Eine Tote bei Angriff in Hörsaal

Amoklauf in Heidelberg: Polizei mit Andeutung zum Motiv

An der Uni Heidelberg gab es einen Amoklauf. Eine Studentin kam dabei ums Leben. Zwei Mitarbeiter des Instituts entkamen dem Schützen knapp. Der Ticker zum Geschehen.

  • An der Universität Heidelberg gab es am Montag (24.1) einen Amoklauf. Der Täter soll ein 18-jähriger Student gewesen sein.
  • Die Waffen kaufte der Täter offenbar in Österreich (siehe Update vom 26. Januar, 17.14 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.
  • Eine Zusammenfassung darüber, was bisher über den Amoklauf an der Uni-Heidelberg bekannt ist, lesen Sie hier.*

Update vom 27. Januar, 15.10 Uhr: Ist womöglich eine „im Raum stehende“ psychische Erkrankung des jungen Mannes Ursache für die Tat an der Universität Heidelberg gewesen? Diese Möglichkeit deutete die Polizei nun an. Das genaue Motiv nach dem Amoklauf ist aktuell immer noch Gegenstand der Ermittlungen.

Unterdessen ermitteln die österreichischen Behörden zu Details des Waffenkaufs des Studenten bei einem Waffenhändler und einer Privatperson. Der junge Mann, der wie das Todesopfer im ersten Semester Biologie studierte, hatte laut Polizei etwa eine Woche vor der Tat in Österreich drei Langwaffen erworben. Beamte stellten am Tatort zwei der Waffen und rund 150 Schuss Munition sicher. Die dritte Waffe habe die österreichische Polizei in einem Zimmer gefunden, das der junge Mann bei einem Aufenthalt angemietet habe.

Die Ermittler prüfen den Angaben zufolge außerdem Hinweise zu Verbindungen des Mannes zur rechtsextremen Partei Der Dritte Weg. Die Darstellung, er sei 2019 ausgetreten, dementierte die Organisation auf ihrer Website. Er habe im September 2019 einen nicht unterschriebenen Fördermitgliedsantrag an das Postfach der Partei geschickt. Da sich der Antragssteller jedoch unter den angegebenen Kontaktdaten nicht gemeldet habe, sei sein Fall einen Monat später zu den Akten gelegt worden. Die Ermittlungsgruppe „Botanik“ hat nach eigenen Angaben keine Anzeichen auf Kontakte des Schützen ins rechte Spektrum.

In den sozialen Medien kursieren viele falsche Behauptungen um den Täter. „Wir haben uns in sieben Fällen wegen Fake News um den Täter an Twitter gewandt, um die Löschung von Meldungen zu veranlassen“, sagte Polizeisprecher Patrick Knapp. Gründe waren nicht belegte Aussagen zu Identität, Herkunft, politischer Orientierung oder Impfstatus des Attentäters.

Amoklauf in Heidelberg: Täter fuhr offenbar mit Taxi zur Universität

Update vom 27. Januar, 10.10 Uhr: Nach dem Amoklauf in Heidelberg herrscht noch immer Entsetzen, eine Frau hatte der 18-Jährige bei der grausamen Tat an der Uni Heidelberg getötet. Nach und nach kommen immer weitere Details über die Tat ans Licht, erst am Mittwoch wurden erste Informationen zur Waffen-Herkunft bekannt (siehe Update vom 26. Januar, 17.14 Uhr). Wie nun Bild berichtet, soll sich der 18-Jährige am Tattag mit einem Taxi zur Universität fahren lassen haben, die Langwaffen habe er in einer Sporttasche im Kofferraum des Taxis transportiert.

Eine Beziehung zu seinen Opfern habe der 18 Jahre alte Biologie-Student offenbar nicht gehabt. Wie Bild nun berichtet, soll es auf einen persönlichen Zusammenhang zu den Opfern, eine Frau wurde bei dem Amoklauf getötet - drei weitere Personen wurden in dem Hörsaal verletzt - keinerlei Hinweise geben.

Nachdem am Mittwoch bekanntgeworden war, dass der Amokläufer als Jugendlicher auf einer Liste einer rechtsextremen Partei aufgelistet war (siehe Update vom 26. Januar, 12.40 Uhr), gibt es jedoch keine weiteren Hinweise, dass der 18-Jährige radikalisiert gewesen oder Kontakte ins rechte Spektrum gehabt haben könnte. Das will das Blatt unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft erfahren haben.

Amoklauf in Heidelberg: Waffen-Herkunft offenbar geklärt

Update vom 26. Januar, 17.14 Uhr: Der Amokläufer von Heidelberg hat seine Tatwaffen in Österreich gekauft. Vor etwa einer Woche habe der 18-Jährige dort insgesamt drei Langwaffen gekauft, von denen zwei am Tatort an der Heidelberger Universität am Montag nach dem Amoklauf gefunden wurden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die dritte Waffe sei in dem Zimmer gefunden worden, das der Mann bei seinem Aufenthalt in Österreich angemietet hatte.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll er die beiden bei der Tat in Heidelberg verwendeten Waffen bei einem Waffenhändler und die dritte bei einer Privatperson jeweils in Österreich erworben haben. Ob die Verkäufer strafrechtlich belangt werden können, sei noch offen - auf Grund der unterschiedlichen Rechtslage in Deutschland und Österreich gestalte sich dies aber schwierig.

Der 18-Jährige hatte den neuen Ermittlungsergebnissen zufolge sogar 150 Schuss Munition für seine Tat mitgebracht, bislang hatte die Polizei von etwa hundert Schuss gesprochen. Tatsächlich feuerte er drei Schüsse ab.

Update vom 26. Januar, 12.40 Uhr: Was hat den 18-jährigen zu seiner Tat an der Uni Heidelberg motiviert? Das genaue Tatmotiv scheint noch immer unklar zu sein, doch nach und nach kommen immer weitere Informationen zu dem Hintergrund des Amokläufers ans Licht (siehe Update vom 26. Januar, 9.40 Uhr). Wie nun die Zeit Online aus Sicherheitskreisen erfahren haben will, soll der 18-Jährige als Jugendlicher auch eine Verbindung zur Neonazipartei Der Dritte Weg gehabt haben. Ermittler hätten seinen Namen auf einer älteren internen Parteiliste gefunden. Wie Zeit Online weiter berichtet, wollte ein Sprecher der Partei diese Information aus Datenschutz-Gründen nicht kommentieren.

Update vom 26. Januar, 9.40 Uhr: Das genaue Motiv des Amokläufers von Heidelberg ist auch zwei Tage nach dem Angriff in der Universität unklar, doch mittlerweile gibt es immer mehr Informationen über den 18-Jährigen. So habe der Amokläufer Biologie studiert und sei gebürtig aus Berlin gekommen. Erst seit wenigen Monaten habe er in Mannheim gewohnt. Kurz vor seiner Tat habe der Täter eine eindeutige Nachricht an seinen Vater verfasst, dieser soll die Polizei informiert haben (siehe Update vom 25. Januar, 19.15 Uhr). Wie nun Bild berichtet, soll der Amokläufer als 17-Jähriger mit einer Jugendstrafe wegen Körperverletzung verurteilt worden sein.

Amoklauf in Heidelberg: Studierende und Dozenten im „Schockmodus“

Update vom 26. Januar, 6.52 Uhr: Nach dem Amoklauf an der Uni Heidelberg bleibt der Hörsaal zunächst bis zur zentralen Trauerfeier am Montag geschlossen. Die betroffene Fakultät setzt ihre Präsenzveranstaltungen für Studierende im ersten Semester vorerst aus.

„Ich würde mir als Dozent auch sehr komisch dabei vorkommen, wenn ich jetzt in einen geschlossenen Hörsaal gehen müsste“, sagte der Dekan der Fakultät für Biowissenschaften, Jochen Wittbrodt, der Nachrichtenagentur dpa. In höheren Semestern seien bei Lehrveranstaltungen Schweigeminuten und Zeiten zum Austausch geplant. 

Studierende und Dozenten seien nach den Ereignissen „im Schockmodus“. Dennoch habe am Dienstag ein digitales Treffen der Fakultät mit mehr als 170 Teilnehmern stattgefunden, auch Uni-Rektor Bernhard Eitel sei dabei gewesen. „Wir haben vor allem versucht, die Studierenden zu informieren und ihnen Angebote zu machen“, betonte Wittbrodt. Bei der psychologischen Betreuung solle „niemand durchs Raster fallen“. Bei den anstehenden Prüfungen sei nun Augenmaß gefragt, sagte Wittbrodt. Eine Prüfung am Mittwoch (26. Januar) sei ausgesetzt worden, für weitere werde es Ersatztermine geben.

Amoklauf in Heidelberg: Augenzeugen berichten von dramatischer Begegnung mit dem Täter

Erstmeldung vom 25. Januar, 19.15 Uhr: Am Montagmittag (24.1) hat ein Mann bei einem Amoklauf auf dem Gelände der Universität Heidelberg drei Menschen verletzt und eine junge Frau getötet. Der 18-jährige Biologie-Student war mit einer Doppelflinte und einer Repetierwaffe in den Hörsaal gekommen. Er hätte selbst in dem Vorlesungssaal sitzen sollen, in dem sich laut Jan Lohmann, Direktor des Forschungszentrums, 30 Erstsemestler befanden. Der Täter habe mehrmals geschossen, sei dann geflohen und habe sich auf dem Außengelände der Universität das Leben genommen, hieß es in den Berichten der Polizei*. Eine 23-jährige Studentin starb an den Folgen eines Kopfschusses, die drei Verletzten wurden mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

Amoklauf in Heidelberg: 18-jähriger Schütze hatte die Tat zuvor in WhatsApp-Nachricht angekündigt

Bisherigen Erkenntnissen zufolge hatte die Tat keine politischen oder religiösen Motive. Eine gezielte Attacke schloss die Polizei nicht aus. Der mutmaßliche Amokläufer von Heidelberg hatte nach Angaben der Polizei noch mehr als 100 Schuss Munition dabei. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht, sagte der Mannheimer Polizeipräsident Siegfried Kollmar am Montagabend. Vor dem Amoklauf hatte der Student noch eine WhatsApp-Nachricht versendet. Um 12.32 Uhr am Montag, kurz nachdem die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen waren, habe der Vater des Schützen bei der Polizei in Heidelberg angerufen und von einer WhatsApp-Nachricht seines Sohns berichtet, in der er die Tat angekündigt habe. Darin stand den Angaben zufolge, „dass Leute jetzt bestraft werden müssen.“

Am 24.1 gab es an der Uni Heidelberg einen Amoklauf. Die Polizei war kurz nach der Tat vor Ort.

Der gebürtige Berliner, der alleine in Mannheim lebte, soll ersten Erkenntnissen nach nicht vorbestraft gewesen sein. Wie er an die Waffen kommen konnte, wird aktuell noch untersucht. Der Täter hatte sie wohl erst kürzlich im Ausland käuflich erworben. Eine Ermittlungsgruppe der Polizei namens „Botanik“ mit 32 Personen versucht die Hintergründe der Tat aufzuklären.

Amoklauf in Heidelberg: Zwei Mitarbeiter des Forschungszentrums entkamen dem Schützen

Zwei Mitarbeiter des Heidelberger Forschungszentrums für biologische Grundlagenforschung (COS) sind womöglich nur knapp dem Amokschützen entkommen. Der Direktor des „Centre for Organismal Studies“, Jan Lohmann, schilderte am Dienstag, was seinen Kollegen am Vortag passiert war: Sie kamen die Treppe zum Foyer des Gebäudes hinunter, als sie einen Schuss hörten, den sie zunächst Bauarbeiten im Haus zuordneten. Als sie ihren Irrtum bemerkten, waren sie nur fünf bis sechs Meter von dem jungen Mann entfernt, der gerade aus dem Hörsaal kam.

Der 18-Jährige richtete die Waffe auf die beiden Männer. Sie konnten unverletzt entkommen. Nachdem die COS-Mitarbeiter nur noch entfernt Schüsse hörten, hätten sie sich aus ihren Büros getraut, um im Hörsaal Erste Hilfe zu leisten, erzählte Lohmann. Zuvor hatten sie sich per Messaging-Dienst Slack gegenseitig gewarnt.

Der Schutz vor Amokläufen sei schwierig, sagte Lohmann. Einlasskontrollen zu Beginn einer Vorlesung oder eines Seminars könnten nicht verhindern, dass ein solcher Täter - wie in Heidelberg geschehen - mitten in eine Veranstaltung hineinplatze. Als eingeschriebenem Studenten hätten dem 18-Jährigen die üblichen Zugänge offen gestanden. Wenn der Täter schon im Raum sei, könnten auch Notfallpläne nicht mehr greifen. Hier können Sie den Tathergang noch einmal im Ticker vom Montag im Detail nachlesen.

Einen Tag nach dem Amoklauf an der Uni Heidelberg legen Studenten Kerzen und Blumen nieder.

Nach dem Amoklauf: Polizei rät Betroffenen zu Hilfe - „Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen“

Die Deutsche Polizeigewerkschaft empfiehlt nach dem Amoklauf an der Uni in Baden-Württemberg* den von der Tat unmittelbar Betroffenen, sich psychologisch betreuen zu lassen. „Die Studenten im Hörsaal haben Todesangst ausgestanden, sie wussten ja nicht, wie lange der Täter noch schießt“, sagte Landeschef Ralf Kusterer der dpa. Er fügte hinzu: „Das werden sie ihr Leben lang nicht vergessen.“

Hinweis der Redaktion:
Generell berichten wir nicht über Suizide oder den Verdacht auf Suizid-Absichten, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de. (chd/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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