"Fokus auf Abschreckung" habe Situation weiter verschlechtert

Ärzte ohne Grenzen: EU hat in Flüchtlingskrise versagt

Berlin - Kollektives Versagen - das wirft die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" der EU und den europäischen Regierungen vor. Sie fordert endlich die Schaffung sicherer Wege nach Europa.

Die EU und europäische Regierungen haben nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen in der Flüchtlingskrise 2015 kollektiv versagt. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht beschreibt die Hilfsorganisation die Hindernisse, die die EU über einer Million Flüchtlingen, Asylbewerbern und Migranten in Europa im vergangenen Jahr in den Weg gelegt habe. Ärzte ohne Grenzen fordere weiterhin die Schaffung sicherer Wege nach Europa.

„Der Fokus auf Abschreckung und die chaotische Reaktion auf die humanitären Bedürfnisse der Flüchtenden hat die Lage Tausender verletzlicher Frauen, Kinder und Männer nach ihrer Ankunft in Italien und Griechenland und während ihrer Reise durch die Balkanstaaten noch weiter verschlechtert“, erklärte Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Grundlage des Berichts seien Zeugenaussagen von Mitarbeitern und Patienten der Organisation und medizinischen Daten aus dem Jahr 2015.

Keine Alternative zu tödlichen Mittelmeerüberfahrten geschaffen

Die Schutzwälle Europas hätten Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen gezwungen, ihre Hilfe an den Toren Europas massiv aufzustocken. Die meisten Menschen seien 2015 vor Krieg und Verfolgung geflohen. Dennoch habe die EU keine Alternative geschaffen zur tödlichen Mittelmeerüberfahrt, zu den Stacheldrahtzäunen, den sich ständig ändernden Registrierungsverfahren.

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dpa

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