Mehr als 300 Kandidaten nominiert

Friedens-Nobelpreis 2020: Überraschungssieger in Oslo gekürt - WHO und Greta gehen leer aus

Am Freitagvormittag wurde in Oslo der Friedens-Nobelpreis verliehen. Die Buchmacher hatten dabei einen anderen Sieger erwartet.

  • Am Freitag (11 Uhr) wurde in Oslo der Friedens-Nobelpreis 2020 vergeben.
  • Mehr als 300 Kandidaten waren nominiert.
  • Die aussichtsreichsten Chancen werden der WHO, Greta Thunberg sowie Jacinda Ardern zugesprochen.

Update vom 9. Oktober, 12.22 Uhr: Nach der Verleihung des Friedens-Nobelpreises an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat auch die Bundesregierung den Preisträgern gratuliert. „Die Auszeichnung hebt die überaus verdienstvolle Arbeit der Welternährungsorganisation gerade in schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie hervor“, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer, am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin. 

Friedens-Nobelpreis 2020: Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen gekrönt

Update vom 9. Oktober, 11.06 Uhr: Überraschung in Oslo: Der diesjährige Friedens-Nobelpreis geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP).  Das WFP wird für seinen Einsatz im Kampf gegen den Hunger und die Verbesserung der Bedingungen für Frieden in Konfliktregionen ausgezeichnet.

Die WFP sei insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie* gefordert gewesen, da die Zahl der Hungernden stark gestiegen ist. Diese schwere Aufgabe hätte sie mit Bravour gemeistert, hieß es von Seiten des Preiskomitees. „Bis zu dem Tag, an dem wir einen medizinischen Impfstoff haben, ist Nahrung der beste Impfstoff gegen Chaos“, sagte Berit Reiss-Andersen vom Norwegischen Nobel-Komitee. Das WFP sei zudem eine „treibende Kraft“ gegen den „Einsatz von Hunger als Waffe“ in Kriegs- und Konfliktgebieten.

Mit der Auszeichnung wolle das Nobelkomitee den Blick der Weltöffentlichkeit auf die Millionen von Menschen richten, die Hunger leiden oder von Hunger bedroht sind. Ein WTP-Sprecher sagte vor Journalisten in Genf, die Verleihung sei ein „stolzer Moment“ für das Welternährungsprogramm.

Das WFP ist nach eigenen Angaben die führende humanitäre Organisation im Kampf gegen den Hunger und half im vergangenen Jahr 97 Millionen Menschen in 88 Ländern. Zwei Drittel der Hilfsprogramme werden demnach in Ländern umgesetzt, die von Konflikten betroffen sind - dort sei die Wahrscheinlichkeit von Unterernährung demnach drei Mal höher als in sicheren Ländern.

Friedens-Nobelpreis 2020: WHO, Greta & Co. - Wettanbieter haben klaren Favoriten

Erstmeldung: Oslo - Die Weltgesundheitsorganisation WHO, Klimaaktivistin Greta Thunberg, Kreml-Kritiker Alexej Nawalny* oder erstmals ein Preis für Journalisten? Am Freitagvormittag wird in Oslo verkündet, wer in diesem Jahr den Friedens-Nobelpreis erhält. Der Preis gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Erde und ist diesmal mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) dotiert. Im vergangenen Jahr war er an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed gegangen, der damit vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea geehrt worden war.

Friedens-Nobelpreis 2020: Wer folgt auf Abiy Ahmed

Für Abiys Nachfolge sind mehr als 300 Kandidaten im Rennen. 211 Persönlichkeiten sowie 107 Organisationen sind nach Angaben des norwegischen Nobelkomitees fristgerecht für den diesjährigen Preis vorgeschlagen worden. Das entspricht der vierthöchsten Zahl an Nominierungen jemals, liegt jedoch deutlich unter dem Spitzenwert von 376 Nominierten aus dem Jahr 2016. Für die Auswahl des Preisträgers ist eine Jury zuständig, die vom norwegischen Parlament ernannt wird.

Abiy Ahmed, Ministerpräsident von Äthiopien, wurde 2019 mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnet.

Friedens-Nobelpreis 2020: Hat Donald Trump schon in diesem Jahr eine Chance?

Die Namen der Kandidaten werden von den Nobel-Institutionen traditionell für 50 Jahre geheimgehalten. Manche werden jedoch schon vorab von denjenigen preisgegeben, die die Nominierung eingereicht haben - das dürfen unter anderen Politiker, Akademiker und frühere Friedens-Nobelpreisträger. Im Frühjahr verkündeten zwei schwedische Abgeordnete , ihre junge Landsfrau Greta Thunberg und die Klimabewegung Fridays for Future aufgestellt zu haben. Abgeordnete der Linksfraktion im Bundestag schlugen Wikileaks-Gründer Julian Assange sowie die Whistleblower Edward Snowden und Chelsea Manning vor. Eine norwegische Parlamentsfraktion nominierte die Bevölkerung Hongkongs für ihren Kampf für Freiheit und Demokratie.

Ein norwegischer Abgeordneter machte zudem bekannt, US-Präsident Donald Trump* für dessen Engagement für das Abkommen zwischen den Vereinten Arabischen Emiraten und Israel nominiert zu haben, allerdings für den Preis 2021. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Trump auch für die diesjährige Auszeichnung vorgeschlagen worden ist. Experten räumen ihm zwar keine Chancen ein, doch bei den britischen Buchmachern wird dem Republikaner offenbar die Überraschung zugetraut.

Friedens-Nobelpreis 2020: Wettanbieter haben klaren Favoriten

Geht es nach den Wettanbietern, dann können sich vor allem die WHO, aber auch Greta Thunberg und die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern die größten Hoffnungen auf den diesjährigen Preis machen - auf Rang vier folgt schon Trump.

Die durchschnittlichen Wettquoten für die Weltgesundheitsorganisation liegen mit 1,75 dabei deutlich vor Thunberg und Ardern (beide 5,0), Trump kommt auf eine Quote von 6,0 (dementsprechend gäbe es bei 10 Euro Wetteinsatz auf den US-Präsidenten 60 Euro). Die Namen sind aber mit Vorsicht zu genießen: Wer sich beim norwegischen Nobelkomitee im engeren Favoritenkreis befindet, daraus wird alljährlich ein großes Geheimnis gemacht. Theoretisch können Wetter deshalb auf Personen und Organisationen setzen, die gar nicht nominiert worden sind. (as/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Im politischen Berlin gibt es derweil Zündstoff zwischen CSU und SPD. Schuld trägt ein unrühmlicher Trump-Söder-Vergleich.

Rubriklistenbild: © Berit Roald/SCANPIX NORWAY/dpa

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