Abschiebe-Skandal in Asylheim

Polizei-Razzia: Das sagte der gesuchte Flüchtling vor seiner Festnahme - ein Detail bleibt unklar

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Polizeieinsatz im Flüchtlingsheim.

Der gesuchte Togolese wurde am Donnerstag bei einer Großrazzia in Ellwanger Flüchtlingsheim gefasst. Davor sprach er mit einer Zeitung und erzählte seine Geschichte. Ein Detail über ihn bleibt unklar.

Ellwangen - Bei ihrem Großeinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen hat die Polizei den nach seiner gewaltsam verhinderten Abschiebung gesuchten Togolesen gefasst. Er sei in Gewahrsam genommen worden, teilten die Beamten am Donnerstag mit. Er wurde demnach in der Unterkunft in seinem Zimmer angetroffen.

„Ich bin hier, um zu arbeiten“

Kurz zuvor hatte ihn ein Bild-Reporter ausfindig gemacht und mit ihm gesprochen. Der Bild erzählte der Togolese, offenbar mit dem Namen Yussif O., er sei als Flüchtling in Italien angekommen, dann aber rausgeschmissen worden, nachdem ihm die Fingerabdrücke genommen wurden. Jetzt behauptet er, man wolle ihn zurück nach Italien abschieben. Doch O. weigert sich. „Warum bedrohen sie mich? Ich bin nicht hier und mache Ärger“, sagte er der Bild. „Ich bin hier, um zu arbeiten und etwas für meine Zukunft zu tun“. Eines bleibt wohl erst einmal offen: „Ich habe mein Alter vergessen, weil ich es nicht weiß“, sagt er. Verschiedenen Berichten nach soll O. aber 23 Jahre alt sein.

O., der im Bild-Video bunte Klamotten und eine Sonnenbrille trägt, dürfte eigentlich seit Wochenbeginn nicht mehr in Deutschland sein. Er behauptet außerdem, es sei schon das zweite Mal gewesen, dass die deutschen Beamten versucht hätten, ihn nach Italien zurückzuschicken. Doch es sei ihnen nicht gelungen, weil andere Flüchtlinge ihm geholfen haben.

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Flüchtlinge hatten Abschiebung verhindert 

Die baden-württembergischen Behörden hatten am frühen Donnerstagmorgen hunderte Polizisten zusammengezogen, um die Einrichtung zu durchsuchen und nach potenziellen Unruhestiftern zu suchen. Nach eigenen Angaben hatten sie Hinweise darauf, dass sich Bewohner organisiert hätten, um behördliche Maßnahmen systematisch zu verhindern.

Den Beamten zufolge wurden 27 Menschen identifiziert, die sich an strafrechtlich relevanten Widerstandshandlungen beteiligt haben könnten. Dies werde aber noch geprüft. Weiterhin sollten nach der Razzia etwa 15 Bewohner, die als Unruhestifter gelten, in andere Unterkünfte verlegt werden.

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In der Nacht zum Montag hatten rund 150 bis 200 Flüchtlinge in der Landeserstaufnahmeeinrichtung im Ostalbkreis gewaltsam die Abschiebung des Togolesen verhindert. Die Beamten hatten den Mann, gegen den eine Abschiebeverfügung vorlag, bereits in Gewahrsam genommen und zum Streifenwagen gebracht. Sie ließen ihn wegen der Drohkulisse aber wieder frei.

Derweil begrüßte CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer die Großrazzia nach der gewaltsam blockierten Abschiebung. „Menschen, die Schutz brauchen, können diesen in Deutschland erhalten“, schrieb sie am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite. „Wenn dieser Schutz aber missbraucht wird, etwa durch Angriffe auf Polizeibeamte, werden wir das nicht hinnehmen.“ Das harte Durchgreifen der Polizei in Ellwangen „ist deshalb notwendig, richtig und absolut zu unterstützen“.

afp/fm

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