Umweltkatastrophe

Polen: Quecksilber nicht die Ursache für Fischsterben

Fischsterben
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Mit einer Forke werden die toten Fische eingesammelt.

An den Ufern der Oder in Brandenburg bergen Helfer viele tote Fische. Ein Verdacht erhärtet sich nicht - die Untersuchungen zur Ursache dauern an. Polen setzt zur Aufklärung nun auch eine hohe Belohnung aus.

Schwedt/Warschau/Berlin - Erhöhte Quecksilberwerte sind nach Angaben der polnischen Regierung nicht die Ursache für das Fischsterben in der Oder. Dies hätten die ersten toxikologischen Untersuchungsergebnisse von Proben toter Fische ergeben, schrieb Polens Umweltministerin Anna Moskwa am Samstag auf Twitter. „Das staatliche Veterinärinstitut hat sieben Arten getestet. Es hat Quecksilber als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen.“ Man warte nun auf die Ergebnisse von Untersuchungen auf andere Schadstoffe.

Das Fischsterben in der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli erste Hinweise darauf bekommen, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben.

Polen setzt hohe Belohnung aus

Für die Aufklärung des massenhaften Fischsterbens in der Oder setzt Polen eine Belohnung von mehr als 200.000 Euro aus. Die Regierung vermutet, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde.

Für Hinweise, die zur Ergreifung eines Täters führen, habe die Polizei eine Summe von umgerechnet 210.000 Euro ausgelobt, sagte Vize-Innenminister Maciej Wasik am Samstag in Gorzow Wielkopolski. „Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen, um das es hier wahrscheinlich geht“, betonte Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki: „Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen.“

Polens Regierung und Behörden stehen unter Druck, weil sie zu zögerlich vor dem Fischsterben gewarnt haben. Politiker und Naturschützer bezeichneten die Folgen der Oder-Verschmutzung als Umweltkatastrophe.

Hunderte Helfer sammeln tote Fische ein

Im Oder-Grenzgebiet in Brandenburg haben unterdessen hunderte Helfer am Samstag damit begonnen, tote Tiere einzusammeln. In der Kleinstadt Lebus, nicht weit entfernt von Frankfurt (Oder), habe sich am Ufer durch die Verwesung der Fische unangenehmer Geruch ausgebreitet, schilderte ein dpa-Reporter. Es seien auch Vögel zu sehen, die tote Fische wegtragen. Einsatzkräfte in Lebus trugen unter anderem Gummistiefel und Handschuhe. Sie müssen sich vor Kontakt mit dem Wasser und den Fischen schützen.

„Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen“, sagte Thomas Rubin für die Kreisverwaltung Märkisch-Oderland. Dort seien auf rund 80 Kilometern Länge etwa 300 Helfer vor allem am Ufer unterwegs. Die Bürgermeisterin der Stadt Schwedt an der Oder, Annekathrin Hoppe (SPD), sagte im rbb-Inforadio, die Helfer seien beim Einsammeln mit Schutzanzügen ausgerüstet. Es sei davon auszugehen, dass dort gesundheitsgefährdende Stoffe für den Menschen vorhanden seien.

Tote Fische am Ufer der Oder.

Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel weist die Oder „sehr stark erhöhte Salzfrachten“ auf. Das sei „absolut atypisch“, sagte der Grünen-Politiker am Freitagabend im RBB-Fernsehen. Vogels Ministerium erklärte, die gemessenen Salzfrachten könnten im Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen. „Nach jetzigen Erkenntnissen wird es jedoch nicht ein einziger Faktor sein, der das Fischsterben in der Oder verursacht hat“, hieß es in einer Mitteilung. Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze. dpa

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