Wahl im Saarland

Stimmungstest für Merkel läuft überraschend glatt

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Kanzlerin Merkel bei einem Auftritt im saarländischen Landtagswahlkampf.

Wie kommt die Kanzlerin ins schwierige Wahljahr, in dem es am Ende um ihre Macht geht? Der erste Stimmungstest läuft für Merkel so glatt, dass es sogar in der CDU überrascht. Zu sicher sein mag aber keiner.

Berlin - Cool bleiben. Und weiterregieren. Gemäß dieser Devise hat Angela Merkel schon bisher auf den Höhenflug der SPD und ihres neuen Hoffnungsträgers Martin Schulz reagiert - manchem Drängen aus den eigenen Reihen zum Trotz, doch mal stärker auf Gegen-Attacke zu schalten. Da beschert das kleine Saarland der Kanzlerin und Parteichefin zum Auftakt ins Superwahljahr 2017 ein ziemlich großes Aufatmen. Und eine beinahe vergessene Erkenntnis: Die CDU kann es noch, gewinnen bei einer Landtagswahl und dabei sogar zulegen.

Alle aktuellen Informationen zur Wahl im Saarland finden Sie hier in unserem Live-Ticker.

Im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin haben sie am Abend wieder zu lachen und zu klatschen. „Ein guter Tag für das Saarland und ein schöner Tag für die CDU“, ruft Generalsekretär Peter Tauber ins Foyer. In der Fläche hat die CDU tatsächlich schon länger nicht mehr Kraft tanken können, ganz im Gegenteil. Geradezu deprimierend war die Bilanz 2016 mit bitteren Einbußen in Serie in gleich fünf Ländern. In den Ländern stellt die CDU gerade einmal noch vier von 16 Ministerpräsidenten.

„Am Berg wechselt man die Pferde nicht“

Dass die MP-Riege nun nicht weiter schrumpft, wird in Berlin auch stark der populären und besonnenen Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zugeschrieben. Manche sehen sogar Parallelen zur nüchternen Kanzlerin. Den Spruch, mit dem Merkel für die Saar-Kandidatin „AKK“ warb, könnte sie mit Blick auf schwierige internationalen Zeiten auch auf sich selbst münzen: „Am Berg wechselt man die Pferde nicht.“

Dabei gibt es für die Parteivorsitzende durchaus eine zweite Ebene der Betrachtung, wie sie schon vor der Wahl deutlich machte: Den Blick zurück ins vergangene Jahr. Da überschattete ihre umstrittene Flüchtlingspolitik die Wahlen in den Ländern - gelinde gesagt nicht zum Nutzen der Kandidaten vor Ort. Auch wenn Unmut und Frust bei manchen Christdemokraten an der Basis tief sitzen, hat sich die aufgeladene Diskussion doch etwas beruhigt.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass CSU-Chef Horst Seehofer nunmehr sein Dauerfeuer gegen Merkel eingestellt hat, das 2016 bis in die CDU-Landtagswahlkämpfe krachte. Merkel verbucht den im Februar ausgerufenen Frieden mit der Schwesterpartei CSU als entscheidenden Fortschritt - selbst mit dem eingepreisten Dissens um die Obergrenze für die Zahl der Flüchtlinge, auf der Seehofer gegen ihr eisernes Nein beharrt. Doch unionsübergreifende Euphorie wie bei der SPD, die Schulz mit 100 Prozent zum Parteichef krönte? Bisher Fehlanzeige.

Weitere Landtagswahlen stehen an

Schritt für Schritt zur gegebenen Zeit, so will Merkel Kurs auf die Bundestagswahl am 24. September nehmen. Und übermütig wurden auch führende CDU-Leute am Wahlabend nicht. Bis zum Sommer soll ein gemeinsames Wahlprogramm mit der CSU stehen. Davor kommen im Mai aber noch die Wahlen in den SPD-regierten Ländern Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, in denen die CDU nach jetzigem Stand der Umfragen eher geringe Siegeschancen hat.

Eine direkte Auseinandersetzung mit ihrem Rivalen Schulz hat Merkel bisher vermieden, schon um ihn nicht aufzuwerten. Mit dosierter Eskalation hält sie der SPD rückwärtsgewandtes Abrücken von der Reformagenda 2010 vor - ist das bereits Endstufe Attacke? Seehofer mahnte schon, die Union möge angesichts des Schulz-Hypes besser in Form kommen. Und was ist, wenn der SPD-Höhenflug jenseits der Saar anhält und die CDU in den nächsten Landtagswahlen wieder schwächelt?

Manche in der Union drängelten schon, schneller mehr Dampf auf den Kessel zu bringen. Den bekamen sie aber nicht. Wann die heiße Wahlkampfphase startet? „Noch lange nicht“, sagte Merkel schon vor der Wahl. „Wir konzentrieren uns nicht auf Wahlkampf“, sagt ihr Kanzleramtschef Peter Altmaier, ein Saarländer, am Abend in die Kameras. Die ja noch amtierende Regierung müsse noch Probleme lösen.

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

Abstimmung geheim: Rund 800.000 Menschen waren am Sonntag im Saarland aufgerufen, ihr Kreuz zu setzen. Dieser Hund mogelte sich mit in die Wahlkabine
Abstimmung geheim: Rund 800.000 Menschen waren am Sonntag im Saarland aufgerufen, ihr Kreuz zu setzen. Dieser Hund mogelte sich mit in die Wahlkabine © dpa
Landtagswahl im Saarland
Zitterpartie für die SPD: Die Gäste der Wahlparty in Saarbrücken warten auf die ersten Hochrechnungen. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Sieg für die CDU: Die Partei jubelt über ihr vorläufiges Ergebnis. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Währenddessen bei der SPD-Wahlparty: Die Anhänger beobachten die Balken auf der Leinwand. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die Erwartungen wurden mehr als enttäuscht. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Nein, kein Grund zur Freude bei der SPD-Wahlparty. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verzieht sein Gesicht dementsprechend. Er erfährt die erste Hochrechnung in einer TV-Runde. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Bei dieser TV-Runde nennt auch Grünen-Vorsitzende Simone Peter das Ergebnis im Saarland ein Debakel für ihre Partei. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Bei der Wahlparty der CDU in Saarbrücken bleibt die Stimmung dagegen oben. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Ähnliches Bild bei der AfD: Rolf Müller (v. li.), Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl im Saarland, freut sich in Völklingen mit Landesgeschäftsführer Dieter Müller und Uwe Junge (Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz) nach den ersten Hochrechnungen. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die Linke ist zufrieden: Sie bleiben drittstärkste Kraft im Saarland. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die Spitzenkandidatin der SPD, Anke Rehlinger, trägt die Niederlage mit Fassung. „Wir haben das Wahlziel leider nicht erreicht, obwohl wir eine tolle Aufholjagd hatten“, sagt sie. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Die amtierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) geht nach der Landtagswahl zur Saarlandhalle. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Sie wird beglückwünscht: Die CDU hat ihre Position verteidigt und den Vorsprung ausgebaut. © dpa
Landtagswahl im Saarland
„Ja, ich bin platt, das kann ich gar nicht anders sagen“, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Freud und Leid: Spitzenkandidatinnen der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer und der SPD, Anke Rehlinger. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Faire Verliererin: Rehlinger umarmt Kramp-Karrenbauer in der Saarlandhalle. © dpa
Landtagswahl Saarland - CDU
Glückwünsche vom Ehemann: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer küsst Helmut Karrenbauer bei der Wahlparty. © dpa
Landtagswahl im Saarland
Hoffnungsträger: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wollte mit dem Ergebnis im Saarland die Messlatte für das Superwahljahr 2017 hoch legen. Nach den ersten Hochrechnungen muss er eine Wahlniederlage einräumen. © dpa
Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gab sich am Wahltag betont gelassen, als sie in Püttlingen ihre Stimme für die Landtagswahl abgab.
Stunden zuvor: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gab sich am Wahltag betont gelassen, als sie in Püttlingen ihre Stimme für die Landtagswahl abgab. © dpa
Hubert Ulrich, Vorsitzender der saarländischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und einer der beiden Spitzenkandidaten der Partei für die Landtagswahl, füllte die Wahlunterlagen in Saarlouis-Beaumarais aus.
Hubert Ulrich, Vorsitzender der saarländischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und einer der beiden Spitzenkandidaten der Partei für die Landtagswahl, füllte die Wahlunterlagen in Saarlouis-Beaumarais aus. © dpa
Die SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger begrüßte im Wahllokal in Nunkirchen fröhlich eine andere Wählerin, lachte und gab ihre Stimme ab.
Die SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger begrüßte im Wahllokal in Nunkirchen fröhlich eine andere Wählerin, lachte und gab ihre Stimme ab. © dpa
Rudolf Müller (l.), Spitzenkandidat der AfD Saarland für die Landtagswahl im Saarland, besuchte mit seiner Frau Monika das Wahllokal in Saarbrücken.
Rudolf Müller (l.), Spitzenkandidat der AfD Saarland für die Landtagswahl im Saarland, besuchte mit seiner Frau Monika das Wahllokal in Saarbrücken. © dpa
Landtagswahl Saarland - FDP
Oliver Luksic, Spitzenkandidat der FDP, nimmt am nahm seinen Wahlzettel in Heusweiler-Holz (Saarland) entgegen. © dpa

dpa

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