Corona-Mutation

Indische Corona-Doppelmutation: Wie gefährlich ist die Mutante B.1.617 wirklich?

Vor dem Krankenhaus
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Angehörige von Verstorbenen vor einer Klinik in Neu Delhi. Die Corona-Pandemie in Indien hat sich dramatisch zugespitzt.

Fast 315.000 Corona-Neuinfektionen an nur einem Tag - das meldet Indiens Regierung. Dort breitet sich eine sogenannte Doppelmutante aus. Doch wie gefährlich ist sie?

Erstmeldung vom 26. April: Die Corona-Lage in Indien ist dramatisch. Das dortige Gesundheitssystem droht unter der Last der Infektionen zusammenzubrechen. Denn zuletzt ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen rasant in die Höhe geschossen: Über 300.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages meldet die indische Regierung - das führt zu einer Knappheit an Medikamenten und medizinischem Sauerstoff. Eine Mitschuld daran soll eine neue Covid-19-Variante tragen, berichtet echo24.de*, eine sogenannte „Doppelmutante“.

Und der Begriff „Doppelmutante“ gewinnt aktuell auch in den deutschen Medien massiv an Präsenz, denn er klingt für viele extrem gefährlich. Die Mutation B.1.617, die damit gemeint ist, breitet sich in Indien rasant aus. Auch in Baden-Württemberg ist B.1.617 mittlerweile angekommen*, wie heidelberg24.de* berichtet. Und was steckt eigentlich hinter der Bezeichnung „Doppelmutante“?

Indische Doppelmutante: Wirken Impfstoffe gegen die neue Corona-Variante noch?

Die Corona-Variante B.1.617 wird als „Doppel“-Mutation betitelt, weil sie gleich zwei Veränderungen an einem Oberflächenprotein aufweist. Laut Deutschlandfunk sind diese beiden Mutationen - jeweils einzeln - bereits von anderen Varianten bekannt, doch noch nie im Doppelpack aufgetreten.

Die Mutation E484Q ähnelt demnach einer Virus-Veränderung, die bereits bei den Varianten aus Südafrika, Brasilien und Großbritannien festgestellt wurde. Diese wird in Expertenkreisen als sogenannte „Escape-Mutation“ bezeichnet - denn sie hilft dem Virus dabei, dem Immunsystem des menschlichen Körpers zu entkommen. Das könnte bedeuten, dass Impfstoffe gegen diese Mutation weniger gut wirken. Die zweite Mutation mit dem Namen L452R ist aus der kalifornischen Corona-Variante bekannt. Sie ist laut einer Studie ein „effizienter Verbreiter“ für das Virus.

Aber ist B.1.617 dadurch jetzt gefährlicher als bisherige Corona-Mutanten? Wenn es nach der Einstufung der Weltgesundheitsorganisation geht, wohl eher nicht. Bisher steht die Doppelmutation bei der WHO lediglich unter Beobachtung. Sie wird als „Variante von Bedeutung“ eingestuft. Zum Vergleich: Die Mutationen aus Brasilien, Südafrika und Großbritannien sind alle als „besorgniserregend“ eingeordnet. Außerdem ist Deutschland bisher kaum betroffen von der neuen Doppelmutante. Hierzulande ist B.1.617 erst 21 Mal nachgewiesen worden. In Indien dagegen findet man die Mutation mittlerweile bei rund 60 Prozent der Corona-Neuinfektionen. Dennoch warnen auch deutsche Experten.

Corona-Doppelmutante auch in Deutschland? Das sagen deutsche Experten

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach beispielsweise bezeichnete B.1.617 kürzlich auf Twitter als besorgniserregend. Die Variante breite sich in Großbritannien schneller aus als alle anderen Varianten - obwohl es dort auch schon viele Geimpfte gibt. Diese Entwicklung bedeute auch besondere Gefahr für Deutschland, denn schon die britische Variante B.1.1.7 sei über das vereinte Königreich sehr schnell in die Bundesrepublik gekommen.

Richard Neher, der Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien am Biozentrum der Universität Basel dagegen betonte gegenüber Deutschlandfunk, für die Variante gebe es nicht viele Daten, da sie in Europa sehr selten sei. Außerdem gebe es eine Vielzahl von Varianten mit „bemerkenswerten“ Mutationen. Deshalb glaube er nicht, „dass B.1.617 mehr Aufmerksamkeit verdient, als andere Varianten.

Der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin äußerte sich gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk auch eher optimistisch - vor allem mit Blick auf die deutsche Impfkampagne*. Er geht davon aus, dass sich die indische Variante - und auch die meisten anderen „Immun-Escape-Mutanten“ - durch Corona-Impfungen in den Griff bekommen lassen. Vor allem, wenn die bestehenden Impfstoffe ein „leichtes Update“ erhielten.

Indische Doppelmutante: Wie lässt sie sich bekämpfen?

Denn in Indien ist die Doppelmutation zwar weit verbreitet, doch laut ntv ist die aktuell dramatische Lage vermutlich eher auf die Corona-Politik vor Ort zurückzuführen. Denn Indiens Regierung hatte im Oktober und November, als die Fälle zu sinken begannen, die Maßnahmen deutlich gelockert - es gab zahlreiche Großveranstaltungen, bei denen sich die Menschen ohne Schutzmasken drängten. Heißt für Deutschland im Umkehrschluss: Weiter durchhalten!

Wie der Evolutionsvirologe Stephen Goldstein von der Universität Utah erklärt, müsse man Großbritannien und seine Eindämmung der britischen Variante als Vorbild nehmen. Die Impfkampagne habe den Briten laut Goldstein sicherlich in die Hände gespielt, aber letztendlich hätte Großbritannien den Anstieg der Fälle nur durch den Lockdown* gebremst - und so das Ruder herumgerissen. *echo24.de und heidelberg24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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