Mediziner kritisieren NORAH-Lärmstudie: Inhaltlich "wertlos"

+
Zwei ICE-Züge im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main. Foto: Christoph Schmidt/Ilustration

Mainz (dpa) - Einen Tag nach Vorstellung der NORAH-Studie zu Gesundheitsrisiken von Verkehrslärm haben drei Medizinprofessoren massive Zweifel an Methoden und Ergebnissen der Untersuchung angemeldet.

"Fluglärm ist ein neuer Herzkreislaufrisikofaktor, den weder wir als Ärzte noch die Patienten beeinflussen können, sondern nur die Politik", sagte der Mainzer Professor Thomas Münzel am Freitag. Er widersprach vor allem der Teilstudie zum Bluthochdruck, die aus seiner Sicht unglaubwürdig niedrige Ergebnisse ausweise.

Die am Donnerstag in Frankfurt vorgestellte NORAH-Studie hatte unter anderem ergeben, dass Verkehrslärm geringere Gesundheitsrisiken verursacht als bisher angenommen. Der Krach von Flugzeugen, Autos und Eisenbahnen kann demnach das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen, wirkt sich aber nicht auf den Blutdruck aus.

Der Frankfurter Kardiologe Prof. Martin Kaltenbach sagte, er sei froh, das er seine Mitwirkung an der Studie NORAH (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health) abgelehnt habe: "Ich wollte nicht, dass unter dieser Studie mein Name steht." Der Bremer Epidemiologe Prof. Eberhard Greiser sprach von "methodischen Hämmern" und sagte, er sei bei der Studie "von einem Entsetzen ins andere gefallen".

Bei der Teilstudie über die Auswirkungen auf die Lebensqualität seien die Angehörigen der Oberschicht mit statistisch höherem Gesundheitsniveau überrepräsentiert. Zudem fehle die Untersuchung der Bevölkerung in einer von Fluglärm unbelasteten Referenzregion.

Die Kosten der Studie von knapp zehn Millionen Euro tragen unter anderem der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und die Luftverkehrsgesellschaften. Die Ergebnisse wurden von Fraport und Politikern am Donnerstag sehr unterschiedlich bewertet.

Der Flughafenbetreiber, der wegen des Fluglärms heftiger Kritik ausgesetzt ist, sprach von "minimalen" Gesundheitsrisiken. Hessens Verkehrsminister Tarek al-Wazir (Grüne) warnte vor Verharmlosung.

NORAH-Studie

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

43-Jähriger lebt in selbst gebautem Schloss aus Sand

43-Jähriger lebt in selbst gebautem Schloss aus Sand

12-jähriger Schüler stirbt beim Schwimmunterricht

12-jähriger Schüler stirbt beim Schwimmunterricht

Privatdetektiv im Fall Maddie stirbt unter mysteriösen Umständen

Privatdetektiv im Fall Maddie stirbt unter mysteriösen Umständen

Auto fährt in Menschenmenge - Baby stirbt, mindestens 15 Verletzte

Auto fährt in Menschenmenge - Baby stirbt, mindestens 15 Verletzte

Postbote öffnete über 1400 Briefe und Pakete - aus einem Grund

Postbote öffnete über 1400 Briefe und Pakete - aus einem Grund

Kommentare