Bahn-Streik

Kauder: Lokführer für Machtkampf missbraucht

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Unions-Fraktionschef Volker Kauder sieht die Streikfront bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL bröckeln.

Osnabrück - Unions-Fraktionschef Volker Kauder sieht die Streikfront bei der Lokführer-Gewerkschaft GDL bröckeln. „Mehr und mehr Lokführer merken doch, dass sie für einen Machtkampf missbraucht werden, in dem es längst nicht mehr um ihre Interessen geht.“

Das sagte der CDU-Politiker der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag). Zugleich signalisierte er Verständnis für den Bahn-Konzern, der zwei Tarifverträge für eine Berufsgruppe nicht dulden will. Bei einem derart großen Unternehmen seien unterschiedliche Verträge für eine Gruppe von Beschäftigten kaum zu handhaben, betonte Kauder.

Er warnte davor, wegen des Bahnstreiks in Deutschland „eine Krise herbeizureden“. Die Streiktage seien nach wie vor verhältnismäßig gering. Die Gewerkschaften gingen meist verantwortungsvoll mit dem Streikrecht um. „Nichts ist aus den Fugen geraten, aber ärgerlich ist es schon“, meinte er mit Blick auf den wochenlangen Tarifkonflikt bei der Bahn. Seit Mittwochnachmittag bestreikt die GDL zum wiederholten Male Güterzüge, seit Donnerstagmorgen ist auch der Personenverkehr betroffen.

Die Hauptfiguren des Streiks bei der Bahn

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn begehrt mit der GDL eine vergleichsweise kleine, aber schlagkräftige Spartengewerkschaft auf. Wer spielt in dem Konflikt welche Rolle? © dpa
Claus Weselsky (55) ist der streitbare Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Der ehemalige Lokführer steht für den harten Kurs seiner Organisation. Der Dresdner tritt gern allein vor die Kameras, greift im Tarifkonflikt zu scharfen Vokabeln, bleibt aber im Ton meist ruhig. Interne Kritiker aus der GDL werfen ihm einsame Entscheidungen vor. © dpa
Rüdiger Grube (63), Bahnchef, hält sich im Tarifkonflikt mit der GDL bislang merklich zurück. Er äußerte sich nur in wenigen Interviews, am Dienstag rief er die GDL dann zur Mäßigung auf. Zuvor nannte Grube die Forderungen der GDL unerfüllbar und plädierte für ein Gesetz, sofern die beiden Bahngewerkschaften GDL und EVG nicht zur Zusammenarbeit bereit seien. Sonst überlässt er das Feld seinem Personalvorstand Ulrich Weber. © dpa
Ulrich Weber (64) ist seit 2009 Personalvorstand bei der Bahn und hat schon mehrere Tarifrunden hinter sich. Der erfahrene Jurist, der vom Kohlekonzern RAG kam, ist eigentlich ein besonnener Typ. Die Streiks haben aber auch ihn sicht- und hörbar verärgert: Dreist und unverschämt nannte er die GDL-Aktionen. Mit immer neuen Angebotsvarianten versuchte er bislang vergeblich, die GDL wieder zu Verhandlungen zu bewegen. © dpa
Andrea Nahles (44) hat den Auftrag, als zuständige Bundesarbeitsministerin ein Gesetz zur Tarifeinheit vorzulegen. Einen Entwurf gibt es bereits. Demnach soll künftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag derjenigen Gewerkschaft gelten, die dort die meisten Mitglieder hat. Gerade als Sozialdemokratin muss es Nahles darum gehen, dabei das grundsätzliche Streikrecht auch der kleinen Berufsgewerkschaften nicht zu beschneiden. © dpa

dpa

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