Wissenschaft

Forscher folgen den Spuren eines Wollhaarmammuts - 17.000 Jahre nach dessen Tod

Ein Wollhaarmammut ist im Schnee unterwegs. (Illustration)
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Ein Wollhaarmammut ist im Schnee unterwegs. (Illustration)

Fast ganz Alaska soll ein Wollhaarmammut vor 17.000 Jahren durchquert haben. Erkenntnisse dazu hat ein Forscher-Team gewonnen - aus einem Stoßzahn.

Alaska - Ein Wollhaarmammut, das am nördlichen Polarkreis vor 17.000 Jahren gestorben ist, muss ein regelrechtes Vagabunden-Leben geführt haben. Das haben Forscher aus den USA und Kanada herausgefunden. Ihnen ist es gelungen, eine Art Bewegungsprofil des Tiers zu erstellen - mithilfe eines Stoßzahns*. „Fossilien geben uns schon lange Einblicke in das Leben, das vor uns war, aber diese Einblicke sind im Allgemeinen statisch. Sie erzählen uns ein wenig über Arten, die lebten, aber nicht viel darüber, wie sie lebten“, schreibt das Team um Professor Matthew Wooller (University of Alaska Faibanks) in seiner Publikation, die im August 2021 im Fachmagzin Science erschien.

Bekannt war, dass das Tier weit im Norden während der letzten Eiszeit verendete. Die Wissenschaftler hofften, eine Analyse des Bewegungsradius könnte Aufschluss darüber geben, wie groß die Aufenthaltsgebiete von Wollhaarmammuts waren. Das wiederum könnte helfen herauszufinden, weshalb die Art ausstarb. Das Team sah sich dafür den 1,7 Meter langen, gut erhaltenen Stoßzahn des männlichen Wollhaarmammuts genauer an - besser gesagt die chemischen Stoffe, die sich während seiner etwa 28-jährigen Lebensdauer dort abgelagert hatten. Denn über die Nahrung nehmen Tiere Spurenelemente wie Strontium und Sauerstoff auf, die im Gewebe verbleiben.

Wollhaarmammuts: Chemische Elemente im Stoßzahn liefern Wissen über Aufenthaltsorte

Gewisse Sorten - oder Isotope - dieser Elemente kommen an bestimmten Orten häufiger vor als an anderen. Unterschiedliche Mengen von Strontiumisotopen in Pflanzen und im Boden gäben Aufschluss über den Untergrund, auf dem sich das Tier bewegte. Sauerstoffisotope aus dem Wasser variierten je nach klimatischen Bedingungen wie der Distanz zur Küste, Temperatur und Erhebung, so Clement Bataille, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Daher glichen die Forscher die Strontium- und Sauerstoffisotope des Stoßzahns mit Isotopenkarten ab, um über die Werte herauszufinden, wo sich das Mammut aufgehalten haben könnte.

„In dem Mammut, weil es einen kontinuierlich wachsenden Zahn hat, ist das Strontium stufenweise in den Zahn eingearbeitet, während es sich durch die Landschaft bewegt. So ähnlich wie eine GPS-Erfassung von dem, was das Tier tut“, sagte Bataille gegenüber dem Portal Popular Science. Die Ergebnisse bestätigen die Annahme, dass Mammuts - ebenso wie zeitgenössische große Pflanzenfresser wie etwa Elefanten - große Entfernungen zurücklegten. Das war bislang vermutet worden, konnte jedoch noch nicht bestätigt werden. Zudem war unklar, wann und wie lange die Tiere auf Reisen waren.

Vagabundartiges Leben: Wollhaarmammut sah zu Lebzeiten fast ganz Alaska

Mithilfe eines Algorithmus erfuhren die Forscher Genaueres über das Gebiet, in dem das Mammutmännchen sich aufhielt. Bataille: „Es wanderte durch ein riesiges, riesiges Gebiet und fast durch die gesamte Landschaft Alaskas.“ Das Gebiet hat sich den Ergebnissen zufolge ungefähr mit dem 16. Lebensjahr des Mammuts deutlich erweitert - möglicherweise ein Indiz darauf, dass sich das Bewegungsverhalten verändert haben könnte, als das ausgewachsene Männchen aus der Herde verbannt wurde, wie es laut Popular Science auch bei Elefantenmännchen häufig der Fall ist.

Von einer dieser längeren Reisen in den Norden kehrte das Wollhaarmammut, das sich in seiner Kindheit und Jugend zumeist in südlicheren Gebieten Alaskas aufgehalten hatte, nicht mehr zurück. Aus dieser Zeit, den letzten eineinhalb Jahren seines Lebens, fanden die Forscher einen starken Anstieg von Stickstoffisotopen in dem Stoßzahn. Das sei ein häufiges Phänomen bei hungernden Tieren, wenn sie ihre eigenen Proteine aufbrauchen müssen, um Energie zu produzieren. Möglicherweise sei das Mammut verletzt worden oder zu schwach gewesen, um die Reise zurück in den Süden anzutreten, wo die Lebensbedingungen günstiger waren.

Klimawandel und Reisefreudigkeit könnte Gründe für das Aussterben sein

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Erkenntnisse natürlich kein exaktes Bewegungsprofil des Mammuts darstellen. Außerdem habe sich die Landschaft Arktis freilich in den vergangenen 17.000 Jahren stark verändert. Weiter gilt es noch herauszufinden, ob alle Wollhaarmammuts zu der Zeit ein solches Wanderverhalten an den Tag legten, oder ob das untersuchte Exemplar eine Ausnahme war. Daher will das Team die Stoßzähne weiterer Tiere unter die Lupe nehmen. Sollten die vorliegenden Ergebnisse allerdings repräsentativ für alle Wollhaarmammuts sein, könnte das Hinweise geben, weshalb die haarigen Giganten ausstarben.

Vor rund 12.000 Jahren wanderten Nadelwälder durch das sich erwärmende Klima gen Norden, wie Popular Science berichtet. Das könnte die Wandermöglichkeiten der Wollhaarmammuts eingeschränkt haben. „Eine Implikation unserer Arbeit ist, dass es Mammuts zusätzlichen Stress bereitet hat, wenn sie in dieser Größenordnung umherwandern mussten“, zitiert das Magazin Forscher Wooller. „Weil sich die Umwelt nach dem Ende der letzten Eiszeit verändert hat, könnte es für Mammuts ziemlich schwer geworden sein, sich so viel umherzubewegen.“ Zudem könne ein großes geografisches Gebiet auch insofern zu ihrem Aussterben beigetragen haben, als dass es öfter zu Begegnungen mit Menschen kam.

Stichwort wärmeres Klima: Die Forscher erhoffen sich durch ihre Untersuchungen auch Hinweise darauf, wie robust Arten von heute auf den Klimawandel reagieren. Nicht nur das Team um Wooller und Bataille erhofft sich von der Forschung an Mammuts klimabezogene Erkenntnisse: Im Kampf gegen den Klimawandel will eine andere Gruppe von Forschern eine Art Wollhaarmammut wiederbeleben. (ial) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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