RKI-Empfehlung

Schmerzmittel und Corona-Impfung: Experten raten zur Vorsicht

Verfrüht eingenommene Schmerzmittel können den Impfschutz beeinträchtigen, vermuten Forscher. (Symbolbild)
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Verfrüht eingenommene Schmerzmittel können den Impfschutz beeinträchtigen, vermuten Forscher. (Symbolbild)

Bei unschönen Impfreaktionen liegt der Griff zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol nahe. Wie beurteilen das RKI und andere Experten die Wirkung auf den Corona-Schutz?

Update vom Mittwoch, 05.05.2021, 08.24 Uhr: „Darf ich nach der Corona-Impfung Schmerzmittel nehmen?“ Mit der steigenden Zahl an Impflingen in Deutschland stellen sich immer mehr Menschen diese Frage, können unschöne Impfreaktionen oder Nebenwirkungen doch über Tage Körper und Geist belasten. Nicht nur die Fachwelt erwartet deshalb mit Spannung eine Studie, an der Forscher der University of British Columbia aktuell arbeiten (siehe unten, Erstmeldung vom 16.03.2021). Diese soll zeigen, wie und ob die Einnahme von Schmerzmitteln die Immunabwehr, die durch die Coronaschutzimpfung entsteht, beeinflusst.

Noch, so schreibt es das Robert Koch-Institut (RKI), sei die Datenlage aber „nicht ausreichend“, um sicher sagen zu können, wie sich Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen mit den Vakzinen von Biontech, Moderna oder AstraZeneca vertragen. Forschungen liegen nicht vor. Gleiches gilt für mögliche Unterschiede zwischen den Wirkstoffen oder deren Dosis. Eine „valide“ Bewertung sei noch nicht möglich. Das RKI verweist in seinen Ausführungen jedoch auf die Einschätzung anderer Experten, die zur Vorsicht raten. Wichtig ist demnach der Einnahmezeitpunkt.

Aus Studien zu Nicht-Corona-Impfstoffen sei bekannt, dass eine prophylaktische, also eine Schmerzmittel-Einnahme vor der Impfung „nicht empfehlenswert sei“ (siehe unten, Erstmeldung vom 16.03.2021). Anders verhält es sich, wenn der Griff zu Paracetamol & Co. nach der Impfung erfolgt. Stand jetzt gebe es „keine Evidenz, dass die Gabe dieser Medikamente beim Auftreten von unerwünschten Nebenwirkungen nach der Impfung den Impferfolg signifikant beeinflussen könnte“, schreibt das RKI. Hinweise auf eine Gefährdung des Impfschutzes gibt es also keine. Zur Zeitangabe, dass man sechs bis acht Stunden mit der Medikamenteneinnahme warten solle, wie es sich bei anderen Impfstoffen als ratsam erwiesen hat, sei keine Beurteilung möglich.

Corona-Impfung: Impfschutz in Gefahr - Experten warnen vor Risiko

Erstmeldung vom Dienstag, 16.03.2021, 11.30 Uhr: Fieber, Gliederschmerzen, der sogenannte Covid Arm – eine Impfung gegen das Coronavirus kann unschöne Nebenwirkungen mit sich bringen, egal, welches Vakzin verimpft wurde. Der Griff zu einem Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zur Bekämpfung oder gar Vorbeugung solcher Beschwerden liegt da nahe. Das Robert Koch-Institut (RKI) schlug sogar in einem Aufklärungsblatt zur Schutzimpfung (11.01.2021) die Einnahme von Paracetamol bei Fieber und Schmerzen nach der Impfung vor. Doch wie sich jetzt andeutet, könnte eine zu frühe Einnahme von Schmerzmitteln den Impfschutz beeinträchtigen.

Forschende der University of British Columbia in Vancouver gehen derzeit der Frage nach, ob Schmerzmittel gegen eine Impfreaktion auf die Corona-Impfung überhaupt eingenommen werden sollten. Basierend auf Daten zu Nebenwirkungen und „angesichts der Verfügbarkeit von rezeptfreien Fiebermitteln wird erwartet, dass potenziell Millionen auf der Welt sie nutzen, um akute systemische Nebenwirkungen in Verbindung mit der COVID-19-Impfung zu mäßigen“, schreiben die Forschenden in einem Vordruck, der demnächst in der Fachzeitschrift „Chest“ erscheinen soll.

Schmerzmittel nach der Corona-Impfung kann Wirkung senken

Warum das problematisch sein könnte? Einige Studien – nicht alle, betonen die Forschenden – weisen darauf hin, dass Schmerzmittel, wenn sie vor oder direkt nach einer Impfung eingenommen werden, den Impfschutz senken könnten. Denn sie können die natürliche Impfreaktion unterdrücken, die sich etwa durch Fieber äußern kann. Das Gesundheitsportal „aponet.de“ schreibt, „durch eine unterdrückte Immunreaktion könnte theoretisch die Antikörperbildung und somit die Wirkung der Impfung geschmälert werden.“ Das gilt im Übrigen nicht nur für Corona-Impfungen, sondern auch für Impfungen gegen andere Krankheiten.

Eine Studie aus dem Fachmagazin „The Lancet“ wies nach, dass die Einnahme von Paracetamol zur Vorbeugung von Nebenwirkungen bei der Impfung einer Kinderkohorte die Antikörpertiter vermindert. Auch eine Arbeit aus dem Jahr 2014 zeigt für Erwachsene, dass die Gabe von Paracetamol mindestens sechs Stunden nach der Impfung keinen Einfluss auf die Immunantwort hatte, während eine sofortige Gabe nach der Impfung diese abschwächte. Speziell für die Corona-Impfstoffe etwa von Biontech, Moderna und AstraZeneca wurde allerdings noch nicht untersucht, welche Auswirkungen vorbeugend eingenommene Schmerzmittel auf die Immunisierung haben können.

Astrazeneca und Co: Keine Daten zu Schmerzmitteln von Impfstoff-Herstellern

Eine Studie zum AstraZeneca-Vakzin erwähne zwar, dass die prophylaktische Gabe von Paracetamol die Immunogenität – also die Fähigkeit des Impfstoffes, eine Immunreaktion im Körper auszulösen – nicht beeinträchtige. Allerdings seien keine Daten dazu veröffentlicht worden, merken die Forschenden in Kanada an. Außerdem ist nicht sicher, ob die Ergebnisse sich auch auf Impfstoffe des Typs mRNA, etwa Biontech und Moderna, anwenden lassen. Bei AstraZeneca handelt es sich um einen Vektorimpfstoff. Bei Moderna seien keine Daten zur Verwendung von Fiebermitteln veröffentlicht worden, Biontech und Pfizer hätten lediglich erwähnt, dass der Einsatz von Fiebermitteln mit steigender Dosierung und Zahl der Dosen steige. Zur Immunogenität sei nichts bekannt gegeben worden.

Unabhängig von der Corona-Pandemie empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-amerikanischen Centers for Disease Control und Prevention, Schmerzmittel nicht vor oder kurz nach einer Impfung einzunehmen. Lediglich in den Tagen nach der Impfung könnten sie eingenommen werden, um Nebenwirkungen zu bekämpfen. (Ines Alberti)

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