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Wird das Zölibat abgeschafft? Kardinal Marx spricht über Lockerung der Keuschheitsregel

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Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz

Zölibat: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx äußert sich. Er halte eine Lockerung des Heiratsverbots in einigen Fällen für möglich.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Kardinal Reinhard Marx über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Das Jahr 2010, in dem die Vorwürfe wegen strukturellen Missbrauchs laut wurden, bezeichnet Marx als „Schockjahr“. „Ich muss wirklich sagen, dass ich auch persönlich sehr schockiert war. Es hat meinen Blick verändert. Vielleicht habe ich vieles idealistisch, vielleicht auch etwas naiv gesehen, als junger Priester voller Idealismus“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Marx: „Es hat mich angetrieben, vieles zu verändern“

Aus den Vorwürfen gegen die Kirche habe er aber etwas Positives ziehen können: „Es hat mich angetrieben und noch einmal ermutigt, jetzt auch zu handeln und vieles zu verändern.“ Marx lässt verlauten, dass eine Lockerung des Zölibats denkbar sei. Wie die tagesschau berichtet, sagte Marx in dem Interview mit der F.A.S. außerdem: „dass es sinnvoll ist, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen.“ Auch Erzbischof Stephan Burger äußerte sich zur Abschaffung des Zölibats.

Aktuell gilt für Vertreter der Römisch-Katholischen Kirchen die Einhaltung des Zölibats. Päpste, Bischöfe, Pfarrer, Mönche - sie alle dürfen nicht heiraten und sollen in Keuschheit leben. In einem Video auf der Website katholisch.de spricht Bischof Stefan Oster über seine Motivation keusch zu leben. „Ein Zölibatärer stellt sich ganz für Gott zur Verfügung, damit er ganz verfügbar ist für viele Menschen und damit den Lebensstil Jesu nachahmt“, erklärt Oster.

Vor einem Jahr veröffentliche die Bischofskonferenz eine Studie, die über die Missbrauchsfälle in der Kirche aufklären sollte. Darin benannten die Kirchenvertreter selbst das Zölibat als Teil der Struktur, die Übergriffe auf Kinder und Jugendliche begünstigt.

Bischofskonferenz: Reformen in der Kirche

Bei der diesjährigen Bischofskonferenz, die vom 23. bis zum 26. September in Fulda stattfindet, soll sich alles um den Reformprozess, den die katholische Kirche im Zuge der Missbrauchsfälle angekündigt hat. Auf der Konferenz wollen die Kirchenvertreter über den Umgang der Kirche mit Macht, die Position von Frauen in der Kirche und auch über das umstrittene Zölibat sprechen.

Zuletzt äußerte sich der Vatikan auch bezüglich „Gender-Ideologie“. Der Papst verurteilte Prostitution aufs schärfste. Er sprach von „gekreuzigten Frauen“. 

dpa/lb

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