Erosion der Bürgerrechte

Hongkong: 90-jähriger Kardinal Joseph Zen vorübergehend festgenommen

Der Honkonger Altbischof Joseph Zen im Jahr 2018.
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Joseph Zen im Jahr 2019: Der katholische Kardinal wurde in Hongkong für mehrere Stunden festgenommen (Archivbild).

Die Hongkonger Polizei hat am Mittwoch den Kardinal und Demokratieaktivisten Jospeh Zen festgenommen. Mittlerweile ist der 90-Jährige wieder in Freiheit.

Update vom 12. Mai 2022, 8.41 Uhr: Der am Mittwoch in Hongkong festgenommene Kardinal Joseph Zen wurde gegen Kaution freigelassen. Der 90-Jährige sei wenige Stunden nach seiner Inhaftierung wieder auf freien Fuß gesetzt worden, wie die South China Morning Post berichtet.

Der Vatikan hatte zuvor „besorgt“ auf die Festnahme reagiert. „Der Heilige Stuhl hat die Nachricht über die Festnahme von Kardinal Zen mit Sorge aufgenommen und verfolgt die Entwicklung der Situation sehr genau“, hieß es in einer Mitteilung. Das Weiße Haus in Washington forderte in einer Erklärung die „sofortige Freilassung“ der „ungerechterweise Festgenommenen und Beschuldigten“.

Neben Zen waren drei weitere Demokratieaktivisten festgenommen worden. Auch sie wurden Medienberichten zufolge gegen Kaution inzwischen wieder freigelassen.

Erstmeldung vom 11. Mai 2022: München/Hongkong – Der katholische Kardinal Joseph Zen wurde am Mittwoch (11. Mai) in Hongkong festgenommen. Das berichten die South China Morning Post und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend. Demnach wurden neben Zen auch die ehemalige Oppositionsabgeordnete Margaret Ng und die Sängerin Denise Ho sowie der Professor Hui Po Keung von der Nationalen Sicherheitspolizei in Haft genommen. Alle vier waren Treuhänder eines Fonds, der eingerichtet worden war, um Teilnehmern der Demokratiebewegung von 2019 und 2020 finanzielle Unterstützung zu gewähren. Ihnen wird laut dem Bericht der Post vorgeworfen, mit ausländischen Kräften zusammengearbeitet zu haben.

Der 90-jährige Zen ist einer der hochrangigsten katholischen Geistlichen in Asien und war früher Bischof von Hongkong. Er hatte sich immer wieder kritisch gegenüber der Führung in Peking geäußert und sich als Bischof für papsttreue Katholiken in China eingesetzt. Diese können in China nur im Untergrund ihrem Glauben nachgehen; die Kommunistische Partei erkennt offiziell nur Katholiken an, die nicht dem Vatikan gegenüber loyal sind, sondern der staatlichen katholischen Kirche Chinas. Auch das sogenannte „Nationale Sicherheitsgesetz“, das der Demokratiebewegung in Hongkong den Todesstoß versetzt hatte, hatte Zen scharf kritisiert.

Hongkong: „Menschenrechte im freien Fall“

Menschenrechtsaktivisten reagierten mit Entsetzen. „Die Verhaftung eines 90-jährigen Kardinals wegen seiner friedlichen Aktivitäten ist ein schockierender neuer Tiefpunkt für Hongkong und veranschaulicht den freien Fall der Menschenrechte in der Stadt in den vergangenen zwei Jahren“, sagte Maya Wang von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) der Nachrichtenseite Hong Kong Free Press.

Die Verhaftung der Gruppe erfolgte nur wenige Tage nach der Ernennung von John Lee zum neuen Regierungschef von Hongkong. Lee folgt auf die Peking-treue Carrie Lam und gilt als Hardliner. Der ehemalige Sicherheitschef der chinesischen Sonderverwaltungszone war an der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung beteiligt und soll sein Amt Anfang Juli antreten.

„Die Verhaftungen, die nach der Ernennung des ehemaligen Sicherheitschefs John Lee durch die chinesische Regierung zum Regierungschef der Stadt erfolgen, sind ein unheilvolles Zeichen dafür, dass das harte Durchgreifen in Hongkong eskalieren wird“, so die Menschenrechtsaktivistin Wang. Lees Erennung wurde unter anderem von den Außenministern der G7 scharf kritisiert. (sh)

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