutschland regelrecht explodiert waren, richtete die Kanzlerin deutliche Worte an alle Mitbürger: „Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort.“

Die Pandemie möglichst schnell in den Griff bekommen möchte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Nachdem Bayern zahlenmäßig in den vergangenen Tagen ganz besonders betroffen war, erklärte Söder der Bild am Sonntag: „Die Lage ist ernst. Wenn wir nicht rasch gegensteuern, gerät Corona außer Kontrolle. Wer zögert, riskiert einen zweiten Lockdown“, verdeutlichte der Ministerpräsident. „Nie waren Umsicht, Vorsicht und Solidarität so wichtig wie jetzt.“

Merkel wendet sich in Video an Bürger: „Bleiben Sie zu Hause“ - dramatische Botschaft deutete sich an

Update vom 17.10.2020, 17.40 Uhr: Dass sich Angela Merkel (CDU) am Samstag sehr emotional in ihrer Videobotschaft äußern würde, hatte sich bereits in den letzten Tagen abgezeichnet. Sie war am Mittwoch nach der Konferenz mit den Ministerpräsidenten bereits sehr deutlich geworden. Und auch am Donnerstag sagte sie nach Gipfelberatungen in Brüssel: „Die Frage, wie wir aus dieser Pandemie herauskommen, die entscheidet über die Gesundheit von ganz vielen
Menschen. Die entscheidet über die Frage: Wie viele Menschen müssen sterben? Und sie entscheidet auch über unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.“

Angela Merkel (CDU) zur Corona-Lage in Deutschland: Corona-Ampel steht bereits vielerorts auf Rot

Erstmeldung vom 17.10.2020, 12.16 Uhr: Berlin - Am Mittwoch hatten sich die Länderchefs und Bundespolitiker nach einer zähen Konferenz geeignet. Neue Maßnahmen, bundesweit ähnlich, sollen die erneute Ausbreitung des Coronavirus* eindämmen. Die einheitlich strenge Linie ist eindeutig. Die Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland macht sie notwendig.

Die eingeführte Corona-Ampel* steht vielerorts auf Rot. Das bedeutet Sperrstunden, Restaurantschließungen und Alkoholverbot aber keine Ausgangsbeschränkungen. Zumindest noch nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder deutete bereits an, dass er einen zweiten Lockdown keineswegs ausschließen möchte. Die zweite Welle* sei nicht mehr zu leugnen, fügte er an.

Coronavirus in Deutschland: Merkel-Appell eindeutig - „Treffen Sie sich mit deutlich weniger Menschen“

Nun spricht Kanzlerin Angela Merkel* und wendet sich dramatisch direkt an die Bundesbürger. „Treffen Sie sich mit deutlich weniger Menschen, ob außerhalb oder zu Hause“, appelliert Merkel per Video, „verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist.“

Coronavirus-Podcast von Angela Merkel: „Bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause“

Die hohen Infektionszahlen hatten Bundesregierung und Kanzlerin am Samstag dazu bewegt, den Podcast zu veröffentlichen. „Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an ihrem Wohnort“, fordert Angela Merkel und zeigt sich gleichzeitig mitfühlend: „Ich weiß, das klingt nicht nur hart, das ist im Einzelfall auch ein schwerer Verzicht.“

Der „vergleichsweise entspannte Sommer“ sei nun vorbei, erläutert die Kanzlerin, und Deutschland befinde sich jetzt in einer „sehr ernsten Phase der Corona-Pandemie“. „Jetzt stehen uns schwierige Monate bevor“, ihr ernster Ausblick.

Merkel-Aufruf: Unkontrollierte Ausbreitung vermeiden - „Wir müssen jetzt noch weiter gehen“

Deshalb müsse der Verzicht nun eben geleistet werden, damit Gesundheitswesen, Schulen, Kitas, Wirtschaft und Arbeitsplätze nicht noch stärker leiden. „Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet. Dabei zählt jeder Tag“, so Merkel, „Was kann jede und jeder von uns also dazu beitragen, dass die Zahlen wieder heruntergehen? Sehr viel, das Allermeiste schon einfach dadurch, dass jede und jeder Einzelne konsequent den Mindestabstand wahrt, den Mund-Nasen-Schutz trägt, die Hygieneregeln einhält. Aber wir müssen jetzt noch weiter gehen.

Das bedeutet laut Angela Merkel: „Wenn jeder von uns seinen Begegnungen außerhalb der eigenen Familie jetzt eine Zeit lang deutlich verringert, dann kann es gelingen, den Trend zu immer mehr Infektionen zu stoppen und umzukehren.“ Rücksicht und Vernunft seien das wirksamste Mittel gegen die Pandemie, schließt die Kanzlerin ihren eindringlichen Appell. (moe) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © OLIVIER HOSLET/POOL/AFP

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