Femizid wurde gefilmt

Studentin getötet: Mann soll auf Wunsch von Gericht nun live im TV gehängt werden

Eine Schlinge an einem Galgen
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Tod durch Erhängen: Der ägyptische Student soll live im TV hingerichtet werden. (Szene aus Kabul)

Weil sie seine Liebe nicht erwiderte, brachte ein Student seine Kommilitonin um. Dafür wurde er zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung sollen Millionen im TV verfolgen können.

München - Ein junger Mann soll öffentlich hingerichtet werden - live im ägyptischen Fernsehen. Weil er seine Kommilitonin getötet hat. Das zuständige Gericht erhofft sich dadurch eine Abschreckung vor weiteren Ermordungen von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts, so genannten Femiziden. Das berichtet The New Arab.

Denn der zum Tode Verurteilte soll die Studentin vor der Universität erstochen haben, weil sie seine Annäherungsversuche zurückgewiesen hatte. Die Bluttat war von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden, das Video hatte sich im Juni im Internet verbreitet.

Student tötet Kommilitonin in Ägypten: Opfer soll Heiratsanträge ihres Kommilitonen zurückgewiesen haben

Der Student hatte laut Egypt Independent vor Gericht zwar erklärt, das Messer lediglich zur Verteidigung mitgebracht zu haben, da sein Opfer zuvor gedroht habe, ihm Schläger auf den Hals zu hetzen. Angegriffen habe er die Kommilitonin zudem nur, weil sie ihn öffentlich beleidigt habe.

Dem hielt die Staatsanwaltschaft jedoch 25 Zeugen entgegen, darunter Studenten, Sicherheitspersonal der Uni und Angestellte in Geschäften nahe des Tatorts. Familie und Freunde des Opfers erklärten zudem, er hätte die junge Frau belästigt und bedroht, nachdem sie Heiratsanträge zurückgewiesen habe. So habe sie ihn sogar bei der Polizei angezeigt.

Todesstrafe in Ägypten: Gericht will Vollstreckung zur Abschreckung live übertragen lassen

Nach nur zwei Verhandlungstagen hatte das Gericht angesichts der klaren Beweislage und des Tatgeständnisses des Angeklagten auf vorsätzlichen Mord entschieden. Anschließend wandten sich die Juristen mit der Bitte um die Live-Übertragung der Vollstreckung an das Parlament, denn „auch nur der Beginn des Vorgangs könnte für mehr Abschreckung sorgen, als die Übertragung des Urteilsspruchs“.

Laut „Amnesty International“ wurden 2021 nur in China und dem Iran mehr Menschen hingerichtet als in Ägypten. 356 mal sei in dieser Zeit die Todesstrafe verhängt, in der gleichen Zeit seien 83 solcher Urteile vollstreckt worden.

Doch zumeist geschieht Letzteres unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Eine Ausnahme bildete The New Arab zufolge der Fall von drei Männern im Jahr 1998, die eine Frau und deren zwei Kinder, in deren Haus in Kairo ermordet hatten und dafür live im Staatsfernsehen hingerichtet wurden.

Video: Laut „Amnesty International“ steigt die Zahl der Hinrichtungen um 20 Prozent

Femizide in Ägypten: Auch bekannte Nachrichtenmoderatorin wurde jüngst Opfer - ihres Mannes?

Im neuesten Fall soll das Urteil durch Erhängen vollstreckt werden. Das Blatt verweist auch auf weitere jüngere Fälle, die das Land aufschreckten. So wurde im Juni eine bekannte Nachrichtenmoderatorin getötet. Als Verdächtiger gilt ihr Ehemann, ein hochrangiger Justizbeamter. Ein Komplize, der seine Beteiligung gestand, hatte den entscheidenden Hinweis gegeben.

Mit fünf Jahren Haft kam ein Jugendlicher davon, der nach dem Selbstmord einer Schülerin verurteilt wurde. Zuvor waren Bilder von ihr im Internet verbreitet worden.

Im Bericht wird auch an eine Umfrage der UN aus dem Jahr 2015 erinnert. Demnach wurden fast acht Millionen ägyptische Frauen Opfer von Gewalt, die ihnen Partner, Verwandte oder Fremde an öffentlichen Plätzen zufügten. (mg)

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