Kleines Land, große Wirkung?

Was der CDU-Sieg im Saarland für die Bundestagswahl bedeutet

Berlin - Selten wurde eine Wahl im kleinsten Flächenland mit so viel Spannung erwartet wie diesmal, bei der Premiere von Martin Schulz als SPD-Zugpferd. Nun bleibt an der Saar alles beim Alten. Ein Zeichen?

Das hatte sich die SPD anders vorgestellt. Dank neuer Machtoptionen an der Saar sollte der „Schulz-Zug“ so richtig Fahrt aufnehmen: Richtung Schleswig-Holstein, Richtung Nordrhein-Westfalen, Richtung Bundestagstagswahl am 24. September. Doch stattdessen stellt eine jüngere Kopie von CDU-Kanzlerin Angela Merkel die Weichen womöglich in eine andere Richtung. „Ganz sicher für uns kein schöner Abend, für mich auch nicht“, muss Martin Schulz einräumen. Welche Signale sendet also die Wahl im kleinsten deutschen Flächenland?

Die SPD kann noch verlieren - auch mit neuem Hoffnungsträger

Alles andere war womöglich nur Autosuggestion nach zwei Monaten Hype. Die SPD hat in den vergangenen Jahren zwar in den Ländern manche Ministerpräsidentenposten gehalten - aber oft mit hohen Verlusten. In Berlin (minus 6,7 Punkte) Mecklenburg-Vorpommern (minus 5), Hamburg (minus 2,7), Bremen (minus 5,8) und Brandenburg (minus 1,1) ging es abwärts. In Rheinland-Pfalz gewannen die Sozialdemokraten gegen den Trend leicht hinzu. In Baden-Württemberg (minus 10,4 Punkte), Sachsen-Anhalt (minus 10,8) und Thüringen (minus 6,1) waren die jüngsten Ergebnisse als Juniorpartner in Landesregierungen sogar katastrophal. Die SPD im Saarland büßte jetzt einen Prozentpunkt ein.

Die CDU kann noch gewinnen - trotz angeblichem „Merkel-Malus“

Und zwar nicht nur mit Ach und Krach eine Landesregierung halten wie voriges Jahr in Sachsen-Anhalt, sondern so richtig, mit sattem Plus. An der Saar legte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer um 5,5 Punkte auf 40,7 Prozent zu. Bei den fünf Wahlen 2016 hatte die CDU im Sog von Merkels umstrittener Flüchtlingspolitik noch massive Probleme: In Berlin (minus 5,7 Punkte), Mecklenburg-Vorpommern (minus 4), Sachsen-Anhalt (minus 2,7), Rheinland-Pfalz (minus 3,4) und Baden-Württemberg (minus 12) zeigte sich ein „Rutschbahneffekt nach unten“, wie CSU-Chef Horst Seehofer am Sonntagabend anmerkte.

Das sehr spezielle Saarland

War ja „nur das Saarland“: Diese Einordnung lieferten am Abend die enttäuschten Sozialdemokraten - bei einem anderen Ausgang wäre das Argument wohl von der CDU gekommen. Mit 800.000 Wahlberechtigten, von denen rund 540 000 am Ende wählten, ist das Saarland zu klein, um große Trends für das Superwahljahr herauszulesen. Für 67 Prozent war bei der Wahlentscheidung das Land wichtig, nur für 28 Prozent die Bundespolitik. Mehr Katholiken (62 Prozent) als in Bayern, besonders viele brave Häuslebauer, große Zustimmung für die CDU-Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihre Koalition, mit der SPD als Juniorpartner - Wechselstimmung mochte da nicht aufkommen. Zumal die Aussicht auf das erste rot-rote Experiment im Westen wohl viele Wähler abschreckte.

Unions-Aufsteigerin „AKK“ - eine Frau für größere Aufgaben?

Kramp-Karrenbauer rückt als besonnene, populäre Politikerin ins Blickfeld; als eine, die Wahlen gewinnen kann. Nicht zum ersten Mal taucht ihr Name in Gedankenspielen zur Nachfolge der Langzeitkanzlerin und CDU-Chefin auf, manche sehen jetzt im Erfolg von „AKK“ Parallelen. Den Spruch, mit dem Merkel für die Frau von der Saar warb, könnte sie angesichts schwieriger Zeiten auch auf sich selbst münzen: „Am Berg wechselt man die Pferde nicht.“ Dass sich die beiden mit ihrem Mitte-Kurs gut verstehen, ist ebenfalls schon länger bekannt.

Koalitionsoptionen - eine komplizierte Sache

Die SPD kann zumindest theoretisch mit Grünen, Linken, FDP und natürlich der Union koalieren - in Kiel, Düsseldorf, auch im Bund. Bislang hat Kanzlerkandidat Schulz nach links geblinkt, was im Saarland nicht gut ankam. Auf Bundesebene wünschen sich viele Bürger - wie an der Saar - die Fortsetzung der großen Koalition, allerdings mit Schulz statt Merkel auf dem Fahrersitz. CDU und CSU haben derzeit weniger Auswahl, eine erstarkende FDP wäre der Union als Partner klar am liebsten. Den Grünen fällt die Entscheidung für Schwarz-Grün oder für Rot-Rot-Grün durch die Saar-Wahl nicht leichter. Die Linke muss im Bund erst einmal intern klären, ob sie mitregieren möchte. Klar ist die Sache nur für die AfD - mit den Rechtspopulisten will keiner.

Nächste Ausfahrt: Kiel - und dann Düsseldorf

Bei diesen Wahlen in deutlich größeren Bundesländern muss Schulz, der einstige Linksverteidiger von Rhenania Würselen, zeigen, dass er auf Halten spielen kann. Die SPD führt jeweils eine Regierung mit den Grünen, beide Bastionen muss Schulz sichern, um den SPD-Motor für die Bundestagswahl nicht schon im Mai abzuwürgen. Derzeit thront die SPD von Hannelore Kraft in NRW-Umfragen dank „Schulz-Effekt“ bei 37 bis 40 Prozent und ist damit klarer Favorit, allerdings schwächeln die Grünen. In Kiel ist der SPD-Vorsprung auf die CDU knapper, die Grünen sind aber gegen den Bundestrend weiterhin stark. Es könnte also hier wie dort reichen für Schulz' Traumkoalition.

Meinungsforscher - ziemlich daneben

Bei der Demoskopie ist noch Luft nach oben. Den klaren Sieg der CDU im Saarland hatte keiner auf dem Schirm, auch das mäßige Abschneiden der von Schulz euphorisierten SPD nicht. Zwischen 35 und 37 Prozent wurden Kramp-Karrenbauer von den Instituten zugetraut (vorläufiges amtliches Endergebnis: 40,7). Anke Rehlingers Saar-SPD wurde kurz vor der Wahl bei 32 bis 34 Prozent gesehen (29,6). Bei Linken (12,9), Grünen (4,0), FDP (3,3) und AfD (6,2) lagen die Forscher näher dran.

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

Abstimmung geheim: Rund 800.000 Menschen waren am Sonntag im Saarland aufgerufen, ihr Kreuz zu setzen. Dieser Hund mogelte sich mit in die Wahlkabine
Abstimmung geheim: Rund 800.000 Menschen waren am Sonntag im Saarland aufgerufen, ihr Kreuz zu setzen. Dieser Hund mogelte sich mit in die Wahlkabine © dpa
Landtagswahl im Saarland
Zitterpartie für die SPD: Die Gäste der Wahlparty in Saarbrücken warten auf die ersten Hochrechnungen. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Sieg für die CDU: Die Partei jubelt über ihr vorläufiges Ergebnis. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Währenddessen bei der SPD-Wahlparty: Die Anhänger beobachten die Balken auf der Leinwand. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die Erwartungen wurden mehr als enttäuscht. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Nein, kein Grund zur Freude bei der SPD-Wahlparty. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verzieht sein Gesicht dementsprechend. Er erfährt die erste Hochrechnung in einer TV-Runde. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Bei dieser TV-Runde nennt auch Grünen-Vorsitzende Simone Peter das Ergebnis im Saarland ein Debakel für ihre Partei. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Bei der Wahlparty der CDU in Saarbrücken bleibt die Stimmung dagegen oben. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Ähnliches Bild bei der AfD: Rolf Müller (v. li.), Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl im Saarland, freut sich in Völklingen mit Landesgeschäftsführer Dieter Müller und Uwe Junge (Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz) nach den ersten Hochrechnungen. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die Linke ist zufrieden: Sie bleiben drittstärkste Kraft im Saarland. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die Spitzenkandidatin der SPD, Anke Rehlinger, trägt die Niederlage mit Fassung. „Wir haben das Wahlziel leider nicht erreicht, obwohl wir eine tolle Aufholjagd hatten“, sagt sie. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die amtierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) geht nach der Landtagswahl zur Saarlandhalle. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Sie wird beglückwünscht: Die CDU hat ihre Position verteidigt und den Vorsprung ausgebaut. © dpa
Landtagswahl im Saarland
„Ja, ich bin platt, das kann ich gar nicht anders sagen“, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Freud und Leid: Spitzenkandidatinnen der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer und der SPD, Anke Rehlinger. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Faire Verliererin: Rehlinger umarmt Kramp-Karrenbauer in der Saarlandhalle. © dpa
Landtagswahl Saarland - CDU
Glückwünsche vom Ehemann: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer küsst Helmut Karrenbauer bei der Wahlparty. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Hoffnungsträger: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wollte mit dem Ergebnis im Saarland die Messlatte für das Superwahljahr 2017 hoch legen. Nach den ersten Hochrechnungen muss er eine Wahlniederlage einräumen. © dpa
Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gab sich am Wahltag betont gelassen, als sie in Püttlingen ihre Stimme für die Landtagswahl abgab.
Stunden zuvor: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gab sich am Wahltag betont gelassen, als sie in Püttlingen ihre Stimme für die Landtagswahl abgab. © dpa
Hubert Ulrich, Vorsitzender der saarländischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und einer der beiden Spitzenkandidaten der Partei für die Landtagswahl, füllte die Wahlunterlagen in Saarlouis-Beaumarais aus.
Hubert Ulrich, Vorsitzender der saarländischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und einer der beiden Spitzenkandidaten der Partei für die Landtagswahl, füllte die Wahlunterlagen in Saarlouis-Beaumarais aus. © dpa
Die SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger begrüßte im Wahllokal in Nunkirchen fröhlich eine andere Wählerin, lachte und gab ihre Stimme ab.
Die SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger begrüßte im Wahllokal in Nunkirchen fröhlich eine andere Wählerin, lachte und gab ihre Stimme ab. © dpa
Rudolf Müller (l.), Spitzenkandidat der AfD Saarland für die Landtagswahl im Saarland, besuchte mit seiner Frau Monika das Wahllokal in Saarbrücken.
Rudolf Müller (l.), Spitzenkandidat der AfD Saarland für die Landtagswahl im Saarland, besuchte mit seiner Frau Monika das Wahllokal in Saarbrücken. © dpa
Landtagswahl Saarland - FDP
Oliver Luksic, Spitzenkandidat der FDP, nimmt am nahm seinen Wahlzettel in Heusweiler-Holz (Saarland) entgegen. © dpa

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dpa/Video: snacktv

Rubriklistenbild: © dpa

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