Hafenstadt erschüttert

Video: 55 Tote bei riesiger Explosion in China

+

Tianjin - Ein Feuersäule erleuchtete den Himmel, Erschütterungen waren noch Kilometer entfernt zu spüren: Bei schweren Explosionen in der nordchinesischen Stadt Tianjin sind hunderte Menschen verletzt worden, die Zahl der Toten ist auf 55 gestiegen.

Update am Donnerstag, 13. August, 11.14 Uhr.

Bei einer schweren Explosion in der nordostchinesischen Stadt Tianjin ist die Zahl der Toten auf 55 Menschen gestiegen, 520 wurden verletzt. 66 von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand. Das berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag unter Berufung auf Rettungskräfte.

Laut des Staatssenders CCTV wurde die Feuerwehr der Stadt am Mittwochabend wegen eines Feuers in ein Hafenlager mit gefährlichen Chemikalien alarmiert. Nachdem die Retter eingetroffen waren, kam es zu mehreren schweren Explosionen, bei denen laut Staatsmedien zwölf Feuerwehrleute ums Leben kamen. Die Erschütterungen während der Explosionen waren so stark, dass sie vom nationalen Erdbebenzentrum registriert wurden.

Die Explosionen ereigneten sich laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua gegen 23.30 Uhr Ortszeit (18.30 Uhr MESZ) in einem Lagerhaus für Gefahrgut. Nach Angaben von Augenzeugen stieg ein riesiger Feuerball von bis zu hundert Metern Höhe über dem Explosionsort auf, Trümmer regneten auf die Millionenstadt nieder. Noch in drei Kilometern Entfernung seien Fensterscheiben durch den Druck der Detonation zerborsten, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. 

Nach Angaben der chinesischen Erdbebenwarte hatte die erste Explosion die Kraft von drei Tonnen TNT, während die zweite Explosion der Detonation von 21 Tonnen des Sprengstoffs entsprochen habe. Der durch die Explosion ausgelöste Großbrand war auch Stunden später nicht unter Kontrolle, dichte Rauchsäulen stiegen weiter über dem Unglücksort auf.

„Ich saß auf meinem Bett, als ich plötzlich einen lauten Knall hörte. Dann vibrierten die Fenster. Es war wie ein Erdbeben. Ich bin schnell auf die Straße gelaufen, um mich in Sicherheit zu bringen“, sagte der 27-Jährige Lin Chen, der ungefähr zehn Kilometer von der Stelle der Explosionen entfernt wohnt, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einem Telefoninterview. „Ich habe gehört, dass die Krankenhäuser voll mit Leuten sind. Es ist wirklich tragisch.“

Riesige Rauchwolken am Himmel über dem Hafen

Auf Videos in sozialen Netzwerken war ein gewaltiger, pilzförmiger Feuerball zu sehen. Auch Fotos von blutverschmierten Menschen, die auf der Straße lagen und Fotos von beschädigte Gebäude wurden in sozialen Netzwerken gepostet. Andere Bilder zeigten eine riesige Rauchwolke, die über dem Hafenareal der Stadt aufstieg. Augenzeugen berichteten Staatsmedien von einer heftigen Druckwelle nach der Explosion, die zahlreiche Fenster zerstörte und Türen aus den Angeln riss. Zahlreiche Menschen seien durch Glasscherben und andere umherfliegende Teile verletzt worden.

Das Parteiorgan "People's Daily" schrieb im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo, ein Großbrand, der durch die Explosionen ausgelöst worden sei, habe einige Menschen eingeschlossen.

Riesige Explosion in China: die schrecklichen Bilder aus Tianjin

„Ich habe Fernsehen geguckt und plötzlich draußen rotes Licht schimmern gesehen. Dann gab es einen großen Knall und das ganze Haus wackelte. Ich war geschockt und konnte mich nicht bewegen. Mein Vater kam ins Zimmer und zog mich auf die Straße“, sagte die 21-Jährige Studentin Liu, die in unmittelbarer Nähe des Hafens wohnt, der dpa. „Zum Glück ist meine Familie in Sicherheit. Ich fühle mich wie ein zweites Mal geboren.“

Explosion ereignete sich in Lagerhaus für gefährliche Güter

Staatschef Xi Jinping habe alle Kräfte für die Rettung der Opfer und das Löschen des Feuers mobilisiert, berichtete der chinesische Fernsehsender CCTV. Dem Sender zufolge wurden die Löscharbeiten vorübergehend unterbrochen. 

Chemiewaffenexperten sollten vor Ort zunächst feststellen, ob sich möglicherweise noch andere gefährliche Stoffe in den Lagerhäusern befanden. 

In dem Industriegebiet bot sich ein Bild der Zerstörung: Behelfsmäßige Behausungen von Bauarbeitern wurden durch die Explosionen zerstört, von manchen Gebäuden blieben nur Stahlskelette. Auch anliegende Bürohäuser wurden beschädigt, zahlreiche Autos verbrannten. Rettungskräfte brachten blutüberströmte Verletzte ins Krankenhaus. Der 50-jährige Zhang Hongjie, der mit bandagiertem Kopf in der TEDA-Klinik in der Nähe des Explosionsorts saß, sagte: "Die Explosion war schrecklich, und ich bin fast bewusstlos geworden." Die genaue Ursache der Detonation war zunächst unklar. Laut Xinhua wurden leitende Mitarbeiter der Logistik-Firma, der die Lagerhäuser gehören, festgenommen.

Wie die Polizei in Tianjin mitteilte, ereignete sich die erste Explosion in einem Lagerhaus für gefährliche Güter, das der Firma Ruihai Logistics gehört. Manager der Firma sind demnach festgenommen und verhört worden. Nach der ersten Explosion hat das Feuer auf weitere Lagerhäuser übergriffen, in denen sich dann eine Reihe weiterer Explosionen ereigneten, wie Staatsmedien berichteten. Gebäude von einem Dutzend Logistikfirmen sind demnach komplett zerstört worden. Hinweise darauf, wodurch das Feuer ausgelöst wurde, gab es zunächst nicht.

In einer Rede an die Menschen von Tianjin kündigte Chinas Präsident Xi Jinping an, das Unglück werde „genau untersucht“ werden und die „Verantwortlichen streng bestraft“ werden. Hunderte Menschen hatten sich laut Staatsmedien bislang zum Blutspenden gemeldet. 

Tianjin liegt rund 140 Kilometer südöstlich von Chinas Hauptstadt Peking. Eine Schnellbahnstrecke verbindet die beiden Städte in nur 30 Minuten. Mit knapp 15 Millionen Einwohnern ist Tianjin eine der größten Städte des Landes. Sie ist ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum und zählt mit Peking, Shanghai und Chongqing zu den vier Städten Chinas, die den Status einer Provinz genießen.

In China gibt es immer wieder Explosionen in Industrieanlagen: Erst im Juli kamen 15 Menschen ums Leben, während mehr als ein Dutzend weitere verletzt wurden, als in der nördlichen Provinz Hebei ein illegales Lagerhaus für Feuerwerkskörper in die Luft flog. Vor einem Jahr starben zudem mehr als 70 Menschen bei einer Explosion in einer Autoteilefabrik in Kunshan bei Shanghai. Grund für die Unglücke sind oft mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und laxe Kontrollen durch die Behörden.

dpa, afp

Kommentare

Meistgelesen

Dieses Video soll vor Kuhattacken schützen
Dieses Video soll vor Kuhattacken schützen
Nach Amokalarm in Esslingen: Mann flüchtig - Polizei bittet um Mithilfe
Nach Amokalarm in Esslingen: Mann flüchtig - Polizei bittet um Mithilfe
Volksfest-Randale und sexuelle Übergriffe in Schwaben
Volksfest-Randale und sexuelle Übergriffe in Schwaben
Umstürzender Baum tötet Frau, als sie gerade im eigenen Garten sitzt
Umstürzender Baum tötet Frau, als sie gerade im eigenen Garten sitzt
McDonald‘s-Diät: Mann nimmt 28 Kilo ab
McDonald‘s-Diät: Mann nimmt 28 Kilo ab