Der Bulle schnuppert gern an den anderen Huftieren

Tierischer Stalker: Elch scheucht Bullen von Kühen weg

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Verhindert, dass sich Bullen den Kühen nähern: Der Bert genannte Elch auf der Rinderweide bei Coswig in Sachsen-Anhalt.

Eine Kuhherde wird seit Wochen von einem Elch verfolgt. Jetzt scheuchte er sogar die Bullen von Kühen weg.

Update vom 22. November: Der Elch, der seit Wochen eine Kuhherde in Sachsen-Anhalt begleitet, lässt sich auch durch Rinderbullen nicht von seinem ausgeprägten Interesse für Kühe abbringen. Seit dieser Woche befinden sich zwei 13 und 14 Monate alte Bullen in der Herde bei Coswig, die rund 160 Mutterkühe und 60 Kälber umfasst. Nicht nur, dass der Elch keine Scheu vor den Bullen zeigt: „Es stört ihn, wenn die Bullen die Kühe decken wollen“, sagt Hartmut Schröter, Chef des Landguts Hundeluft, zu dem die Kühe gehören. 

Sobald die Jungbullen tun wollten, wozu sie in die Herde gebracht wurden, treibe der Elch sie weg. „Und die Bullen sind so jung und zahm, dass sie verschwinden“, sagt Schröter. Für den Agraringenieur hört damit der Spaß mit dem Elch auf. „Wir müssen sehen, wie wir den da rauskriegen.“ Allerdings versuche der Elch nicht, die Kühe selbst zu decken, sagte eine Mitarbeiterin des Landguts. 

Elch "Bert" verfolgte Mutterkuhherde

Der etwa drei Jahre alte Elch, der vermutlich aus Polen stammt, wurde während seiner Wanderung von Naturschutzbehörden in Brandenburg registriert und „Bert“ genannt. Seitdem trägt das Wildtier ein gelbes Halsband. Bereits in Brandenburg war Bert aufgefallen, weil er sich zu Kühen gesellte. In Coswig nun sucht er seit Anfang Oktober tagsüber die Mutterkuhherde auf und folgte ihr auch auf eine sechs Kilometer entfernte Weide. Die beiden Bullen, die ursprünglich zur Herde gehörten, waren im Laufe des Sommers gestorben. Bis zur Ankunft der neuen Bullen war die Herde sechs Wochen ohne männliches Rind. Experten hatten eine Auseinandersetzung zwischen Elch und Bulle nicht ausgeschlossen. Der Knackpunkt sei, wie ein Rinderbulle auf Bert reagiere, sagt der Biologe Michael Striese aus Boxberg (Lausitz), der sich seit 20 Jahren mit Elchen befasst. „Wenn der Bulle friedfertig ist, passiert nichts.“ Ansonsten sei der Elch einem Rind überlegen: „Auch wenn Bert nur eine Stange hat, kann er mit seinem Geweih ganz schön pieken“, sagt Striese. Zudem könnten Elche mit den Vorderhufen zutreten, „das können Rinder nicht“. 

Warum Bert die Jungbullen von den Kühen wegscheucht, ist Striese rätselhaft. „Ich habe so etwas noch nie gehört“, sagt der Elch-Spezialist. Er sei sich aber sicher, dass dieser Elch immer wieder Kühe aufsuchen werde: „Letztendlich hat er einen Tick, der Gute.“ Für Landwirt Schröter geht Berts Tick inzwischen ins Geld. 2200 Euro hat er für jeden der beiden Jungbullen bezahlt. Der Elch solle die zwei jetzt ihrer Aufgabe nachkommen lassen, fordert Schröter. Er warte noch einige Tage, aber „dann brauchen wir eine Lösung“. Womöglich müsse man den Elch betäuben und wegbringen, sagt er, „und zwar ganz weit weg“.

Elch verfolgt Kuhherde auf sechs Kilometer entfernte Weide

Update vom 16. November 2018: Der junge Elchbulle, der in Sachsen-Anhalt seit Wochen eine Kuhherde begleitet, ist jetzt auch am neuen Standort der Kühe aufgetaucht – sechs Kilometer entfernt. „Er war heute Morgen wieder da“, sagte eine Mitarbeiterin des Landguts Hundeluft in Coswig (Sachsen-Anhalt) gegenüber der HNA. „Er hat die neue Weide gefunden.“

Die über 100 Tiere der Mutterkuhherde des Milchwirtschaftsbetriebs waren am Mittwoch mit Transportern weggebracht worden. Der Elch war den Transportern nicht gefolgt; die neue Weide hat er selbst ausfindig gemacht. Bereits Anfang des Jahres war er in Brandenburg aufgefallen, weil er die Nähe von Kühen suchte. Dort war er registriert und „Bert“ getauft worden. Seitdem trägt er ein gelbes Halsband und Ohrmarken. Vermutlich ist er aus Polen eingewandert. Wie zuvor verhalte sich der Elch ruhig, sagte die Mitarbeiterin des Landguts: „Er legt sich hin und ist zufrieden.“ Er sucht die Herde tagsüber auf. Nachts ist er im Wald.

Experten von Elch "Bert" überrascht

Warum Bert auf Kühe steht, können selbst Experten nicht recht erklären. „Dem fehlt ein bisschen der Anschluss“, vermutet der Biologe Michael Striese. „Das ist sein persönlicher Tick, sozusagen.“ Es gebe immer mal Tierfreundschaften. Ihm sei ein Damhirsch bekannt, der sich zu Pferden gesellt. Striese (48) befasst sich seit 20 Jahren mit Elchen. Der Biologe, der ein Planungsbüro in Boxberg/Lausitz betreibt, gehörte zu dem Team, das vor vier Jahren einen verirrten Elch aus einem Bürogebäude in Dresden befreite. Elche seien nicht ausschließlich Einzelgänger, sagt Striese. Ältere Bullen versammelten oft junge Bullen um sich: „Die hängen zusammen ab.“

Vor allem im Winter stünden häufig mehrere Elche zusammen. So könnten sie sich besser verteidigen und wärmen. Offenkundig fühle sich Bert in der Kuhherde wohl, „sonst würde er das nicht machen“. Striese ist aufgefallen, dass das Wildtier inmitten der Kühe ruhig bleibt, wenn Menschen zur Weide kommen. „Das ist ungewöhnlich.“ Da die Kühe vor den Menschen nicht wegliefen, signalisierten sie, dass keine Gefahr drohe, „da läuft er auch nicht weg“. Möglicherweise leistet Bert den Kühen noch eine ganze Weile Gesellschaft. Elche sind von August bis November auf Wanderschaft. Dann suchen sie ein Winterquartier und bleiben dort – bis März.

Dieser Elch verfolgt Kühe: Herde wurde auf andere Weide gebracht

Meldung vom 15. November 2018: Der Elch sei den mehr als 100 Kühen nicht gefolgt, habe ihnen aber nachgeschaut, berichtete eine Mitarbeiterin des Landguts Hundeluft bei Coswig (Sachsen-Anhalt) gegenüber den Kollegen von HNA.de*. Der Chef des Landguts, Landwirt Hartmut Schröter, hatte am Mittwochvormittag angekündigt, dass er den Elch mitnehme, falls er der Herde folgen würde. Ansonsten werde sich nun zeigen, ob der Elch die Kühe auch auf der sechs Kilometer vom alten Standort entfernten neuen Weide aufsucht.

Elch, der den Kühen folgt, stammt aus Polen

Seit über vier Wochen besucht der Elch die Kuhherde tagsüber. Elche gelten in Deutschland als ausgestorben. Der Bulle ist vermutlich aus Polen eingewandert und außerdem ein Wiederholungstäter: Mit seiner Vorliebe für Kühe ist er schon einmal aufgefallen, in Brandenburg. Dort habe ein Tierschutzverein den Elch registriert und „Bert“ genannt, berichtet die Mitarbeiterin. Weil er registriert ist, trägt Bert ein gelbes Halsband und eine Ohrmarke.

In Coswig verlasse der Elch nachts die Weide, komme aber tagsüber zur Herde zurück, sagte Landwirt Schröter. „Mit seinen hohen Beinen stakst er einfach über den Zaun.“

Das Landgut in einem Ortsteil von Coswig betreibt Milchwirtschaft und Ackerbau. Der Betrieb hält nach eigenen Angaben etwa 550 Milchkühe samt Kälbern sowie die über 100 Tiere starke Mutterkuhherde, die es Bert angetan hat. Bullen sind derzeit nicht in der Herde.

Im Sommer 2018 gab es übrigens eine kleine Elch-Attraktion: In einem bayerischen Wildpark wurden Elchzwillinge geboren, die sich zum Publikumsmagneten entwickelten. Das berichtet die HNA.de*.

Elch schnuppert an Kühen

Warum der Elch die Nähe von Kühen sucht, ist unklar. Er sei schon dicht an die Ställe gekommen, als sich dort hochtragende Färsen (junge, erstmals trächtige Kühe, d. Red.) befanden, sagt die Mitarbeiterin: „Na ja, er nervt ein bisschen.“ Abgesehen davon benimmt sich Bert aber bisher tadellos. Er schnuppere manchmal an den Kühen, ansonsten mache er nichts, außer bei ihnen rumzustehen. Davon allerdings lässt sich der Elch auch nicht abbringen. Man habe drei Mal versucht, ihn von der Weide zu verscheuchen, sagt die Mitarbeiterin. „Er ist hartnäckig.“

Für die Kühe anstrengender sind Schaulustige, die den Elch sehen wollen. Manche brächten Hunde mit, was die teils trächtigen Kühe in Unruhe versetze, sagt die Mitarbeiterin. Spaziergänger, die Bert sehen möchten, sollten besser Abstand von der Herde halten und die Kühe nicht anfassen.

Von Tatjana Coerschulte

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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