Gefährliche Provokationen

29 China-Kampfjets in Taiwans Luftverteidigungszone - Kriegsschiffe auf ungewöhnlicher Route beobachtet

Ein F-16 Kampfjet der Luftwaffe Taiwans eskortiert im Mai 2018 einen chinesischen Bomber im Luftraum südlich von Taiwan.
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Ein F-16 Kampfjet der Luftwaffe Taiwans eskortiert im Mai 2018 einen chinesischen Bomber im Luftraum südlich von Taiwan.

Die Spannungen im Meer vor der chinesischen Ostküste nehmen zu. Diese Woche schickte China Kampfjets in die Nähe Taiwans und Schiffe in Gewässer nahe Japan.

Taipeh/München – Taiwan hat am Dienstag eigene Kampfjets in die Luft geschickt, um 29 chinesische Kampfflugzeuge zu vertreiben. Diese waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Taipeh in die taiwanische Luftverteidigungszone (Air Defense Identification Zone/ADIZ) eingedrungen. 17 Jagdbomber sowie sechs H-6-Bomber und Spezialflugzeuge, darunter eines zur Betankung in der Luft, waren über dem Meer südlich Taiwans unterwegs. Die Luftwaffe habe aus Taipeh Warnungen über Funk an die chinesischen Flugzeuge geschickt und deren Aktivitäten mit Flugabwehr-Raketensystemen überwacht.

Vorfälle wie dieser häufen sich seit zwei Jahren – und nehmen immer weiter zu. Seit Jahresbeginn sind bereits rund 500 chinesische Kampfjets in Taiwans Luftverteidigungszone eingedrungen. Am Dienstag waren es so viele an einem Tag wie zuletzt am 30. Mai, als China 30 Flieger geschickt hatte.

Eine ADIZ ist nicht der Luftraum über Staatsgebiet und Hoheitsgewässern eines Landes. Sondern sie bezeichnet eine Luftraumüberwachungszone, in der sich durchquerende Flugzeuge identifizieren und regelmäßig ihre Koordinaten bekanntgeben müssen. Staaten nutzen die ADIZ als eine Art Pufferzone, die aber nicht völkerrechtlich als Hoheitsgebiet geschützt ist. Diesen Umstand nutzt China seit langem aus, um immer wieder ohne Anmeldung Flugzeuge in Taiwans ADIZ zu schicken – deklariert als reine Routineflüge. China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz an, und hat eine gewaltsame Eroberung der demokratisch regierten Insel nie ausgeschlossen. Es gibt Befürchtungen, China könne Russlands Angriffskrieg in der Ukraine als Blaupause für eine Invasion Taiwans nutzen.

Auch Japan in Sorge über Aktivitäten Chinas und Russlands

Aber nicht nur Taiwan beobachtet verstärkte militärische Aktivitäten Chinas. Auch Japan ist auf der Hut. Am Montag hatte Japan nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo drei chinesische Kriegsschiffe gesichtet, die auf einer ungewöhnlichen Route südöstlich der japanischen Präfektur Chiba unterwegs waren – nur Tage, nachdem pikanterweise sieben russische Schiffe nahe gelegene Gewässer durchquert hatten. Zuletzt hatten im Oktober 2021 zehn russische und chinesische Schiffe gemeinsam einmal Japan umrundet. Im Mai hatte Japan zudem – ähnlich wie jetzt Taiwan – Kampfjets in die Luft geschickt, um chinesische und russische Bomber aus Gewässern nahe des Inselstaates zu vertreiben.

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Analysten sahen die Aktion damals als Protest Chinas und Russlands gegen einen Gipfel der Quad-Allianz (Japan, USA, Indien, Australien) in Tokio an, zu der unter anderem US-Präsident Joe Biden nach Japan gereist war. Die Spannungen zwischen China und Japan haben sich im vergangenen Jahr verschärft – nicht zuletzt, weil Tokio seine öffentliche Unterstützung Taiwans verstärkt hat.

China und Japan: Streit um Inseln und die Geschichte

Tokio und Peking streiten zudem seit Jahren über eine unbewohnte Inselgruppe, strategisch günstig gelegen im Meer zwischen beiden Staaten: Japan verwaltet die Inseln und nennt sie Senkaku; der chinesische Name ist Diaoyu. Kürzlich protestierte Tokio gegen Erkundungsarbeiten an einem möglichen Gasfeld durch China. Anfang Juni sagte Chinas Top-Diplomat Yang Jiechi im Telefonat mit dem japanischen Staatssicherheitschef Takeo Akiba, alte Probleme in der Beziehung seien nun mit neuen verflochten, wie die Hongkonger Zeitung South China Morning Post berichtete. Yang forderte demnach, dass beide Nationen „die richtige Richtung einschlagen“. Japan hatte im Zweiten Weltkrieg große Teile Chinas erobert und mit drakonischen Methoden beherrscht. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seither trotz enger wirtschaftlicher Verflechtung ohnehin belastet.

Taiwan wiederum bezeichnet Chinas wiederholte militärische Aktivitäten in seiner Nähe laut Reuters als „Grauzonen“-Krieg. Die Aktionen zielten darauf ab, die taiwanischen Streitkräfte immer wieder aufzuscheuchen und damit zu zermürben. Auch wolle China die Reaktionen Taiwans testen. Das Militär der Insel schickt daher immer wieder eigene Flugzeuge los, um Wehrhaftigkeit zu demonstrieren. Zu Zwischenfällen ist es dabei bisher nicht gekommen. Auch am Dienstag nicht. (ck)

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