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Ballon-Abschuss: Bericht nährt Spekulationen über Chinas ausgereiftes Spionageprogramm

Der chinesische Ballon wurde abgeschossen. Während die Bergung der Trümmerteile läuft, laufen in den USA Spekulationen über die Hintergründe. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 8. Februar, 6.47 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat Peking nach dem Überflug eines mutmaßlichen chinesischen Spionage-Ballons über die USA ein entschiedenes Vorgehen angedroht. „Wie wir in der vergangenen Woche klargemacht haben: Wenn China unsere Souveränität bedroht, werden wir handeln, um unser Land zu schützen“, sagte Biden am Dienstagabend (Ortszeit) in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-Kongress. „Und lasst uns klar sein: Den Wettstreit zu gewinnen, sollte uns alle vereinen.“

Umfangreiches Überwachungsprogramm Pekings? Bericht nähert Spekulationen über Spionageballon

Update vom 8. Februar, 6.34 Uhr: Der von den USA abgeschossene mutmaßliche Spionageballon aus China ist einem Bericht der „Washington Post“ zufolge Teil eines umfangreichen Überwachungsprogramms Pekings. Derartige Ballons hätten seit Jahren Informationen über militärische Einrichtungen in Ländern und Gebieten gesammelt, die für China von strategischem Interesse seien, berichtete die Zeitung am Dienstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise.

Dazu zählten zum Beispiel Japan, Indien, Vietnam, Taiwan und die Philippinen. Die Ballons würden zum Teil von der Küste der südchinesischen Insel Hainan aus operieren. Sie seien bisher über fünf Kontinenten gesichtet worden.

„Keine Gefahr“ nach Abschuss: US-Außenamtssprecherin fordert professionellen Umgang

Update vom 7. Februar, 9.50 Uhr: China hat seine Kritik an den USA für den Abschuss des mutmaßlichen Spionageballons verstärkt. „Er stellte keine Gefahr für irgendeine Person oder die nationale Sicherheit der USA dar“, sagte nun Außenamtssprecherin Mao Ning. Die USA sollten mit solchen Vorfällen „auf eine ruhige und professionelle Art“ umgehen, ohne Gewalt einzusetzen. Doch hätten sie sich anders entschieden, was eine „klare Überreaktion“ gewesen sei.

Auf Fragen, ob China eine Rückgabe des Ballons fordern wolle, sagte die Sprecherin nur: „Das Luftschiff gehört nicht den USA.“ Die Regierung in Peking werde die legitimen Interessen und Rechte der chinesischen Seite hochhalten, sagte Mao Ning, ohne Details zu nennen. Am Vortag war auch einmal von Unternehmen die Rede, was wohl indirekt auf etwaige zivile Eigentümer des Ballons schließen lassen sollte. Zu dem Ballon über Costa Rica wollte sich die Sprecherin nicht weiter äußern.

Die USA bergen gerade die Trümmer des Ballons aus dem Atlantik vor der Küste von South Carolina, um anhand der Geräte an Bord mehr Informationen über die Mission zu gewinnen. Eine Rückgabe an China ist nicht beabsichtigt. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, sagte in Washington auf eine entsprechende Frage: „Ich weiß nichts von einer solchen Absicht oder von Plänen, es zurückzugeben.“

Update vom 7. Februar, 8.56 Uhr: Nach Sichtung des erste Ballons über den USA hatte US-Außenminister Antony Blinken seine Reise nach Peking abgesagt. Es wäre seine erste Visite in China seit mehr als vier Jahren gewesen. Beide Seiten hatten vorher ihr Interesse zu erkennen gegeben, mit den Gesprächen das stark angeschlagene Verhältnis zu stabilisieren.

China stellte sich jetzt als Opfer der innenpolitischen Auseinandersetzung in den USA dar. Der Abschuss habe die Ballon-Affäre nicht beendet, da US-Politiker ihre Rhetorik über eine „Bedrohung durch China“ fortsetzten und die politische Auseinandersetzung zwischen Republikanern und Demokraten anfachten - ungeachtet der Auswirkungen auf die Beziehungen zu China, beklagte die vom Parteiorgan Volkszeitung herausgegebene Global Times.

Nach Ballon-Abschuss: USA wollen keinen Konflikt mit China

Update vom 7. Februar, 8.25 Uhr: Nach dem Ballon-Abschuss will die US-Regierung vermeiden, dass sich das Verhältnis zu China verschärft. „Es gibt keinen Grund dafür, dass sich die Spannungen in unseren bilateralen Beziehungen zu einer Art Konflikt auswachsen“, sagte John Kirby, Kommunikationsdirektor des nationalen US-Sicherheitsrats der US-Regierung. Die USA hätten im Einklang mit internationalem Recht gehandelt, den Ballon über ihrem Staatsgebiet abzuschießen.

Ballon auch über Costa Rica gesichtet: China äußert Bedauern

Update vom 7. Februar, 7.12 Uhr: Auch über Costa Rica ist ein chinesischer Ballon gesichtet worden. Die chinesische Botschaft in San José bedauere den Vorfall, teilte das Außenministerium von Costa Rica am Montagabend (6. Februar) mit. Der Ballon diene ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken und habe keine Gefahr dargestellt. Er sei wegen der Wetterverhältnisse abgekommen, hieß es aus der Botschaft weiter.

Ob es sich bei dem Flugobjekt um denselben Ballon handelt, der zuvor über Kolumbien gesehen wurde oder ob es sich um einen weiteren Ballon handelt, war zunächst unklar.

Gewicht des mutmaßlichen Spionage-Ballons: Er wog so viel wie ein Flugzeug

Erstmeldung vom 6. Februar: Washington – Nach dem Abschuss des chinesischen Beobachtungsballons durch US-Militär über dem Atlantik sind Details zu dem Flugobjekt bekannt geworden. Der Ballon sei rund 61 Meter hoch gewesen und habe vermutlich so viel wie ein kleines Linienflugzeug gewogen, hieß es von den verantwortlichen US-Stellen.

Der Abschuss sei auch deshalb erst über dem Wasser erfolgt, weil man befürchtet habe, dass etwa Glas von Solarpanels oder potenziell gefährliches Material zum Beispiel aus Batterien hätte herunterstürzen können. Auch sei damit gerechnet worden, dass Sprengstoffe detonieren und der Ballon hätte zerstört werden können. Durch den Abschuss über Wasser wurde verhindert, dass Trümmerteile Menschen und/oder Infrastruktur schaden.

Ein Spionageballon sorgt derzeit für Unmut in Washington. Die USA schossen das Flugobjekt mittlerweile ab.

Neue Details um mutmaßlichen Spionage-Ballon: Bergung der Trümmerteile läuft

Derzeit läuft vor der Küste South Carolinas die Bergung der Trümmerteile. Man versuche, „so viel wie möglich von dem chinesischen Höhenballon zu bergen“, sagte der Befehlshaber des Nördliches Kommandos der Vereinigten Staaten, Glen VanHerck. „In erster Linie für die Sicherheit der Menschen in der Region, aber auch, um ihn auszuwerten und auf jede erdenkliche Weise zu nutzen“.

Das Marine-Vermessungsschiff Pathfinder nutze unter anderem Sonartechnik, um das Trümmerfeld zu vermessen. Das gesamte Feld habe eine ungefähre Größe von 1500 mal 1500 Metern. Aufgrund des Seegangs seien die Arbeiten unter Wasser zunächst erschwert worden. Der Einsatz finde in rund 15 Metern Wassertiefe statt, sagte VanHerck am Montag.

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, sagte auf die Frage, ob man plane, China das geborgene Material zurückzugeben: „Ich weiß nichts von einer solchen Absicht oder von Plänen, es zurückzugeben.“

Video: So funktioniert der chinesische Spionage-Ballon

Experte sieht Luftraumverletzung: „Ballon bewegte sich weit jenseits des kontrollierten Luftraums“

Die USA hatten einen Ballon, der tagelang über den USA geflogen war, am Sonntag vor der Atlantikküste von South Carolina mit einer Rakete abgeschossen. China wurde vorgeworfen, es habe mit dem Ballon wichtige Militäreinrichtungen ausspionieren wollen. Die Regierung in Peking sprach dagegen von einem Forschungsballon, der durch die Westwinddrift und wegen unzureichender Steuerungsmöglichkeiten weit vom Kurs abgekommen sei.

Ein Kampfflugzeug der US-Luftwaffe schießt einen mutmaßlichen chinesischen Beobachtungsballon ab.

Rechtsanwalt Moritz Heile, spezialisiert auf Luftverkehrsrecht, sieht im chinesischen Verhalten eine Luftraumverletzung. Schließlich flog der chinesische Ballon ohne Erlaubnis im US-Luftraum. Keine Rolle spiele dabei, ob dies „aufgrund von Notsituationen, Navigationsfehlern, schlechten Wetterbedingungen, oder auch Spionage, Provokation oder Drohung“ geschehe, teilte er IPPEN.MEDIA auf Anfrage mit.

Der inzwischen abgeschossene Ballon flog außerdem in etwa 18 Kilometern Höhe, also gut sieben Kilometer höher als es Passagierflugzeuge üblicherweise tun. Damit habe er sich „weit jenseits des kontrollierten Luftraums bewegt, in dem zivile Luftraumüberwachung gewährleistet wird“, meinte der Experte. (as/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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