Kritik aus dem Exil

Kann Lukaschenko ohne Putin „nicht überleben“? Baerbock sieht „Geiselhaft für einen Krieg“

Belarus-Präsident Alexander Lukaschenko mit Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen in Kasachstan
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Belarus-Präsident Alexander Lukaschenko mit Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen in Kasachstanr.

Wie abhängig ist Belarus-Präsident Lukaschenko von Russland im Ukraine-Krieg? Oppositionsführerin Tichanowskaja erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren politischen Widersacher.

Brüssel/Minsk – Nach Einschätzung der im Exil lebenden belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja stehe ihr Land „unter Militärbesatzung“ Russlands. Staatschef Alexander Lukaschenko müsse der 40-Jährigen zufolge alle Anweisungen des Kremls befolgen. Andernfalls wisse der Präsident von Belarus, „dass er ohne die Unterstützung von Wladimir Putin nicht politisch überleben wird“, erklärte Tichanowskaja nach einem Treffen mit den Außenministern der Europäischen Union (Montag, 14. November) der Nachrichtenagentur AFP.

Belarus abhängig von Russland? Oppositionsführerin schlägt in Brüssel Alarm

In Brüssel rief Tichanowskaja die EU und internationale Gemeinschaft dazu auf, Belarus über den Ukraine-Krieg hinaus nicht zu vergessen: „Die Lage hat sich verschlechtert“, erklärte die Oppositionelle, die im Jahr 2020 bei der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl in ihrem Heimatland gegen Lukaschenko (68) angetreten war. „Die Zahl der politischen Gefangenen steigt, Menschen werden willkürlich festgehalten und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt“, schildert Swetlana Tichanowskaja die Lage.

Der Aufruf der mit einem verurteilten Influencer verheirateten Mutter: Die Weltgemeinschaft dürfe „keine Beschwichtigungspolitik gegenüber der Diktatur in Belarus betreiben und einfach vergessen, was das Regime tut“. Kürzlich äußerte sich Tichanowskaja über die Rolle ihres Landes im Ukraine-Konflikt und ob die Armee von Belarus den Verbündeten Russland militärisch unterstützen würde:

Belarus: Baerbock trifft Tichanowskaja - „in Geiselhaft für einen Krieg“

Auch Deutschlands Außenministerin war bei der Zusammenkunft in Brüssel zugegen. Annalena Baerbock (Grüne) hatte nach dem Treffen mit Tichanowskaja gesagt, die Menschen in Belarus seien „in Geiselhaft für einen Krieg, den die Menschen dort eben nicht führen wollen, sondern sie streiten genauso wie die Menschen in der Ukraine für Freiheit und für Demokratie“. Ihr zufolge seien im vergangenen Monat mehrere Hundert Menschen verhaftet oder verschleppt worden, viele davon würden unter dem Vorwurf des „Terrorismus“ für zehn bis 15 Jahre ins Gefängnis gesteckt.

Wladimir Putin: Die politische Karriere des russischen Staatschefs in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht in Genf.
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa

Proteste nach seinem Wahlerfolg hatte Staatschef Lukaschenko damals dem Vernehmen nach gewaltsam niederschlagen lassen. Tausende Weißrussen wurden festgenommen oder sind ins Ausland geflohen, darunter auch die Parteichefin der Demokraten, Tichanowskaja. Im Konflikt mit dem Westen steht der Präsident an der Seite des russischen Machthabers Putin, überschattet von wesentlichen Problemen. (PF/AFP)

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