„Nicht alles futsch, was wir erreicht haben“

Ist die neue Corona-Variante BJ.1 gefährlich? Streeck gibt Einschätzung ab - und äußert sich zum Oktoberfest

Es grassiert schon wieder eine neue Corona-Variante: BJ.1. Der Virologe Hendrik Streeck erklärt, auf was wir uns nun einstellen sollten.

München - Seit bald drei Jahren begleitet uns die Corona-Pandemie. Das Coronavirus ist seitdem oft mutiert. In Deutschland dominiert im Moment die BA.5-Variante von Omikron. Von der Omikron-BA.2-Variante gibt es sogar mehrere Untermutationen. Erst kürzlich wurde wieder eine entdeckt: BJ.1. Bislang sind aber nur rund 70 Infektionen weltweit bekannt, die meisten davon in Indien.

Corona: Neue Omikron-Variante BJ.1 auch in Österreich entdeckt

Allerdings wurde die Virus-Variante BJ.1 auch in Österreich entdeckt. Die neue Variante könnte nun gefährlich werden. Das Besondere sei, „dass sie einen Rekord an Mutationen aufweist“, erklärt Ulrich Elling, Molekularbiologe am Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, gegenüber dem Standard. Es habe 13 Mutationen zusätzlich zu den 31 Mutationen von BA.2 am Spike-Protein. So viele Mutationen hatte noch keine Omikron-Subvariante. Zum Vergleich: BA.5 hat fünf Zusatzmutationen zusätzlich zum BA.2-Paket, und Delta acht.

Was, wenn sich BJ.1 durchsetzt? Virologe Streeck: „Nicht alles futsch, was wir erreicht haben“

In einem Interview mit n-tv erklärte der Bonner Virologe Hendrik Streeck: „Man muss erstmal festhalten, solche Mutationen passieren andauernd. Daher können wir noch gar nicht sagen, ob sich die BJ.1-Variante durchsetzt. Ein anderer Favorit ist zum Beispiel die BA.2.75.2-Variante.“ Das seien Varianten, bei denen es vermehrt Mutationen an der Oberfläche vom Virus gebe. Also, „da wo die Antikörper anbinden, wo das Immunsystem angreift.“ Dadurch könne das Immunsystem das Virus nicht mehr ganz so gut erkennen.

„Aber das ist keine komplette Immunflucht, man hat immer noch eine Teilimmunität, auch wenn man gegen das ursprüngliche Virus geimpft wurde. Was man sagen muss: Man muss es beobachten. Aber es gibt jetzt keinen Grund, zu glauben, dass alles, was wir in den letzten zweieinhalb Jahren erreicht haben, wieder futsch wäre, wenn sich diese Variante durchsetzt.“

Hendrik Streeck sieht die Gefahr eines Superspreading-Events beim Oktoberfest.

Oktoberfest und Corona: Streeck sieht mögliches „Superspreading-Event“ - Wichtige Erkenntnisse für den Winter

Streeck wurde auch noch zum anstehenden Oktoberfest gefragt, wie groß seine Sorge vor einem Superspreader-Event sei. Schließlich würden wieder Menschen aus der ganzen Welt erwartet. „Ich hoffe, die Kollegen in München werden das sehr genau beobachten. Weil es ist in der Tat so, dass beim Oktoberfest natürlich Millionen Menschen zusammenkommen und es so leicht zu einem Superspreading-Event kommen kann.“

Man könne es aber noch nicht genau einschätzen, was das am Ende bedeute. „Aber es wird für uns interessant werden. Natürlich auch im Hinblick auf Herbst und Winter, wenn wir Public-Viewing für die Weltmeisterschaft haben, wie wir dann in Zukunft damit umgehen. Aber einschätzen können man es leider erst, wenn wir mitten im Oktoberfest sind.“ Der Virologe will sich übrigens nicht ein viertes Mal gegen Corona impfen lassen. (md)

Rubriklistenbild: © Bildmontage: Volker Preusser, Christoph Hardt via www.imago-images.de

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