Musiker könnte Biden schaden

Geheime Machenschaften der Republikaner: Präsidentschaftskandidat Kanye West als Trumps Wahlhelfer?

Hip-Hop-Superstar Kanye West kandidiert wie Donald Trump und Joe Biden für das Amt als US-Präsident. Doch Wests eigentliche Agenda hilft wohl nur dem Amtsinhaber.

  • Nicht nur Donald Trump und Joe Biden treten bei der US-Wahl 2020* an - sondern auch Kanye West.
  • Der Superstar könnte für den Demokraten Biden vor allem in den "Battleground"-Staaten zum Problem werden.
  • Im Hintergrund ziehen einige Republikaner-affine Macher die Strippen.

München - Ja, er tut es wirklich: Kanye West hat sich offiziell als Präsident der vereinigten Staaten von Amerika beworben und ist regulär wählbar, genauso wie Donald Trump und Joe Biden.

Nun, nicht ganz genauso, denn West war schlicht und ergreifend zu spät dran mit seiner Nominierung: Der Hip-Hopper steht nur auf zwölf von 50 Wahlzetteln bei der Abstimmung im November und kann damit rein rechnerisch gar nicht Präsident werden.

Donald Trump (l.) und Kanye West.

Dass dies sein Ziel war, darf ohnehin bezweifelt werden. West, der offiziell unabhängiger Kandidat ist, gilt als großer Unterstützer von Präsident Donald Trump*, besuchte diesen im Weißen Haus und zeigte sich mit "Make America Great Again"-Mütze. Obwohl er nun gegen Trump antritt, verfolgt er wohl das Ziel, den Präsidenten im Amt zu belassen. Es gibt einige Hinweise und Verbindungen, die Wests skurril wirkende Kandidatur als Plan der Republikaner entlarven.

Kanye West: Er tritt in den "Battleground"-Staaten an - schadet er damit vor allem Joe Biden?

Dies wird unter anderem klar, wenn man sich ansieht, in welchen Staaten West wählbar ist: In auffallend vielen umkämpften „Battleground“-Staaten wie Colorado, Iowa und Minnesota. Hier, wo die Entscheidung zwischen Trump und Biden knapp wird, soll der „unabhängige" West mit seinen Stimmen dazu beitragen, dass Trump gewinnt. Dass es dazu kommt, wäre nicht das erste Mal in der US-Geschichte: Schon zuvor haben Drittkandidaten mit wenigen Stimmen das Zünglein an der Waage gespielt. So beispielsweise bei der Wahl 2016, als in Wisconsin nur 26.000 Stimmen zwischen Trump und Hilary Clinton lagen, die Liberatarian Party aber 170.000 Wählerstimmen bekam. Trump selbst erklärte bei Twitter, dass er sich durch Wests Unterstützung mehr Stimmen von einer demokratischen Kernwählergruppe, den Schwarzen, erhoffe.

Das poltische Kalkül hinter dem republikanischen Schachzug stammt womöglich von Nathan Sproul. Er arbeitet für West aktuell an dessen Kampagne und half Trump 2016 ins Amt, als Sprouls Unternehmen sich mit 1,8 Millionen Dollar von den Republikanern entlohnen ließ. Sproul arbeitete damals für dessen Wahlkampfkampagne. Wie „CNN“ berichtet, hat Wests Team einer Beraterfirma aus dem Bundestaat Arizona knapp 1,5 Millionen Euro gezahlt - und bei dieser Firma handelt es sich um die von Sproul.

Mehr Verbindungen gibt es laut „New York Times“: Mehrere republikanische Funktionäre arbeiten für West, wie etwa Lane Ruhland aus Trumps ehemaligem Wahlkampfteam für Wisconsin, Rachel George (Colorado) oder der Ex-Direktor der American Conservative Union, Gregg Keller.

Kanye West: Wahl-Kampagne zur US-Wahl 2020 gleicht Kuriositätenkabinett

Wests mit den eigenen Musik-Millionen finanzierter Wahlkampf gleicht einem Kuriositätenkabinett. Er tritt ohne Wahlprogramm an, zitiert auf seiner Website lediglich Bibelverse und twittert religiös anmutende Bilder.

Zwar stellt er sich gegen Abtreibung, möchte diese aber nicht verbieten, sondern in einem „Eco-Dorf“ regulieren. Dies zeigte er in einer handgemalten Zeichnung bei Twitter.

Bei seinem einzigen Wahlkampfauftritt brach er in Tränen aus und nennt seine Partei „Birthday Party" - ein Wortspiel. Er sieht sich als Jesusfigur, wie er der Times erzählte: „Ich bin hier um zu dienen. Ich blute für das Land, ich blute nicht nur für Schwarze, ich blute für alle Menschen Amerikas. Ich blute für alle Menschen dieser Welt.“

Auch wenn West nicht Präsident wird - schaden könnte er Biden gerade in den Battleground States allemal. - cg - *merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © John Taggart / Pool / dpa

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