Verstoß gegen Arzneimittelgesetz in 62000 Fällen

Schamlos: Apotheker wegen mutmaßlichem Betrug mit Krebspräparaten vor Gericht

Er soll Medikamente gegen Krebs in Umlauf gebracht haben, die weniger wirksam waren - um sich zu bereichern. Ab November muss der Apotheker sich vor Gericht verantworten.

Düsseldorf/Bottrop - Der Strafprozess gegen einen wegen knapp 62.000 Arzneimittelverstößen angeklagten Apotheker aus Bottrop beginnt am 13. November vor dem Landgericht Essen. Dem Angeklagten Peter S. wird darüber hinaus versuchte Körperverletzung und Betrug vorgeworfen, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch mitteilte. 

Der Apotheker soll unter anderem Krebsmittel mit deutlich weniger Wirkstoff als ärztlich verordnet in den Verkehr gebracht haben. Der Fall des Bottroper Apothekers hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Die Staatsanwaltschaft erhob im Juli Anklage gegen den Mann, der bis zu seiner Festnahme vor knapp einem Jahr in einem Reinraumlabor Arzneimittel für Krebstherapien zubereitete. Den Strafverfolgern zufolge soll er von Januar 2012 bis zu November 2016 in insgesamt 61.980 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben. 

Hygieneregeln und Dokumentationspflichten missachtet

Neben der falschen Dosierung von Präparaten wird ihm auch zur Last gelegt, Hygieneregeln und Dokumentationspflichten missachtet zu haben. Zudem soll der Apotheker die laut Anklage fehlerhaften und damit wertlosen Arzneimittel monatlich mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet haben. 

Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Betrug und beziffert den dabei entstandenen Gesamtschaden auf rund 56 Millionen Euro. Für den Prozess beraumte das Essener Gericht zunächst 14 Verhandlungstage bis Mitte Januar 2018 an. Zugleich ließ die Strafkammer in dem Verfahren neun Nebenkläger zu, die selbst oder deren Angehörige Arzneimittel aus der Bottroper Apotheke bezogen haben sollen.

AFP

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