Boris sei Dank

Brexit-Chaos sorgt für Dilemma bei Landwirten - für Biertrinker in Deutschland könnte das Folgen haben

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Der Brexit könnte das Bier billiger machen.

Der Brexit hält die EU seit mehr als drei Jahren in Atem. Das Chaos um den Austritt Großbritanniens könnte jedoch einen Einfluss auf deutsches Bier haben.

München - Eines der bestimmenden Themen in Großbritannien ist seit über drei Jahren der Brexit. Dabei geht es vor allem um die Rahmenbedingungen und den Termin des britischen EU-Austritts. Nicht nur die Politik ist davon betroffen: Auch auf die Wirtschaft wird der Brexit großen Einfluss haben.

Ein wichtiger Zweig ist auch im Vereinigten Königreich die Agrarwirtschaft. Die hatte im Jahr 2019 durchaus einiges zu feiern und freute sich dank guter Wetterbedingungen über eine annähernd historische Ernte. Gut 16 Millionen Tonnen Weizen und acht Millionen Tonnen Gerste ernteten die britischen Bauern laut Umweltministerium in diesem Kalenderjahr.

Brexit-Chaos kostet britische Weizenbauern Geld

Doch nur Sonnenschein herrscht deshalb bei den Landwirten nicht. Wegen des Brexit-Chaos wissen diese nicht, wohin mit ihrer Ernte. Ein EU-Austritt der Briten träfe sie besonders hart, da sie wie nur wenige andere Zweige der Wirtschaft extrem auf den Absatzmarkt Europa angewiesen sind. Das Worst-Case-Szenario heißt dabei No-Deal-Brexit.

Da sich Großbritannien zum einseitigen Verzicht auf Zölle verpflichtet hat, um beispielsweise die Nahrungsmittel in Zukunft nicht zu verteuern, droht den Bauern der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Grund hierfür sind die hohen Zölle, die sie dann bezahlen müssten. Im Gegensatz zu den Landwirten mit Tieren bekommen die Weizen- und Gerstebauern auch keine Unterstützung vom Staat.

Erste Verluste musste die Branche schon verkraften. Im Juli und August wurden nach Angaben der britischen Finanzbehörden mit 329.000 Tonnen Gerste schon mehr exportiert als sonst in einem ganzen Jahr. 99 Prozent davon ging in EU-Staaten.

Brexit-Wirrwarr: Wird der europäische Markt kurzfristig mit Gerste geflutet?

Auch wenn für September und Oktober noch keine Zahlen vorliegen, wird vermutet, dass die Bauern den EU-Markt kurzfristig mit britischem Getreide fluten könnten. Drei Millionen Tonnen sind, gemessen am Bedarf im Inland, überschüssig. Die Kehrseite der guten Ernte heißt Preisdruck.

Sollte Großbritannien die EU und deren Zollunion verlassen, wären plötzlich 93 Euro Zoll pro Tonne fällig - ein Preis, den die Käufer und die Händler wohl nicht bezahlen werden, wie Gerstenbauer Matthew Culley  gegenüber Sky News vermutet. „Also kommt alles von den Bauern.“

Das Dilemma der Landwirte ist der Mangel an Alternativen. Märkte, die weiter entfernt sind, lohnen sich aufgrund der Transportkosten nicht und näher gelegene Abnehmerländer wie Libyen oder Algerien nehmen wegen abweichender Produktstandards nur wenig britische Gerste ab.

Brexit macht Bier billig: Deutsche Brauereien profitieren vom britischen Bauern-Dilemma

Der Gewinner in dieser Rechnung könnten deutsche Brauereien sein. Diese brauchen zwingend Importe und führen viel Gerste aus Großbritannien ein. Während Weizen noch irgendwie auf dem Weltmarkt handelbar ist, sind vor allem die Gerstenbauern auf Abnehmer aus dem europäischen Markt angewiesen, weil die USA neuerdings 25 Prozent Zoll auf schottischen Whiskey erheben, wie das manager magazin berichtet. Dieser wird in Brennereien hergestellt, die einer der größten inländischen Abnehmer für Malzgerste sind.

Wird der europäische Markt plötzlich mit britischer Gerste geflutet, könnte das nicht nur die britischen Bauern schädigen, sondern auch die Einkaufspreise für die Bierindustrie in der EU drücken. In der Folge könnten die Bierpreise in Europa, deren größter Bierproduzent Deutschland ist, sinken.

Noch hoffen die Bauern auf ein Happy End durch die Neuwahlen, die für den 12. Dezember terminiert sind. Die beste Ernte seit Jahren wird dann aber längst zu Schleuderpreisen verkauft worden sein. Negative Konsequenzen könnte der Brexit aber auch für Deutschland haben, dem eine Verdopplung der EU-Beiträge droht. Laut aktuellen Umfragen zur UK-Wahl 2019 könnte Boris Johnson die Nase vorn haben. 

Auch wenn die Parlamentarier derzeit mit dem Brexit viel um die Ohren haben, solidarisierten sich 72 weibliche Abgeordnete mit Meghan Markle, der Herzogin von Sussex. Sie kritisierten, wie die Presse mit ihr umgeht.

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