Bundestagspräsident Lammert gegen Volksentscheide

+
Stimmzettel für den Volksentscheid über den Erhalt des Tempelhofer Feldes in Berlin: Die Berliner lehnten 2014 den Bau von 4700 Wohnungen ab. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv

Berlin (dpa) - Nach dem Brexit-Votum in Großbritannien hat sich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gegen Volksentscheide auf Bundesebene ausgesprochen. "Ich halte Referenden in den meisten Fällen für unnötig", sagte er der "Welt am Sonntag".

Gelegentlich würden Volksentscheide angesetzt, weil Politiker sich mit Hilfe dieses Instruments aus der eigenen Verantwortung stehlen wollten und eine schwierige Entscheidung "aus Hasenfüßigkeit" dem Wähler überließen. "Das trifft sicher auf das Brexit-Referendum in Großbritannien zu."

In anderen Fällen wollten einzelne Gruppen ihre Interessen zu verbindlichen politischen Vorgaben machen, sagte Lammert. "Deswegen bin ich gegen Referenden auf Bundesebene, die das Grundgesetz auch nicht erlaubt."

Volksentscheide begünstigten die Vereinfachung komplizierter Zusammenhänge und bildeten eine ideale Plattform für Vereinfacher, kritisierte der Bundestagspräsident. "Mein Eindruck ist, dass die zwischenzeitliche Begeisterung für Plebiszite und die Vorstellung, solche Volksentscheide seien der repräsentativen Demokratie sogar überlegen, mittlerweile deutlich an Strahlkraft verloren haben."

Mehr zum Thema

Kommentare

Meistgelesen

Nach Anschlag in Manchester: Tausende stellen sich gegen Angst und Terror
Nach Anschlag in Manchester: Tausende stellen sich gegen Angst und Terror
Polizei und Wahlleiter prüfen NRW-Wahl
Polizei und Wahlleiter prüfen NRW-Wahl
Lanz-Talk: Bei einer Frage bleibt Lindner die Spucke weg
Lanz-Talk: Bei einer Frage bleibt Lindner die Spucke weg
Von unten nach oben: FDP feiert politisches Comeback
Von unten nach oben: FDP feiert politisches Comeback
Trump sucht Allianz mit Muslimen: Gemeinsam gegen Terror
Trump sucht Allianz mit Muslimen: Gemeinsam gegen Terror