Regionalwahlen in Frankreich

Historischer Sieg für rechtsextreme Front National

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Marine Le Pen in der Francois Mitterand Halle im Norden Frankreichs.

Paris - Die rechtsextreme Front National triumphiert drei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris im ersten Durchgang der Regionalwahlen. Vor der zweiten Runde am kommenden Sonntag liegt die Partei von Marine Le Pen in sechs Regionen vorn. Jean-Marie Le Pen reagierte mit einem provozierenden Video.

Mit einem historischen Wahlergebnis fährt die rechtsextreme Front National (FN) drei Wochen nach den Terroranschlägen in Frankreich einen klaren Sieg in der ersten Runde der Regionalwahlen ein. Die Partei von Marine Le Pen erreichte am Sonntag zwischen 29,5 und 30,8 Prozent, wie erste Hochrechnungen französischer Fernsehsender zeigten. In sechs Regionen liegen die Kandidaten der Rechtsextremen vorn. Die Regionalwahlen sind die letzte landesweite Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017.

Le Pen bezeichnete ihre FN in einer Reaktion als „erste Partei Frankreichs“. Ihre Partei habe ein „großartiges Ergebnis“ erzielt, sagte Le Pen vor jubelnden Anhängern. „Wir sind dazu berufen, die nationale Einheit zu erreichen, die das Land braucht“, sagte die 47-Jährige.

Jean-Marie Le Pen veröffentlich provozierendes Video

Der aus der Partei ausgeschlossene Gründer der rechtsextremen Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, hat deren Sieg bei den Regionalwahlen in Frankreich mit der Veröffentlichung eines provozierenden Videos begrüßt. "Gute Miene zum bösen Spiel", schrieb der 87-Jährige im Onlinedienst Twitter zu einem Film, der einen politischen Rivalen seiner Enkelin Marion Maréchal-Le Pen mit einer jüdischen Kippa auf dem Kopf zeigte. Wenig später wurde das Video allerdings wieder aus seinem Konto entfernt.

Die Aufnahme zeigte Christian Estrosi, konservativer Bürgermeister der südöstlichen Stadt Nizza und politischer Gegenspieler Maréchal-Le Pens in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, beim Tanz mit mehreren Männern, die wie er selbst Kippas trugen. Weder zum Anlass noch zum Zeitpunkt der Aufnahme wurden Angaben gemacht.

Sarkozy lehnt Bündnis ab

Auf dem zweiten Platz landete ein von Ex-Präsident Nicolas Sarkozys Republikanern angeführtes bürgerliches Parteienbündnis mit gut 27 Prozent. Nach der Niederlage lehnte Sarkozy ein Bündnis gegen die Rechtsextremen ab. Es werde weder eine Fusion mit der Linken geben noch werde seine Partei Listen zurückziehen, kündigte Sarkozy in Paris an. Bis zum zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag gelte es, die Wähler zu mobilisieren.

Die regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande kommen zusammen mit einer linken Partei landesweit auf rund 23 Prozent. Sie können im zweiten Wahlgang mit Unterstützung von Grünen und radikaler Linken rechnen, die zusammen bei gut 10 Prozent landeten. Regierungssprecher Stéphane Le Foll sah deswegen in einer ersten Reaktion die versammelte Linke für kommenden Sonntag vorn.

Von den rund 44,6 Millionen Wähler beteiligten sich deutlich mehr als vor fünf Jahren. Bis zum Nachmittag hatten nach Angaben des Innenministeriums 43,01 Prozent der Wähler abgestimmt. Das waren bis 17.00 Uhr fast vier Punkte mehr als 2010 (39,29 Prozent).

Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Wahlen

Gewählt wurde unter starkem Schutz von Polizei und Militär. Vor allem im Großraum Paris wurden viele öffentliche Bereiche von Uniformierten gesichert.

Präsident Hollande gab am Morgen in seinem Wahlkreis im zentralfranzösischen Tulle den Stimmzettel ab, Le Pen ging in Hénin-Beaumont in Nordfrankreich wählen.

Nach den Terroranschlägen von Paris und Saint-Denis vor drei Wochen waren die Umfragewerte für den Staatschef deutlich gestiegen. Zuvor steckte Hollande wegen Rekordarbeitslosigkeit, schlechten Wirtschaftszahlen und zu langsamen Reformen im Umfragetief.

Die FN setzte auf einen Wahlkampf gegen Europa und Ausländer, forderte die Schließung der Grenzen und mehr innere Sicherheit. Le Pen liegt in Nord-Pas-de-Calais-Picardie klar vorn, ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen führt ebenso deutlich in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur im Südosten des Landes.

Nach einer Reform ist das französische Kernland in 13 statt 22 Regionen aufgeteilt. Sie entsprechen in etwa den Bundesländern in Deutschland, haben aber im zentralistischen Frankreich deutlich weniger politische Bedeutung und vor allem Verwaltungsaufgaben. Gewählt wurde auch in vier der fünf Überseeregionen.

dpa

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