Schneise der Verwüstung

Viele Verletzte nach Tornado in Paderborn: Kachelmann mit Warnung für Deutschland

Bei Tornados bleibt nur ein Vorwarnzeit von wenigen Minuten. Nach Ansicht von Jörg Kachelmann müssten in Deutschland Warnungsmechanismen wie in den USA etabliert werden, um Tote zu verhindern.

Paderborn - Der Tornado, der am Freitag (20. Mai) durch Paderborn eine Schneise der Verwüstung zog und bei dem es viele Verletzte gab, führt vor Augen, dass Deutschland vor derartigen Wetterphänomenen nicht gefeit ist. Doch das Land ist nach Ansicht von Jörg Kachelmann nicht dafür gerüstet. „Der Paderborner Tornado war nicht einmal besonders stark, trotzdem sind die Opferzahlen unheimlich hoch. Das zeigt: Deutschland ist nicht vorbereitet“, so der Wetterexperte in einem Interview mit Spiegel.de.

Kachelmann sagte, dass es schon vor dem Tornado explizite Warnungen gegeben habe, doch diese seien im allgemeinen Nachrichtenstrom untergegangen. Als Vorbild nennt er die USA, wo das Bewusstsein gänzlich anders ist. „Die Leute würden ständig in den Himmel gucken, einfach um ihr Leben zu retten.“

Wetter-Experte Kachelmann über Tornados: In Deutschland müssten Warnungsmechanismus etabliert werden

Das Problem gerade bei Tornado ist, dass sich deren Entstehung nicht genau vorhersagen lassen. „Am Freitagnachmittag, eine knappe halbe Stunde bevor der Tornado durch Paderborn zog, habe man eine stark rotierende Gewitterwolke in der Region gesehen – mit Zugrichtung Paderborn“, so Kachelmann. Ab dann ticke die Uhr, die übliche Vorwarnzeit von 15 bis 30 Minuten reiche, um sein Leben zu retten.

Jörg Kachelmann sieht Deutschland schlecht auf Tornados vorbereitet (Archivfoto)

In den USA hätte man laut Kachelmann in den betroffenen Gebieten die Sirenen aktiviert und gleichzeitig in allen Medien Livestreams geschaltet. „Das müssen wir auch in Deutschland etablieren, sonst wird es sehr gefährlich.“

Kachelmann sagt zwar auch, dass die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland einen Tornado zu sehen, gering ist. Wenn so einer durch Hamburg oder Berlin zöge, gäbe es aber vielleicht tausend Tote. Da dürfe nicht geschehen, weswegen man sich besser vorbereiten müsse.

Umweltbundesamt: Keine Vorhersage über künftige Zahl und Stärke der Tornados möglich

In seinem Bericht „Klimawandel und Anlagensicherheit: Empfehlungen aus dem UN/OECD-Natech-Projekt“ aus dem Jahr 2020 schreibt das Umweltbundesamt, dass nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Deutschland jährlich 30 bis 60 Tornados registriert werden. Für Europa wird deren Zahl auf 500 bis 600 pro Jahr geschätzt. In Deutschland kann eine Zunahme der Anzahl oder Stärke von Tornados in den letzten Jahren aber nicht mit Sicherheit bestätigt werden.

Es gibt laut Umweltbundesamt nur indirekte Schlussfolgerungen. Geht man als Folge der Erderwärmung von einer Zunahme heißer Tage und Nächte und einer Zunahme der Luftfeuchtigkeit in Bodennähe aus, steigt die Eintrittswahrscheinlichkeit der Tornadobildung. Gibt es aber längere Trockenperioden, vermindert sich die Eintrittswahrscheinlichkeit von Tornados eher.

Rubriklistenbild: © STAR-MEDIA/imago

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