Kolumne einer Ukraine-Geflüchteten in München

Nachrichten aus der Heimat: „Odessa bittet, nicht an den Strand zu gehen, um nicht gesprengt zu werden“

Natalia Aleksieieva ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Sie steht vor einer Europakarte.
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Natalia Aleksieieva: „Kann sich nicht die ganze Welt vereinen und diesen Horror stoppen?“

Sie flüchtete aus dem Ukraine-Krieg von Odessa nach München. Natalia Aleksieieva berichtet seitdem in ihrer Kolumne über ihr neues Leben.

Geflüchtet aus der Ukraine: Natalia Aleksieieva bekommt täglich schlimme Nachrichten

Ich bin jetzt seit 25 Tagen in München. Jeden Tag kommen schreckliche Nachrichten aus der Heimat. Alles, was mir meine Freunde erzählen, ist für mich schwer vorstellbar. Neulich flogen zwei Raketen über die Köpfe meiner Freunde hinweg, von denen eine vor ihren Augen abgeschossen wurde und ins Meer stürzte. Wie ist es, Raketen mit eigenen Augen zu sehen, zu wissen, dass sie Menschen verkrüppeln, Gebäude zerstören und verstehen zu müssen, dass man nichts dagegen tun kann? Gerade jetzt, während ich diese Kolumne schreibe, kam die Nachricht, dass die Regionale Staatsverwaltung von Nikolaev einem Raketenbeschuss ausgesetzt war, dass Gebäude zerstört wurde und es Tote gab.

Über die Autorin Natalia Aleksieieva

Natalia Aleksieieva (27) ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Sie hat viel Hilfe bekommen und wohnt aktuell bei einer Gastfamilie. Ihr Ziel ist es, so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen zu können. In ihrer Kolumne berichtet sie über ihr neues Leben in Bayern – und über die Nachrichten, die Situation in ihrer ukrainischen Heimat. Ihre Texte schreibt sie auf Deutsch. Die Geschichte von Natalia Aleksieievas Flucht vor dem Ukraine-Krieg lesen Sie hier*. Alle Informationen und Artikel zur Lage der Geflüchteten in der Ukraine in Bayern finden Sie auf unserer Themenseite*.

Natalia Aleksieieva berichtet regelmäßig über ihr neues Leben in München und Nachrichten aus ihrer Heimat Odessa.

Ukraine-Krieg: „Kann sich nicht die ganze Welt vereinen und diesen Horror stoppen?“

Die Schlagzeilen lokaler Telegrammkanäle geben einen Eindruck von der Situation im Süden des Landes, aus dem ich komme: „In der Region Odessa haben sie versucht, Saboteure auf Schnellbooten zu landen.“ „Das Büro des Bürgermeisters von Odessa bittet, nicht an den Strand zu gehen, um nicht gesprengt zu werden.“ Kann sich nicht die ganze Welt vereinen und diesen Horror stoppen? Offizielle Quellen behaupten, dass die Verluste der Ukraine aus dem Krieg eine Billion Dollar übersteigen. Nachdem ich das gelesen hatte, dachte ich, dass dieser Betrag nichts im Vergleich zu den furchtbaren Schicksalen.

Leben im Ukraine-Krieg: „Ich versuche zu helfen, wo ich kann“

In 25 Tagen in München habe ich Unterlagen beim Migrationsdienst eingereicht und eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, zwei Jobs bekommen, ein Bankkonto eröffnet, Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt. All dies habe ich dank der großartigen Hilfe aller Menschen hier erreicht. Ich versuche zu helfen, wo ich kann. Der Telegramkanal, den ich erstellt habe, um Landsleuten in München zu helfen, hat mehr als 40 Personen. Dort teile ich Informationen darüber, wie man Dokumente ausfüllt oder Freiwillige kontaktiert.

Geflüchtete berichtet über Hilfsinitiative des Krisenzentrums zur Hilfe für Ukrainer

Neulich sprach ich mit Sofia Obrashcheva, eine der Hauptkoordinatorinnen der Hilfsinitiative des Krisenzentrums zur Hilfe für Ukrainer der gemeinnützigen Organisation GOROD in München. Die russischsprachigen Einwohner der Stadt haben sich zusammengeschlossen und organisieren den Transport von Menschen von der polnischen und rumänischen Grenze nach München, helfen bei der Anlaufstelle, richten eine Verteilungsstelle für humanitäre Hilfe ein, betreiben eine Informationsstelle: „Unser Team ist sehr schnell gewachsen – wir waren zehn, jetzt hat unsere Gruppe mehr als 2000 Menschen, die bereit sind zu helfen“, sagt Sophia.

Ukrainerin ruft zur Hilfe auf: „Ich möchte wirklich Frieden in meiner Heimat“

Diese Hilfe ist dank des großen Herzens der Münchner möglich geworden ist, die Spenden in das Zentrum bringen. Gleichzeitig erfordert das viel Organisation. Jeden Tag kommuniziere ich sowohl mit ukrainischen Flüchtlingen als auch mit Münchner Kollegen in dem Unternehmen, in dem ich eine Stelle bekommen habe. Erstere sagen: „Wir brauchen Wohnraum, aber wir wissen nicht, wohin wir uns wenden sollen.“ Während ich von Arbeitskollegen höre: „Viele von uns haben die Möglichkeit, vorübergehend Ukrainern eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen, aber wir wissen immer noch nicht, wie wir es tun sollen.“

Ich möchte, dass alle, die bei der Wohnungssuche helfen können, und alle, die diese Hilfe so sehr brauchen, zueinander finden. Mein Herz quillt über vor Dankbarkeit gegenüber den Münchner*innen. Und ich möchte wirklich Frieden in meiner Heimat. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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