Kanzler von 1982 bis 1998

Helmut Kohl feiert 85. Geburtstag im kleinen Kreis

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Altbundeskanzler Helmut wird 85 Jahre alt. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

Ludwigshafen - Als „Kanzler der Einheit“ gilt Helmut Kohl seit langem. Sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm sicher. Nun wurde der frühere CSU-Vorsitzende 85 - und mit Lob überhäuft.

Update vom 16. Juni 2017: Eine der größten Persönlichkeiten deutscher Politikgeschichte ist von uns gegangen. Helmut Kohl starb am Freitag im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen.

Der frühere Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl ist zu seinem 85. Geburtstag für seine Verdienste um die deutsche Einheit und das Zusammenwachsen Europas gefeiert worden. Bundespräsident Joachim Gauck versicherte ihm, „dass Deutschland nicht vergessen wird, wie Sie zur rechten Zeit das Richtige entschieden und vollendet haben“. Die europäische Einigung und die deutsche Einheit seien auch Kohls Werk, schrieb Kanzlerin Angela Merkel in einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung (Donnerstag). Der gesundheitlich angeschlagene Kohl feierte seinen Geburtstag am Freitag im privaten Kreis zu Hause in Ludwigshafen-Oggersheim.

Gauck schrieb in seinem Glückwunschbrief weiter: „Von herausragender Bedeutung für mich, wie für die übergroße Mehrheit unserer Landsleute im Osten wie im Westen ist, dass Sie sich mit der Teilung unseres Landes nie abgefunden haben. Vielmehr haben Sie genau zur richtigen Zeit mit Entschlossenheit und Kraft darum gerungen, die Vereinigung Deutschlands ins Werk zu setzen.“ Merkel bescheinigte Kohl, er habe es geschafft, „das politische Kunststück einer Wiedervereinigung“ im Einklang mit allen Nachbarn und den ehemaligen Alliierten zu vollbringen. „Gelungen ist ihm das, weil er wie kein Zweiter über Jahre hinweg Vertrauen aufgebaut hatte, von Washington über Paris, London und Brüssel bis nach Moskau. Dieser Kanzler des Vertrauens war für uns Deutsche ein Segen.“

Kohl war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler und auch viele Jahre CDU-Vorsitzender. Im Zuge der CDU-Spendenaffäre, in der er sich weigerte, die Namen von Spendern zu nennen, kam es zu einem schweren Zerwürfnis zwischen ihm und seiner Partei. Kohl verlor den Ehrenvorsitz. 2008 erlitt er bei einem Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma, seither sitzt er im Rollstuhl und kann nur schwer sprechen. Die Partei veranstaltete keine Geburtstagsfeier. Im Sommer soll es ein Symposium der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zu Kohls Ehren geben.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber schrieb an Kohl: „Wir sind stolz, dass wir Sie in unseren Reihen wissen dürfen.“ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete den Altkanzler als „herausragenden Staatsmann“. Ex-US-Außenminister Henry Kissinger blickte in einem „Bild“-Beitrag auf die Wiedervereinigung: „Mit wenigen kühnen Zügen schuf er damals eine unbestreitbare Wirklichkeit und machte wahr, was lange Zeit als ferner Wunschtraum galt.“ Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, schrieb an Kohl: „Ihnen war es immer ein Anliegen, ein Europa der Freundschaft und ein Europa ohne Mauern zu bauen.“

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Vize-Bundesvorsitzende Julia Klöckner würdigte Kohl als „Mann der Weltgeschichte“. Mit Blick auf die CDU-Spendenaffäre und die Kritik an Kohls Verhalten sagte sie: „Ich habe den Eindruck, dass mit der Zeit auch eine gewisse Versöhnung da ist.“ Wer sich das Leben von Kohl genauer betrachte, müsse die gesamte Bandbreite sehen.

dpa

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