Unterricht in der Pandemie

Erneute Schulschließungen wegen Corona? Neue Studie zu Kindern warnt vor „erheblichem Risiko“

In der Corona-Pandemie wurde immer wieder der Unterricht an Schulen eingeschränkt. Die zweite Welle bringt eine Diskussion erneut ins Rollen: Müssen wir dicht machen?

  • Ein bundesweiter harter Lockdown vor Weihnachten rückt immer näher.
  • Auch die Schulen könnten wegen des Coronavirus* erneut von Einschränkungen betroffen sein.
  • Die Kultusminister sehen das kritisch, bekommen aber auch Gegenwind.

Berlin/Mainz - Elf Millionen Schülerinnen und Schüler gibt es in Deutschland. Für sie war 2020 wahrlich kein gewöhnliches Schuljahr. Der Unterricht litt immer wieder unter der Corona-Pandemie. Schulschließungen, gesplittete Klassen und Distanzunterricht machten das Lernen schwer. In den vergangenen Wochen ist die Debatte um die Schulen angesichts hoher Fallzahlen neu entbrannt. Doch besonders die Kultusminister stehen neuen Schließungen zumindest skeptisch gegenüber.

Allerdings bringen steigende Coronazahlen die Kultusministerkonferenz in Bedrängnis. Nun stellen sich Bildungsminister der Länder doch auf eine Schließung von Schulen ein, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie abzubremsen. Wenn die Ministerpräsidenten am Wochenende einen harten Lockdown beschließen sollten, seien die Bildungsminister „auch bereit, unseren Teil beizutragen“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD).

Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina hatte sich diese Woche in einem umfassenden Maßnahmenkatalog für Schließungen ausgesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte deutlich ihre Zustimmung zu den Vorschlägen der Wissenschaftler. Sie bat die Ministerpräsidenten der Länder inständig die Schulferien zu verlängern und vorzuziehen.

Corona-Lockdown in Deutschland: Schulen sollen im Zweifelsfall nur kurz schließen

Die Kultusminister wollen Einschränkungen des Regelbetriebs an den Schulen aber möglichst kurz halten, auch mit Blick auf die Abschlussklassen. In den letzten Tagen waren Ministerpräsidenten verschiedener Bundesländer Merkels Bitte gefolgt und hatten vorgeschlagen, die Weihnachtsferien ein gutes Stück in den Januar zu verlängern oder diese vorzuziehen, um die Zahlen besser unter Kontrolle zu bringen.

Diesem Vorstoß steht man ablehnend gegenüber. Möglich sei aber Anfang Januar eine unterrichtsfreie Zeit mit eingeschränktem Unterricht, so Hubig. „Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst viel Präsenzunterricht haben, aber nicht in eine Situation geraten, dass im Januar die Infektionszahlen* hochgehen.“ Besondere Aufmerksamkeit benötigten jüngere Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen. Es sei wichtig, „sie schnell wieder in den Regelbetrieb zu bekommen“.

Erneute Schul-Schließungen in Deutschland: Kultusminister sehen den Vorschlag kritisch

Für einige Kultusminister wird mit den Überlegungen zu Schulschließungen zu leichtfertig umgegangen. „Ob Deutschland einen Lockdown macht, das entscheiden die Ministerpräsidenten“, sagte der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD). Wenn dann auch Schulen geschlossen werden müssten, sollten die Erfahrungen vom Frühjahr mitbedacht werden. Jüngere Schüler könnten kaum alleine lernen, die häusliche Enge sei für einige Kinder problematisch.

„Uns wundert, wie schnell das in Vergessenheit geraten ist“, sagt er zu den Plänen für eine erneute Schließung der Schulen. Zudem glauben einige nicht, dass der Schulbetrieb für die Eindämmung des Coronavirus* entscheidend sei, darunter der hessische Kultursminister Lorz (CDU). Wenn es nicht auch weitere Einschränkungen wie im Einzelhandel gäbe, würden sich die jungen Menschen dann außerhalb der Schulen infizieren. Die bisherigen Erkenntnisse zeigten, „dass Schulen natürlich keine virusfreien Blasen sind, aber dass sie auch keine Brandbeschleuniger sind, keine Treiber der Pandemie“.

Schulen in der Kritik: Versäumnisse bei Konzepten für Online-Unterricht - Studie warnt vor „erheblichem Risiko“

Man habe sich immer bemüht, den Empfehlungen der Wissenschaft zu folgen, sagen alle drei Politiker. Es sei schlussendlich aber eine politische Abwägung, ob man Schulen schließe. Rabe zeigt sich über besonders betrübt darüber, dass der Wert und die Bedeutung der Schule „nicht immer die nötige Anerkennung gefunden haben“. Diese Einschätzung teilen viele in der aktuellen Lage nicht. So fragt sich etwa SPD-Bundestagsabgeordneter Karl Lauterbach auf Twitter, warum nach all den Monaten noch kein hochwertiger Online-Unterricht möglich sei. Niemand verlängere die Ferien gerne, anders seien die Fallzahlen aber nicht ausreichend zu senken.

Auch der renommierte Virologe Christian Drosten sieht durchaus, dass bei Schülern vermehrt Fälle auftreten. Gestützt wird die Meinung des Experten von einer neuen Studie aus Österreich, aus der Spiegel zitiert. Die noch unveröffentlichte Auswertung eines Massentests an österreichischen Schulen zeigt demzufolge, dass Sars-CoV-2 genauso viele Schüler befällt wie Lehrer. „Schulen sind keine Insel der Seligen“, mahnt Studienleiter Michael Wagner von der Uni Wien. Wenn man sie nicht schließe, gehe man „ein erhebliches Risiko“ ein. „Man sollte dann aber ehrlich kommunizieren, welche Folgen dies für das Infektionsgeschehen haben kann“.  (mam/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: ©  Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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