Gewinner und Verlierer

GroKo-Kabinett nimmt Konturen an: Wer übernimmt welchen Ministerposten?

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Die Kandidaten für das neue Bundeskabinett.

Nach zähem Ringen haben sich Union und SPD bei der Ressortverteilung geeinigt. Einige Minister stehen wohl schon fest, andere müssen noch zittern. Und es gibt mehrere große Verlierer.

Berlin/München - Die Unterhändler einigten sich am Mittwochmorgen auf einen Koalitionsvertrag und die Verteilung der Ministerien. Nun liegt es in den Händen der SPD-Mitglieder, ob eine neue große Koalition unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zustande kommt. Das Ergebnis des Mitgliedervotums soll Anfang März stehen. (Koalitionsvertrag)

Die Sozialdemokraten sollen sechs Ministerien bekommen. Darunter sind die prestigeträchtigen Ressorts Außen und Finanzen sowie Arbeit/Soziales. (Alle Infos zur GroKo im Ticker)

CSU-Chef Horst Seehofer wird als Innenminister nach Berlin wechseln - sein Ressort soll durch die Bereiche Bau und Heimat aufgewertet werden. Daneben soll die CSU die Ressorts für Verkehr/Digitales und Entwicklung bekommen.

Überblick: Das sind die Ministerkandidaten für das Kabinett Merkel

Die CDU soll in einer künftigen großen Koalition das Wirtschafts-, Verteidigungs-, Gesundheits- sowie das Bildungs- und Landwirtschaftsressort erhalten.

Allerdings sagte Seehofer am Montag in München: „Vieles von dem, was jetzt veröffentlicht ist, trifft nicht zu“, betonte der CSU-Chef und fügte noch hinzu: „Die Kanzlerin hat mir gestern nochmal in Berlin gesagt, die ganzen Kabinettslisten, die gestern schon rumgegeistert sind, treffen nicht zu.“ Und dann verwirrt er mit diesem Zitat: „Ich habe keine Namen genannt, und deshalb kommt jeder infrage, der genannt wird, aber auch jeder nicht.“

Die folgende Liste zeigt also vor allem, wer für welches Ressort in Frage kommt. Sicher ist noch so gut wie nichts.

Das GroKo-Kabinett nimmt Konturen an.

BUNDESKANZLERIN (CDU): Wenn es mit der Neuauflage klappen sollte, geht Angela Merkel (63), in ihre vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin.

VIZEKANZLER UND FINANZMINISTER (SPD): Olaf Scholz (59). Der Hamburger Regierungschef gilt als einer der talentiertesten Politiker der SPD, aber der G20-Gipfel kratzte an seinem Image.

AUßEN (SPD): Lange wurde gemutmaßt, dass Martin Schulz (62) nach dem Außenamt greifen würde. Nun ist es offiziell.

Altmaier wird Wirtschaftsminister - von der Leyen behält Verteidigung

VERTEIDIGUNG (CDU):Ursula von der Leyen (59) gilt als quasi gesetzt.

WIRTSCHAFT UND ENERGIE (CDU): Peter Altmaier (59) ist Merkels Allzweckwaffe – als Minister gilt auch er als gesetzt.

INNENMINISTER (CSU): Horst Seehofer (68) wird das üppig aufgewertete Innenministerium besetzen.

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Kandidatin für den Gesundheitsposten: Annette Widmann-Mauz.

GESUNDHEIT (CDU): Hermann Gröhe (56) würde gerne Gesundheitsminister bleiben – wenn Merkel ihn nicht bittet, Kanzleramtschef Altmaier zu beerben. Weitere Kandidatin: Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (51).

Unsicherheit am größten: Wer wird Merkel engster Mitarbeiter?

BILDUNG UND FORSCHUNG (CDU): Nachdem Johanna Wanka nicht mehr antrat, drängt sich niemand auf. Auch hier wird der Merkel-Vertraute Gröhe genannt. Oder der Staatsminister bei der Kanzlerin, Helge Braun (46). Sogar an Jens Spahn (37) wird gedacht.

ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT (CDU): Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner (45) gilt als Nachwuchshoffnung und als möglicher Bestandteil einer Personaloffensive.

VERKEHR UND DIGITALES (CSU): Dieses Ressort kann die CSU halten. Kandidaten: Andreas Scheuer, Dorothee Bär und der bisherige Entwicklungsminister Gerd Müller.

Wird sie eine neue im Kabinett Merkel? Dorothee Bär, CSU.

ENTWICKLUNG (CSU): Gerd Müller könnte bleiben – eher aber wird er durch Dorothee Bär ersetzt.

KANZLERAMTSCHEF (CDU oder CSU): Der Posten, bei dem die Unklarheit am größten ist. Helge Braun wird vereinzelt genannt, die Kanzlerin schätzt ihn.

Merkur exklusiv: Neue Details: Wie sich Seehofer selbst zum „Superminister“ machte

Neues SPD-Gesicht drängt ins Kabinett

JUSTIZ UND VERBRAUCHERSCHUTZ (SPD): Der bisherige Ressortchef Heiko Maas (51) hat gute Chancen, das Ministerium weiter zu führen.

ARBEIT/SOZIALES (SPD): Die Berliner Abgeordnete Eva Högl (49) gilt als Kandidatin. Allerdings ist auch ein Tausch mit Maas im Gespräch.

UMWELT (SPD): Barbara Hendricks (65) bleibt wohl im Amt.

FAMILIE (SPD): Katarina Barley hat gute Aussichten.

DIE VERLIERER: Definitiv raus ist der bisherige Bundesinnenminister Thomas de Mazière (CDU). Er wird einem künftigen schwarz-roten Kabinett nicht mehr angehören, kündigte der Minister am Mittwoch in Berlin an.

Was aus Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel wird, ist nun mehr als fraglich. Gabriel kam für das Außenamt oder das Wirtschaftsministerium in Frage. Beides ist nun vergriffen. Obwohl er als beliebtester Politiker Deutschlands gilt und einen Top-Job als Außenminister machte.

Sigmar Gabriel.

Doch auch für Finanz-Staatssekretär Jens Spahn gibt es keinen Job mehr. Denn das Ministerium hat sich die SPD unter den Nagel gerissen.

Sein Verhältnis zu Merkel gilt nicht als das Beste. Die Bild munkelt, die Kanzlerin könnte ihm zum CDU-Generalsekretär machen. Er würde damit dem erkrankten Peter Tauber nachfolgen. Speziell konservative Kräfte innerhalb der Union hätten ihn gerne in der Regierung gesehen. Dem 37-Jährigen dürfte dennoch die Zukunft gehören.

Und noch einen hat es erwischt: CSU-Landwirtschafts- und Verkehrsminister Christian Schmidt wird bei Kabinettsspekulationen nicht mehr genannt. Rieb sich im Streit um das Glyphosat auf.

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dpa, mke

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