Bluttat in Rheinland-Pfalz

Mordprozess von Kusel: Nebenangeklagter belastet Andreas S. – und nennt Details zu Tat

Ein 39-Jähriger soll in Kusel eine Polizistin und ihren Kollegen ermordet haben, um Wilderei zu verdecken. Im Prozess kommen nun immer neue Details ans Licht.

Update von Donnerstag, 30. Juni, 14.15 Uhr: Im Prozess um die tödlichen Schüsse auf Polizeikräfte bei Kusel werden nun weitere Details bekannt. Demnach soll der Nebenangeklagte Florian V. einer Ermittlerin zufolge den Hauptangeklagten Andreas S. in einer Vernehmung für alle Gewehrschüsse verantwortlich gemacht haben, berichtet die dpa.

Florian V. sagte demnach aus, dass sein Komplize bei der nächtlichen Fahrzeugkontrolle gesagt habe „Wie, Jagdwilderei?“, dann habe „es auch schon geknallt“, zitierte die Beamtin am Donnerstag (30. juni) im Landgericht Kaiserslautern den Mann. Die Polizistin sei „von der Wucht umgerissen worden“. Auch auf den Kollegen der Polizistin habe der 39 Jahre alte Hauptangeklagte geschossen. Der Nebenangeklagte sagte demnach bei der Vernehmung am 18. Februar, er habe zwei Schüsse gehört und einen Schmerzensschrei wahrgenommen. Nach den Schüssen habe Andreas S. ihm befohlen, nach dessen verlorenen Dokumenten zu suchen und ihm gedroht, er werde ihn „sonst daneben legen“, heißt es weiter.

Der Hauptangeklagte Andreas S. wird vom Nebenangeklagten Florian V. schwer belastet. (Archivfoto)

Zeugen im Kuseler Mordprozess über Schusswechsel: „Fast wie eine Feuerwerksbatterie“

Update von Dienstag, 28. Juni, 12.20 Uhr: Die tödlichen Schüsse auf die Polizei bei Kusel ereigneten sich vor fünf Monaten. Nun ist der Prozess gestartet. Zeugen schilderten hierbei einen dramatischen Schusswechsel in der Tatnacht. Ein Zeuge hörte jemanden „Bleib stehen“ schreien und ebenfalls zahlreiche Schüsse. „Das waren mehrere Schussfolgen. Fast wie eine Feuerwerksbatterie“, sagte der 47 Jahre alte Mann und klopfte im Gerichtssaal viermal laut mit geballter rechter Hand rhythmisch auf den Tisch, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Laut Zeugenaussagen sei ein deutlicher, harter letzter Knall zu hören gewesen – „wie bei einem finalen Fangschuss bei Tieren“, sagte ein 65 Jahre alter Zeuge. Die Ermittler gehen von einem Feuergefecht zwischen dem Polizeikommissar und dem Hauptangeklagten aus. Der Polizist soll das Magazin seiner Dienstpistole leer geschossen haben – ohne den Angreifer zu treffen. Der Staatsanwaltschaft zufolge wies der Polizist trotz Schutzweste mehrere schwere Verletzungen auf. Das Gericht wollte am Mittag weitere Zeugen hören. Der nächste Prozesstag ist dann für Donnerstag geplant.

Nach tödlichen Schüssen bei Kusel - Zeuge schildert Tat: „Blut lief Straße hinunter“

+++ 12.15 Uhr: Im Mordprozess um zwei erschossene Polizeikräfte nahe Kusel hat die Beweisaufnahme mit erschreckenden Schilderungen begonnen. Als erste Zeugen waren am Montag vor dem Landgericht Kaiserslautern Einsatzkräfte und Rettungssanitäter geladen, die wenige Minuten nach dem Verbrechen Ende Januar am Tatort eingetroffen waren. „Das Blut lief die Straße hinunter“, schilderte ein 27 Jahre alter Kollege der beiden Polizisten spürbar erschüttert.

Auch der letzte Funkspruch des erschossenen Polizeikommissars wurde im Gerichtssaal eingespielt. „Die schießen, die schießen“, ruft der 29-Jährige in Todesangst, bevor ein Schuss zu hören ist, dann Stille. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39 Jahre alten Mann vor, Ende Januar den Polizeikommissar und eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin bei einer Fahrzeugkontrolle mit Gewehrschüssen getötet zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Insgesamt waren am Montag 13 Zeugen geladen, darunter die Ehefrau und die Schwiegermutter des mutmaßlichen Schützen. Sie beriefen sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht und sagten nicht aus. Auch die Verlobte des Komplizen sagte nicht aus.

Nach tödlichen Schüssen auf Polizei bei Kusel: Zeugen sagen vor Gericht aus

Update von Montag, 27. Juni, 09.30 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizeikräfte bei Kusel hat der Prozess begonnen. Am heutigen Montag startet die Beweisaufnahme um circa 9 Uhr. Dem Landgericht Kaiserslautern zufolge sind 13 Zeugen geladen, darunter die Ehefrau und die Schwiegermutter des mutmaßlichen Schützen. Sie besitzen Zeugnisverweigerungsrecht. Auch die Polizisten und Rettungssanitäter, die in der Tatnacht als erste am Tatort waren, sollen aussagen.

Nach tödlichen Schüssen bei Kusel: Hauptangeklagter beschuldigt Komplizen

Update vom Dienstag, 21. Juni, 12.30 Uhr: Gegen 09.10 Uhr erschien der Hauptangeklagte Andreas S. am Dienstagmorgen laut mehreren Medienberichten im Gerichtssaal in Kaiserslautern. Im Mordprozess um tödliche Schüsse auf zwei Polizisten machte der angeklagte 39-Jährige seinen mutmaßlichen Komplizen für den Tod eines der Opfer verantwortlich. Sein Mandant habe bei dem Vorfall Ende Januar Schüsse gehört und sei „perplex“ gewesen, sagte der Verteidiger des Mannes am Dienstag in einer Erklärung zum Prozessauftakt im Landgericht Kaiserslautern. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

S. habe demnach zwar auch geschossen – aber „nur, um zu erreichen, dass nicht weiter auf ihn geschossen“ werde, sagte der Verteidiger und schilderte eine Art Notwehrlage. Der 39-Jährige habe bei der unübersichtlichen nächtlichen Situation Mündungsfeuer gesehen und in diese Richtung gefeuert. Nach dem Vorfall bei Kusel habe er sich im Saarland den Behörden stellen wollen, er habe aber zuvor mit seiner Frau sprechen wollen – so sei ihm ein Spezialeinsatzkommando (SEK) zuvorgekommen und habe ihn festgenommen. Der Verteidiger des 33 Jahre alten Komplizen wies die Darstellung jedoch als unzutreffend und „vorhersehbar“ zurück. Die Tat von Kusel sorgte bundesweit für Entsetzen. Bis zum 9. September sind 14 Termine geplant, geladen sind viele Expertinnen und Experten sowie Zeuginnen und Zeugen.

Nach tödlichen Schüssen in Kusel: Prozess gegen mutmaßliche Wilderer beginnt

Erstmeldung vom Dienstag, 21. Juni: Kaiserslautern – Etwas mehr als vier Monate nach den tödlichen Schüssen auf eine 24-jährige Polizistin und ihren 29-jährigen Kollegen hat in der Westpfalz der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter sowie seinen Komplizen begonnen. Im Mordprozess geht es neben der Frage um Motive und den genauen Tathergang auch um die Schuldfähigkeit des Angeklagten Andreas S., die psychiatrische Gutachten im Vorfeld des Prozesses ohne Einschränkung festgestellt haben.

Durch die Tat vom 31. Januar 2022 soll der 39-Jährige laut Anklageschrift versucht haben, seine Verstrickung in Jagdwilderei zu verschleiern. Der Angeklagte und sein Komplize waren den beiden Einsatzkräften der Polizei auf eine Streifenfahrt bei Kusel in der Pfalz aufgefallen, nachdem sie deren geparkten Kastenwagen am Straßenrand und die Ladefläche „voller Wildtiere“ gesehen hatten. Beim Versuch, die beiden zu kontrollieren, soll Andreas S. mit einer Flinte erst der Polizeianwärterin „aus kurzer Entfernung in den Kopf“ geschossen, und danach ihren Kollegen mit einem Jagdgewehr ermordet haben.

Mord an Polizeistreife in Rheinland-Pfalz: Anklage wegen Mordes und Jagdwilderei

Als dem Angeklagten wohl kurze Zeit später auffiel, dass die Frau noch lebte und schwer verletzt auf die Straße gestürzt war, soll er laut Anklageschrift einen zweiten Schuss aus der Flinte abgegeben und die 24-Jährige getötet haben. Danach flüchteten er und sein 33-jähriger Komplize vom Tatort, wurden jedoch wenige Stunden nach der Tat im nahe gelegenen Saarland festgenommen.

Bei zahlreichen Gedenkveranstaltungen wurde seit der Bluttat den Opfern gedacht. Nun beginnt in Kaiserslautern der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter und seinen Komplizen. (Symbolfoto)

Dem Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem zwei Morde vor, „aus Habgier und um eine Straftat zu verdecken“. Der 33-Jährige wird unter anderem der versuchten Strafvereitelung beschuldigt, weil er beim Spurenverwischen geholfen habe. Zudem werden beide der gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Jagdwilderei beschuldigt.

Getötete Polizeikräfte bei Kusel: Prozess in Kaiserslautern mit vier Terminen

Die Gerichtsverhandlung gegen die mutmaßlichen Täter wurde am Dienstag (22. Juni) um 9 Uhr eröffnet. Bis zum 9. September sind bei dem Prozess in Kaiserslautern 14 Termine angesetzt, mehrere Sachverständige und eine Vielzahl von Zeugen sind geladen, um die Tat aufzuklären, die bundesweit für Entsetzen gesorgt hat. (ska,slo,asc mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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