Studie zu Sars-CoV-2

Corona-Durchbruch! Forscher entdecken Ursprung des neuartigen Virus - und fordern internationale Folgen

In einer Studie hat ein internationales Forschungsteam den Ursprung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 ausgemacht. Tiere tragen es seit vielen Jahren in sich. 

  • Die Coronavirus-Pandemie* hat weltweit viele Opfer gefordert.
  • Ein internationales Forschungsteam von der Pennsylvania State University untersuchte den Ursprung des neuartigen Coronavirus* Sars-CoV-2.
  • Tiere tragen das Coronavirus seit vielen Jahren in sich.

München/Pennsylvania - Die Coronavirus-Pandemie hat weltweit viele Opfer gefordert. Mehr als 19 Millionen Menschen steckten sich mit der Krankheit Covid-19, die durch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 verursacht wird, an. Weltweit starben über 700.000 der Infizierten. Ein internationales Forschungsteam von der Pennsylvania State University hat nun in einer Studie ein Schwestervirus von Sars-CoV-2 entdeckt. Beide Viren scheinen denselben Ursprung zu haben.

Coronavirus: Fledertiere und Pangoline als Wirte verdächtigt

Bislang galt es als gesichert, dass das neuartige Coronavirus von einem Tier auf den Menschen übersprang. In Fachkreisen spricht man diesbezüglich von einer Zoonose. Zunächst wurden Fledertiere, also Fledermäuse, Flughunde und Ähnliches, als anfängliche Wirte vermutet.

Auch ein Schuppentier, das Pangolin, wurde als Wirt vermutet, denn das für die Bindung an menschlichen Zellen wichtige Stachelprotein von Sars-CoV-2 ähnelt dem Protein einiger bei Pangolinen vorkommenden Coronaviren. Eine Beteiligung beider Arten an der Zoonose scheint ebenfalls möglich. Das Virus könnte von Fledermäusen auf die Schuppentiere übergesprungen und hinterher von diesem Zwischenwirt zum Menschen gelangt sein.

Corona: Internationales Forschungsteam erforscht Ursprung von Sars-CoV-2

Seit dem Ausbruch wird weltweit viel zum Thema Coronavirus geforscht*. Ein internationales Forschungsteam um den Infektiologen Maciej Boni von der Pennsylvania State University analysierte nun die Gene des neuartigen Coronavirus, um seine Ursprünge rekonstruieren zu können. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Microbiology“.

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist ein RNS-Virus. Die Erbsubstanz besteht also aus dem Biomolekül Ribonukleinsäure. Die Wissenschaftler verglichen die RNA-Sequenzen mit denen anderer Fledermaus-Coronaviren. Sie untersuchten den Grad der Rekombination im Genom dieser Viren um zu erkennen, in welchem Ausmaß Teile ihres Erbguts ausgetauscht wurden.

Der Hauptautor der Studie Boni erklärt: „Coronaviren haben genetisches Material, das stark rekombinant ist, was bedeutet, dass verschiedene Regionen des Virus-Erbguts aus mehreren Quellen stammen.“ Das habe es schwierig gemacht, die Ursprünge von Sars-CoV-2 zu rekonstruieren. „Wir mussten all diese Regionen identifizieren und ihre Geschichten verfolgen“, sagt der Infektiologe.

Sars-CoV-2 entwickelte sich wahrscheinlich in Fledermäusen zum Menschenvirus

Die Forscher fanden heraus, dass Sars-CoV-2 und ein weiteres Fledermausvirus mit der Bezeichnung RaTG13 sehr eng miteinander verwandt sind. Dieses Virus wurde im Jahr 2013 in einer Hufeisennase, einem Fledertier, gefunden, das etwa 1600 Kilometer entfernt von Wuhan, von wo aus sich die Corona-Pandemie zunächst ausbreitete, in der Provinz Yunnan lebte. Die genetische Übereinstimmung der beiden Viren liegt bei 96 Prozent. Sie stammen demnach wohl von einem direkten gemeinsamen Vorfahren ab. Sars-CoV-2 und RaTG13 entwickelten sich wohl, wie auch weitere verwandte Coronaviren, in den Hufeisennasen, allerdings in zwei unterschiedlichen Linien.

Zwei ähnliche Coronaviren, die in Pangolinen gefunden wurden, spalteten sich der Studie zufolge bereits vor der Entstehung der Sars-CoV-2/RaTG13-Linie ab. Daraus folgern die Forscher, dass sich das neuartige Coronavirus wahrscheinlich nicht in den Schuppentieren, sondern in Fledermäusen zum Menschenvirus entwickelte.

Die Wissenschaftler stellen heraus: „Insgesamt weist unsere Analyse auf Fledermäuse als primäres Reservoir für die Sars-CoV-2-Linie hin.“ Es sei möglich, dass Pangoline, oder eine andere noch nicht identifizierte Art als Zwischenwirt auf den Menschen dienten. „Doch gegenwärtig sieht es so aus, dass ein Virus, das sich in Fledermäusen entwickelte, eine Gruppe von Viren hervorbrachte, die den oberen Atemtrakt von Menschen und Pangolinen infizieren können“, erklären die Forscher.

Studie: Weitere Fledermaus-Coronaviren könnten ebenfalls auf Menschen übergehen

Der Studie zufolge ist das Stachelprotein, welches für das Andocken von Sars-CoV-2 an den ACE2-Rezeptoren auf menschlichen Zellen verantwortlich ist, kaum durch Rekombination verändert. Das bedeutet, dass diese Struktur, die das neuartige Coronavirus erst zu einem Krankheitserreger für Menschen macht, auch bei anderen Fledermaus-Coronaviren zu finden ist. Diese könnten menschliche Zellen also ebenfalls angreifen.

Die Forscher um den Infektiologen Boni folgern daher: „Die verschiedenen Stämme, die vom gemeinsamen Vorfahren von Sars-CoV-2/RaTG13 abstammen, bilden eine Gruppe mit der generellen Fähigkeit, Säugetierzellen zu befallen. Dies ermöglichte den Übergang auf den Menschen, und der könnte wieder erfolgen.“ Da es schwierig ist, gefährliche Erreger zu entdecken, bevor sie ausbrechen, fordern die Wissenschaftler ein globales Überwachungssystem, um ungewöhnliche Häufungen von Erkrankungen möglichst schnell zu erkennen und die Erreger ausfindig zu machen.

Ärzte warnen vor möglichen Folgeschäden einer Covid-19-Erkrankung - vor allem an der Lunge. Eine Corona-Studie aus dem chinesischen Wuhan weist nun in diese Richtung. Das britische Corona-Management scheint alles andere als rundzulaufen. Etwa 740.000 Corona-Tests mussten zurückgerufen werden. Ein deutsches Forschungsteam hat in einer Studie die Wirkung von Mundspülungen auf das neuartige Coronavirus untersucht, das Ergebnis überrascht. (ph)

Warum klagen mit dem Coronavirus infizierte Patienten häufig über den Verlust ihres Geruchssinns? Eine neue Studie beschäftigt sich damit - und liefert interessante Ergebnisse. (*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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