Extremwetter in Deutschland

„Hitze-Schwerpunkt“ in mehreren Bundesländern – Warnung vor extremer Waldbrandgefahr

In Europa toben dutzende Waldbrände. Auch Deutschland trifft die Hitzewelle. Vielerorts wird es sehr heiß – ein Überblick.

+++ 10.00 Uhr: In der Westhälfte Deutschlands kann am heutigen Dienstag die 40-Grad-Marke geknackt werden. „Der Hitze-Schwerpunkt liegt im Bereich vom Saarland über Rheinland-Pfalz bis nach Nordrhein-Westfalen, dabei sind vor allem tiefe Lagen am Rhein und Ballungsräume wie das Ruhrgebiet prädestiniert“, erklärte die Meteorologin Sabine Krüger vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Am Mittwoch werden die Temperaturen im Westen zurückgehen, dafür wird es in der Osthälfte heißer. Auch dort können laut DWD dann örtlich 40 Grad erreicht werden, am wahrscheinlichsten ist dies im Gebiet von der Lüneburger Heide bis nach Sachsen-Anhalt. 

Der bisher heißeste Tag dieses Jahres war der 19. Juni, damals wurden laut DWD in Cottbus und Dresden 39,2 Grad gemessen. Der Hitzerekord in Deutschland liegt bei 41,2 Grad – gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg.

+++ 09.00 Uhr: Wegen der ausgetrockneten Böden besteht am Dienstag in Teilen Deutschlands höchste Waldbrandgefahr. Der fünfstufige Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes weist in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen teilweise die höchste Stufe aus. Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) appellierte an alle Waldbesuchende, besonders vorsichtig zu sein. „Die aktuelle Hitzewelle und die herrschende Trockenheit sorgen dafür, dass die Waldböden vielerorts mit vertrockneten, leicht entzündlichen Blättern, Zweigen und Nadeln bedeckt sind. Schon eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe reicht aus, um einen folgenschweren Waldbrand auszulösen“, sagte sie.

Ein Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienst (DWD) zeigt auf eine Waldbrandgefahrenindexkarte auf einem Computermonitor. (Archivfoto)

Update vom Dienstag, 19. Juli, 08.00 Uhr: Die Hitze könnte am Dienstag für den bis dahin wärmsten Tag des Jahres in Deutschland sorgen - und sogar einen weiteren Rekord zum Wackeln bringen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind Temperaturen von verbreitet 34 bis 38 Grad, im Südwesten und Westen bis zu 40 Grad möglich. Gesundheitsbehörden mahnen zur Vorsicht und raten: viel trinken und direkte Sonne vermeiden.

Der bisher heißeste Tag in diesem Jahr war am 19. Juni: Laut Wetterdienst waren da mit 39,2 Grad die wärmsten Orte Cottbus und Dresden. DWD-Sprecher Andreas Friedrich sagte am Montag: „Wir können davon ausgehen, dass dieser Rekord am Dienstag geknackt wird.“ Laut DWD liegt der Hitzerekord in Deutschland bei 41,2 Grad - gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg. „Es ist möglich, dass wir am Dienstag entlang des Rheins in ähnliche Bereiche kommen“, sagte Friedrich.

Hitzewelle in Deutschland: Eine Folge des Klimawandels

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte der Sprecher: „Aber eigentlich ist es unerheblich, ob es am Dienstag dann 38 oder 40 Grad werden – es wird eine Hitzewelle geben, das kann man mit Sicherheit sagen.“ Die Hitze sei eine Folge des Klimawandels. „Seit dem berühmten „Jahrhundertsommer“ 2003 erleben wir die 40 Grad zwar nicht jedes Jahr, aber immer öfter“, erklärte er. Am Mittwoch verlagert sich die Hitze den Meteorologen zufolge in den Osten und Nordosten.

Bis zu 40 Grad werden in Deutschland erwartet. (Symbolfoto)

Grund für das hochsommerliche Wetter ist ein Hoch über Mitteleuropa, das langsam weiter ostwärts wandert und von Südwesten zunehmend heiße Luft subtropischen Ursprungs bringt. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer „starken Wärmebelastung“. Vor allem schwächere Menschen dürften diese zu spüren bekommen. Angesichts der hitzebedingten Gefahr für Pflegebedürftige hat der Sozialverband VdK einen Hitzeschutzplan mit umfassenden Vorgaben für Pflegeheime gefordert. „Wir brauchen dringend ein Krisenkonzept für Hitzeereignisse, die gerade Menschen in Pflegeheimen und Krankenhäusern besonders belasten“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Gletscher schmelzen – Wie der Klimawandel die Erde verändert

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben. © dpa/NASA/AP
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer. © Felipe Dana/dpa
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen. © Urs Flueeler/dpa
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen. © Oscar Vilca/INAIGEM/afp
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden.
Auch der Rhonegletscher, der älteste Gletscher der Alpen, wird durch spezielle Decken vor dem Schmelzen geschützt. So soll verhindert werden, dass die Gletscher in den Alpen verschwinden. © Urs Flueeler/dpa
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination.
Ein Eisberg schwimmt im Juni 2019 durch die Bonavista Bay in Neufundland. Wasser von Eisbergen gilt als „rein“ und wird für bestimmte Produkte vermarktet – unter anderem für Wodka, Likör, Bier und Kosmetik. Gleichzeitig schmilzt das Eis dieser Erde immer schneller – eine schlechte Kombination. © Johannes Eisele/afp
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser.
Ein Eisberg an der südöstlichen Küste Grönlands kalbt: Eine große Eismasse bricht vom Apusiajik-Gletscher ab und stürzt ins Wasser. © Jonathan Nackstrand/afp
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt.
Der Aletsch-Gletscher ist der größte Gletscher in den Alpen. Wenn nichts getan wird, um den Klimawandel aufzuhalten, könnte er bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden, hat eine Studie im Jahr 2019 gezeigt. © Fabrice Coffrini/afp
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien.
Das Foto stammt aus dem Jahr 2007, doch an der Situation hat sich seitdem nicht viel geändert: Die massiven Gletscher Tibets leiden unter dem Klimawandel und schmelzen. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Eis in dieser Region zehnmal schneller geschmolzen als in den Jahrhunderten davor, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2019. Seit der letzten kleinen Eiszeit seien zwischen 400 und 600 Kubikkilometer Eis verschwunden – das entspricht dem gesamten Eisvolumen der europäischen Alpen, des Kaukasus und von Skandinavien. © Peter Parks/afp
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten.
Der Gletscher Nr. 12 im Laohugou-Tal im westlichen Teil des Qilian-Gebirges in der nordwestchinesischen Provinz Gansu ist der längste Gletscher im Qilian-Gebirge. Da er aufgrund des Klimawandels schrumpft, sind Ausflüge zu dem Gletscher verboten. © imago/Xinhua
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.
Im Sommer 2010 ist vom Petermann-Gletscher vor der Nordwestküste Grönlands ein gewaltiger Eisbrocken abgebrochen. Das Bruchstück hat etwa zweieinhalb Mal die Fläche der Insel Sylt, mit dem Wasser, aus dem der Eisbrocken besteht, könnte der gesamte Wasserverbrauch der USA für vier Monate gestillt werden.  © NASA Earth Observatory/Jesse Allen und Robert Simmon/United States Geological Survey/dpa
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen.
Während seiner Zeit als Bundesaußenminister besucht Heiko Maas (l., SPD) Gletscher bei Pond Inlet in der kanadischen Arktis. Die Erderwärmung ist in dieser Region zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. © Kay Nietfeld/dpa

Die Behörden und Feuerwehr in Hamburg warnten vor Hitzebelastungen. „Trinken Sie ausreichend, vermeiden Sie direkte Sonne und körperlich anstrengende Aktivitäten, halten Sie ihre Wohnung kühl“, empfahl die Gesundheitsbehörde. „Besonders Kinder, ältere Personen und Menschen mit Unterstützungsbedarf können unter zu viel Sonneneinstrahlung und Hitze leiden, da sie das Risiko nicht genau einschätzen können.“

Hitze in Deutschland: „Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenstich“ als Gefahren

„Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenstich bei zu viel direkter Sonneneinstrahlung sind die größten Gefahren“, sagte Jan-Arne Lauffs, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Universitären Notfallzentrum, in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern.
Unter der Gluthitze leiden auch Menschen in anderen Teilen Europas. In Großbritannien teilte der Wetterdienst Met Office mit, dass die Temperaturen in Teilen Englands auf bis zu 41 Grad steigen könnten. Die extreme Hitze sorgte am Montag am Londoner Flughafen Luton für erhebliche Störungen. Durch die hohen Temperaturen sei die Oberfläche des Rollfeldes beschädigt worden, teilte der Flughafen mit. Berichten zufolge mussten mehrere Flüge gestrichen oder umgeleitet werden.
Verkehrseinschränkungen löst das Wetter auch in Frankreich aus. Wegen einer durch Sonne und Hitze verursachten Luftverschmutzung verhängte die Region Grand Est im Osten des Landes Einschränkungen für Autofahrer. Zu den Maßnahmen, die ab Dienstagmorgen 6.00 Uhr greifen sollten, zählt eine Temporeduzierung um 20 Stundenkilometer auf Autobahnen und Straßen mit zwei Richtungsfahrbahnen.

In den Niederlanden erwartet der Wetterdienst am Dienstag Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad. Es gilt „Code Oranje“: Das heißt, Menschen sollen körperliche Anstrengungen vermeiden, viel trinken und möglichst nicht in die Sonne gehen. Eigentlich sollte Europas größtes Wanderereignis - die „Vierdaagse“ von Nimwegen - am Dienstag starten. Doch der erste Tag des vier Tage dauernden Wander-Marathons von täglich mehr als 50 Kilometern wurde mit Blick auf die hohen Temperaturen gestrichen.
In Italien sind von heißen Temperaturen und schwüler Luft unter anderem Bozen, Brescia, Florenz und Perugia betroffen. Zudem sind die Feuerwehren weiter in Alarmbereitschaft und kämpfen landesweit gegen Wald- und Buschbrände. Der Zivilschutz auf Sizilien sprach für Dienstag in einigen Gegenden die höchste Gefahrenstufe für Waldbrände aus.

Weiterhin brannte es auch in Teilen Spaniens, Portugals und Frankreichs. Die seit etwa zehn Tagen wütenden Brände zerstörten in Spanien bisher nach amtlichen Schätzungen insgesamt 25.000 Hektar Wald sowie Dutzende Häuser, Läden und Fabriken. Hier gab es aber eine gute Nachricht: Die Hitzewelle, die Spanien schon seit dem 9. Juli im Griff hat, werde am Dienstag zu Ende gehen, versicherte der dortige Wetterdienst Aemet. Auch im Westteil Frankreichs dürfte es gebietsweise abkühlen.

+++ 16.00 Uhr: Der DWD erwartet für Dienstag den „vorläufigen Höhepunkt“ der Hitzewelle in Deutschland. Temperaturen bis zu 40 Grad sind einer Einschätzung der Wetterexperten zufolge möglich. Der Deutsche Wetterdienst spricht in diesem Kontext von „starker Wärmebelastung“. Von Südwesten strömt bereits am Montag „trockene Luft tropischen Ursprungs“ nach Deutschland.

Am Mittwoch (20. Juli) wird eine Trendwende des Wetters erwartet. Laut DWD erreicht Deutschland eine „Kaltfront“, die für Abkühlung sorgt. Allerdings steigt damit auch die Gewittergefahr. Mancherorts kann es auch zu Unwettern kommen.

Hitzewelle trifft Deutschland: Waldbrand in Nationalpark

+++ 14.00 Uhr: Im Nationalpark in der Sächsischen Schweiz ist am Montag ein Waldbrand ausgebrochen. Es brenne in unwegsamen Gelände nahe der berühmten Basteibrücke, erklärte ein Sprecher der Rettungsleitstelle Dresden. Zahlreiche Feuerwehrkräfte aus der Region seien derzeit im Einsatz, hieß es. Es brenne bereits seit den Morgenstunden im Nationalpark.

Update vom Montag, 18. Juli, 12.00 Uhr: Der Süden Europas leidet derzeit unter der enormen Hitze. Die sehr hohen Temperaturen kommen wohl auch auf Deutschland zu. Am Dienstag (19. Juli) soll es vielerorts mehr als 35 Grad Celsius geben, teilweise soll auch die 40-Grad-Grenze durchbrochen werden. Das prognostiziert der Deutsche Wetterdienst in einem Lagebericht.

Der Ärzteverband Marburger Bund forderte deshalb einen nationalen Hitzeplan. „Die Politik muss ihre Anstrengungen für Schutzmaßnahmen in Hitzephasen deutlich ausbauen“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Kommunen und Städte in Deutschland bräuchten Schutzpläne, insbesondere für alte und kranke Menschen, forderte sie. Die Gewerkschaft Ver.di verlangte derweil Erleichterungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. „Bei extremer Hitze fordern wir natürlich längere Pausen oder ein früheres Ende der Arbeit – hitzefrei – auch wenn darauf kein rechtlicher Anspruch besteht“, forderte Norbert Reuter, der Leiter der tarifpolitischen Grundsatzabteilung bei Ver.di, im Gespräch mit dem RND.

Erstmeldung vom Sonntag, 17. Juli, 13.00 Uhr: Frankfurt – Millionen von Touristinnen und Touristen wollen in diesem Sommer nach zwei Corona-Jahren wieder weitgehend sorgenfrei Urlaub machen. Das scheint derzeit allerdings nur bedingt möglich zu sein.

Aufgrund der extremen Trockenheit und heftiger Winde wüten Waldbrände in weiten Teilen Europas. Fast ununterbrochen sind Feuerwehren im Einsatz, um die Flammen in unter anderem beliebten Urlaubsregionen unter Kontrolle zu bringen.

Waldbrände wüten in Europa: Mindestens 360 Todesopfer in Spanien

Seit Monaten plagt Spanien anhaltende Dürre und eine enorme Hitze mit Temperaturen bis 45 Grad. Dem meteorologischen Institut Aemet zufolge, soll diese noch mindestens bis Montag (18. Juli) anhalten. Dann soll es wieder etwas Abkühlung auf Werte um die 35 Grad geben. Allerdings sind der aktuellen Hitzewelle mindestens 360 Menschen in Spanien zum Opfer gefallen. Das berichtete die spanische Zeitung La Vanguardia am Samstag (17. Juli) und berief sich damit auf Informationen des staatlichen Gesundheitsinstitut Carlos III. Betroffen seien vor allem Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen.

Auch die Landwirtschaft leidet unter der anhaltenden Hitze. Zahlreiche Menschen mussten aufgrund der Flammen ihre Häuser verlassen. „Mir sind 130 Bienenstöcke verbrannt“, erzählte ein Bauer in der westspanischen Region Caceres dem staatlichen spanischen TV-Sender RTVE. Viele Tiere sterben den Feuertod, andere verdursten aufgrund der Dürre. „Es wird Jahre dauern, bis sich die Landschaft hier erholt“, meinte ein Beobachter mit Blick auf die Flammen, die im Nationalpark Monfragüe wüten.

Waldbrände in Europa: Notstand in Portugal

Ähnliches spielt sich im Nachbarland Portugal ab. Bereits seit einer Woche wüten Brände auf der Iberischen Halbinsel, weshalb bis einschließlich Sonntag der Notstand gilt. Demnach dürften keine Lagerfeuer im Wald angezündet werden. Zudem ist der Aufenthalt generell in Wäldern stark beschränkt. Zwischen dem 7. und 13. Juli sind aufgrund der Hitze 238 Menschen ums Leben gekommen, meldete die Nachrichtenagentur Lusa.

Feuer in Italien: Badegäste retten sich ins Meer

Die Feuer toben auch im beliebten Urlaubsland Italien. „Ein Viertel der Waldbrände wurden vermutlich durch Zigarettenstummel verursacht. Jedes Risikoverhalten, das einen Waldbrand verursachen könnte, muss unbedingt vermieden werden“, sagte der Forstwirtschaftslandesrat Südtirols, Arnold Schuler. Am beliebten Badeort Bibione retteten sich am Freitag (15. Juli) Besucherinnen und Besucher vor den Flammen ins Meer. Während auf Sizilien für Sonntag die höchste Gefahrenstufe ausgerufen wurde, warnten Behörden auch auf Sardinien vor Waldbränden.

Aufgrund des trockenen Winters und Frühjahrs ist vor allem der italienische Norden von Trockenheit betroffen, Gewässer haben weniger Wasser als üblich. So warnen Behörden angesichts des niedrigen Wasserstandes in den Gardasee zu springen. In Mailand und Venedig wurden Brunnen abgedreht. Die Regierung in Rom verhängte den Dürre-Notstand in fünf Regionen:

  • Lombardei
  • Piemont
  • Venetien
  • Friaul-Julisch Venetien
  • Emilia-Romagna

Waldbrandgefahr in Europa: Täglich dutzende Feuer in Griechenland

Griechenland blieb bisher von der starken Hitze in Westeuropa verschont, heiß und trocken ist es dennoch. Täglich brechen dutzende Waldbrände aus. Auch wenn diese meist schnell eingedämmt werden können, breiten sich die Flammen bei starkem Wind fast ungehindert aus. Am Mittwoch (13. Juli) starben in Griechenland zwei Besatzungsmitglieder beim Absturz eines Löschhubschraubers.

In einigen Regionen um Athen sowie die Inseln Kreta und Euböa, Lesbos und Samos sowie für den Nordosten der Halbinsel Peloponnes gilt deshalb die zweithöchste Warnstufe. So müssen Touristinnen und Touristen, aber auch Einheimische damit rechnen, dass Ortschaften aufgrund eines herannahenden Feuers vorsorglich evakuiert werden könnten.

Brände in Europa: Bahnverkehr in Frankreich beeinträchtigt

Auch im Süden Frankreichs herrscht hohe Waldbrandgefahr. Verheerende Waldbrände wüten seit Tagen südlich von Bordeaux, hieß es seitens der zuständigen Präfektur des Departements Gironde. Die Hitze soll zunächst weiter bestehen, Regen scheint es vorerst nicht zu geben. Hitzewarnungen gibt es nun auch in der nordwestlichen Bretagne.

Wegen Waldbrandwarnungen in den südlichen Gegenden Frankreichs, etwa an der Atlantikküste südlich von Bordeaux, dürfen Wald- und Landwege nicht betreten oder befahren werden. Bei der Hitze heizen sich die Bahnschienen auf, weshalb die Züge der französischen SNCF bei hohen Temperaturen teils langsamer fahren und es zu Verspätungen kommen kann.

Während es in Deutschland vergleichsweise kühl war, soll es in den kommenden Tagen Höchstwerte von bis zu 40 Grad geben. Einer Prognose des Deutschen Wetterdiensts (DWD) zufolge soll am Dienstag (19. Juli) der Höhepunkt der Hitze, vor allem im Südwesten und Westen, erreicht werden. (kas/tu mit AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona-Gefahr gebannt? Lauterbach und Wieler geben Auskunft - neue positive Infos zur Impfwirksamkeit
Corona-Gefahr gebannt? Lauterbach und Wieler geben Auskunft - neue positive Infos zur Impfwirksamkeit
Corona-Gefahr gebannt? Lauterbach und Wieler geben Auskunft - neue positive Infos zur Impfwirksamkeit
Coolio ist tot: LeBron, Ice Cube & Co. trauern um Rapper
Coolio ist tot: LeBron, Ice Cube & Co. trauern um Rapper
Coolio ist tot: LeBron, Ice Cube & Co. trauern um Rapper
Nord-Stream-Pipelines: Bomben mit großer Sprengkraft - Forschende melden mögliche dritte Explosion
Nord-Stream-Pipelines: Bomben mit großer Sprengkraft - Forschende melden mögliche dritte Explosion
Nord-Stream-Pipelines: Bomben mit großer Sprengkraft - Forschende melden mögliche dritte Explosion
Schlacht um das „Nordtor des Donbass“ – Was auf dem Spiel steht
Schlacht um das „Nordtor des Donbass“ – Was auf dem Spiel steht
Schlacht um das „Nordtor des Donbass“ – Was auf dem Spiel steht

Kommentare